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Sammlung für Projekt „Kunst im Weg“ läuft noch / Zwölf Künstler in Fuhlen und Lachem dabei

Viele haben bereits ihre Löffel abgegeben

Lachem (ah). Ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen, haben in den letzten Wochen zahlreiche Menschen ihre Löffel abgegeben. Eine ältere Dame aus Welsede etwa überreichte Britta Samsen-Huch originalverpackte Silberlöffel ihrer Eltern mit den Worten sie würde sich freuen, wenn diese im Rahmen von „Kunst im Weg“ zum Einsatz kämen. Auch zwei ältere Herren haben der Hessisch Oldendorfer Künstlerin Esslöffel aus einem Alpaka-Besteck vorbeigebracht, aus der ehemaligen Sowjetzone stammt weiteres Tafelsilber. „Aus Hemmendorf ist eine ältere Dame extra zu uns nach Lachem gekommen, um mit ihrer Löffelspende einen Beitrag für ,Kunst im Weg‘ zu leisten“, erklärt Nora Heißmeyer.

veröffentlicht am 22.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 11:41 Uhr

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Hintergrund für die Löffelaktion bildet Birgitta Martins Aufruf zur Löffelkollekte. Die Springer Künstlerin plant Ende September beim Projekt Kunst im Weg des Culturvereins Hessisch Oldendorf, Löffel in einer Installation im Dunkeln zu verarbeiten. Vor allem in Fuhlen und Lachem, wo die Kunst im Weg-Ausstellungen von zwölf Künstlerinnen und Künstlern an besonderen Plätzen zu sehen sind, wurde eifrig gesammelt. Über 200 Löffel, einfache aus Blech ebenso wie versilberte oder kunstvoll verzierte, haben den Besitzer gewechselt, sind bereits bei Britta Samsen-Huch in Hessisch Oldendorf, im Wirtshaus Bücher in Fuhlen sowie beim Lachemer Künstler Friedrich Heißmeyer abgegeben worden.

An der Meier-Köpkeschen Scheune in der Lachemer Dorfstraße hat Birgitta Martin die gesammelten Löffel nun in Empfang genommen. In den als Unterstand für landwirtschaftliche Gerätschaften genutzten Räumen wird sie ihre Installation „Was bleibt“ präsentieren. „Dabei steht weniger das Material, sondern eher der Löffel als Alltagsgegenstand im Vordergrund“, erklärt die Künstlerin. Die Idee, Löffel zu einem Kunstwerk zu verarbeiten, sei entstanden im Kontext der Bedeutung des ursprünglichsten der Esswerkzeuge sowie inspiriert von Literatur aus dem Zweiten Weltkrieg. „Damals trugen Flüchtlinge immer einen Löffel bei sich, um mitessen zu können, wenn es etwas gab“, erzählt sie und fügt hinzu: „Dabei hat jeder Löffel seine eigene Geschichte.“ Dass ihr für die Löffel-Installation eine Scheune zur Verfügung steht, gefällt Birgitta Martin. „Jeder Hof hat seine Geschichte, von dort kommen Nahrungsmittel, für die wiederum Löffel benötigt werden“, erläutert sie.

Ihr künstlerisches Konzept habe auch einen aktuellen Bezug: „Was ist mit der Nahrung heute?“ Gewarnt werde vor „verseuchter, verdorbener, verstrahlter Nahrung“, zugleich würden Nahrungsmittel zur Energiegewinnung angebaut, während an anderen Orten gehungert werde. „Der Löffel aus hartem Metall wird jeden von uns überleben, bleibt Zeichen unserer Zivilisation, unseres Gewesen-Seins, wenn wir längst verwest sind“, führt die Springer Künstlerin aus.

Sie verrät, dass bei der Installation die Löffel aufgehängt werden und es für die richtige Atmosphäre ganz dunkel sein müsse. „Auf ungewöhnliche Weise werden sie dann sichtbar werden, wie aus einer geistigen Welt leuchten oder auch unsichtbar bleiben“, ergänzt sie. Gut eine Woche wird Birgitta Martin damit beschäftigt sein, die Löffel zu behandeln; erst danach könne sie mit der Installation beginnen. „Wichtig ist, dass sie die Besucher zum Nachdenken anregt und diese es zugleich genießen, sie anzuschauen“, betont sie. „Mich spricht besonders an, dass die Bevölkerung hierbei mit einbezogen wird, ich finde es fantastisch, wie viele Löffel schon gesammelt wurden – je mehr, desto besser.“ Wer sich also noch mit einer Löffelspende an der Installation beteiligen möchte, kann diese bis Ende August bei Britta Samsen-Huch in Hessisch Oldendorf, Nora und Friedrich Heißmeyer in Lachem sowie im Wirtshaus Bücher in Fuhlen vorbeibringen. Werden die einzelnen Löffel im Kunstwerk wiederzufinden sein? „Mancher mag bestimmt wiedererkannt werden“, so die Künstlerin.

„Mit ihrer Installation will Birgitta Martin die Zuschauer verzaubern“, sagt Barbara Jahn-Deterding. Für die Vorsitzende des Culturvereins ist das Werk von Birgitta Martin ein besonders kommunikatives Projekt im Rahmen von „Kunst im Weg“, „weil hier die Menschen vor Ort mitgenommen werden“. Im Team mit Britta Samsen-Huch, die für den kreativen Part verantwortlich zeichnet, ist Organisatorin Barbara Jahn-Deterding mit dem Stand der Vorbereitungen zu Kunst im Weg sehr zufrieden. Die Flyer für die bisher einmalige zweitägige Kunstaktion sind ab kommendem Montag zu bekommen.

Am Sonnabend, 29. September, und am Sonntag, 30. September, können sich Kunstfreunde ein Bild von „Kunst im Weg“ an verschiedenen ausgewählten Plätzen in Fuhlen und Lachem machen. Ausgestellt wird in Scheunen, Maschinenhallen, in Gärten und den Kirchen in den beiden Weserdörfern. Auf dem Weg zwischen Fuhlen und Lachem werden Planwagen fahren, auf die diejenigen aufsteigen können, die sich nicht zu Fuß oder per Fahrrad aufmachen wollen. Zu erkennen sind die Ausstellungsorte an den dort aushängenden Plakaten mit der Aufschrift „Kunst im Weg“. Den Originalholzschnitt hat der Lachemer Künstler Friedrich Heißmeyer eigens für das Projekt des Culturvereins entworfen.



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