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„Viel besser als Unterricht“

Verkehrssicherheitstag an der Oberschule mit vielen Aktionen

HESSISCH OLDENDORF. Elektro-Kart im Hindernis-Parcours, Motorrad-Fahrsimulator, Rausch- und Überschlagsimulator - all das und noch vieles mehr konnten die Schüler der Oberschule Hessisch Oldendorf nun bei den Verkehrssicherheitstagen testen.

veröffentlicht am 16.08.2017 um 20:00 Uhr

Am Crashtestfahrzeug werden den Schülern die Folgen eines Frontalzusammenstoßes vor Augen geführt. Foto: ah
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Autor

Annette Hensel Reporterin
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Ohne Fahrpraxis setzt sich eine Jugendliche in ein Elektro-Kart, gibt Gas und fährt alle auf dem Parcours aufgestellten Hütchen um. Der 16-jährige Mechid hingegen sammelt bei seiner ersten Runde erst einmal Fahrpraxis und lenkt das Fahrzeug sicher zwischen den Hütchen hindurch. Im zweiten Durchgang soll er während des Fahrens alle Modefirmen in sein Smartphone eingeben, die ihm einfallen. Der Oberschüler drosselt die Geschwindigkeit und versucht, die Fahrbahn im Auge zu behalten, während er mit einer Hand sein Smartphone bearbeitet. Gut, dass rechts und links von ihm keine Kleinkinder spielen, denn die könnte sein Blick kaum erfassen.

Mangelnde Fahrkompetenz und Ablenkung führen häufig zu Gefahrensituationen im Straßenverkehr und zu einem hohen Unfallrisiko. Deshalb ist es dem ADAC Niedersachsen/ Sachsen-Anhalt wichtig, mit praxisnahen Erfahrungen für Aufklärung zu sorgen. In Kleingruppen mit je einem Betreuer nehmen die Jahrgänge 9 und 10 der Oberschule Hessisch Oldendorf im Rahmen eines Verkehrssicherheitstages an der ADAC Kampagne „Wait a minute“ teil. Dazu gehören neben jenem Ablenkungsparcours auch ein Überschlagsimulator und ein Crashtestfahrzeug, an dem Folgen für einen Frontalunfall aufgezeigt und die Bedeutung von Sicherheitsgurt und Airbag erklärt werden. Vierter Baustein der Kampagne ist ein Bremsversuch. Dabei sitzen Schüler als Mitfahrende in einem Auto, das von null auf 50 Stundenkilometer beschleunigt. Bei der Vollbremsung werden sie nach vorne und wieder in den Sitz zurückgeschleudert. Plötzlich kommt dem angelegten Sicherheitsgurt eine ganz neue Wertschätzung zu. „Je schneller ein Fahrzeug unterwegs ist, desto länger ist der Bremsweg. Muss es unerwartet bremsen, kommt noch ein Reaktionsweg hinzu“, erfahren die Jugendlichen. Einfach anhalten, das funktioniere bei Fahrzeugen nicht – das bekommen auch die Fünftklässler zu hören, die ebenfalls in der Straße An der Mittelschule bei der ADAC-Aktion „Achtung Auto“ mitmachen. Dabei lernen sie Gefahren im Straßenverkehr kennen und Geschwindigkeit einzuschätzen.

„Uns ist es wichtig, hier mit den Schülern ins Gespräch zu kommen“, erklärt Felix Höfinghoff vom ADAC und sagt mit Blick auf das E-Kart: „An diesem Spaßgerät wollen wir mit der Smartphone-Aufgabe Frustration erzeugen, um den Schülern noch vor dem Führerschein zu verdeutlichen, warum Handys beim Autofahren nichts zu suchen haben.“ Den Ablenkungsparcours mit dem E-Kart bietet der ADAC seit 2016 an – in Hessisch Oldendorf ist er erstmals an einer Oberschule im Einsatz.

Spektakulär: der Überschlagsimulator. Foto: ah

Einem anderen wichtigen Thema widmet sich der Rauschparcours, den die Verkehrswacht Hameln für die achten Klassen aufgebaut hat. Die Schüler haben die Aufgabe, mit einem Erwachsenendreirad an Hütchen und Bausteinen vorbei zu einer „Kneipe“ zu fahren. Davon ausgehend, dass sie dort Alkohol getrunken haben, erhalten sie eine Art Taucherbrille, durch die sie ihr Umfeld nur noch wie im Rauschzustand wahrnehmen. „Boah, alles funkelt so schön“, meint Ognyan (15), als er mit der Brille auf der Nase auf dem Rad den Rückweg antritt und dabei einen Bauklotz auf einen Pfahl setzen muss. Er kann sich dabei ganz gut konzentrieren, tritt allerdings einmal statt in die Pedale in die Luft. Diejenigen, die zuerst an der Reihe waren, hatten dafür mehr Mühe, nicht überall anzuecken.

Auf den Jahrgang 8 wartet zudem ein Motorrad-Fahrsimulator der Kreisverkehrswacht Hameln-Pyrmont, an dem sie lernen, die Maschine zu starten, zu lenken und zu bremsen. „Das macht Spaß“, meint Danyel (13). Dr. Herbert Seutemann, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, hat zusätzlich einen 500 Euro-Scheck für die Oberschule im Gepäck, den er Schulleiter Ottmar Framke zusammen mit Preisen im Wert von 250 Euro überreicht. Diese werden unter den Schülern verlost, die ein verkehrstechnisch sicheres Fahrrad mitgebracht haben.

Ziel des Verkehrssicherheitstages ist es, die Kinder und Jugendlichen zu verantwortungsbewussten und umsichtig handelnden Verkehrsteilnehmern zu erziehen – egal, ob als Fußgänger, Fahrrad- oder Mofafahrer oder auch als Beifahrer. Dafür verwandelt sich das Außengelände der Schule in einen Fuhrpark zum Schauen, Ausprobieren und Sensibilisieren. Betreut wird er von zahlreichen Vertretern von Vereinen und Institutionen. Statt Mathe, Deutsch oder Englisch stehen in den fünften Klassen die Busschulung der Öffis, ein Fahrradsimulator der Verkehrswacht mit Reaktionstest, eine Fahrradprüfung durch die Polizei Hessisch Oldendorf und „Achtung Auto“ auf dem Stundenplan. Ähnlich sieht es bei den Sechstklässlern aus, bei denen ein Fahrradparcours „Achtung Auto“ ersetzt. Neben Fahrradparcours und -prüfung nehmen die siebten Klassen an einem Erste- Hilfe-Crashkurs des DRK-Kreisverbands Weserbergland teil und lernen dabei einen Kopf- und Druckverband anzulegen. Ein von den Firmen Bothmann und Brillen Bühne durchgeführter Sehtest, eine Führerschein-App, ein Verkehrsquiz und Fragebögen runden das auf jede Altersgruppe zugeschnittene Programm zur Verkehrssicherheit ab.

Lena, Emily und Samira aus dem neunten Jahrgang finden vor allem den Überschlagsimulator „megacool“. Dabei dreht sich ein Fahrzeug, in dem die Schüler Platz nehmen, um seine Längsachse. „Anfangs bin ich erschrocken, dachte eine Sekunde lang: Das war’s“, sagt Lena. „Wichtig ist, angeschnallt zu sein, denn der Gurt ist der Letzte, der bei einem Crash auf unserer Seite ist“, erfahren die drei und sind sich am Ende des von den Lehrkräften Christoph Schwan und Frank Adam organisierten Aktionstages einig: „Das war viel besser als Unterricht.“



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