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Vor 20 Jahren entdeckte Hartmut Brepohl die Schillat-Höhle / „Für mich ist sie wie ein eigenes Kind“

Unterirdische Zeitzeugen von unschätzbarem Wert

Langenfeld (doro). „Ahhh... Höhlengeruch.“ Erdig ist der und frisch, findet Hartmut Brepohl. Höhlengeruch eben. Hier ist der Höhlenexperte und ehemalige Sprengmeister des Steinbruchs zu Hause. Er war es, der die Höhle, die heute ihr 20-jähriges Bestehen feiert, am 9. September 1992 entdeckte.

veröffentlicht am 15.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 10:21 Uhr

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Es ist morgens, 9 Uhr. Seit Tagen rechnet Brepohl damit, auf die Höhle zu stoßen. Zwei Jahre schon macht er sich Aufzeichnungen über den lehmverfüllten Spalt, hinter dem er mehr vermutet. Vor einem Jahr hat er einen Nebengang entdeckt, 15 Meter konnte man hineinklettern, dann war Schluss. An diesem Morgen wird die Ahnung nach der dritten durchgesackten Bohrung zur Gewissheit. „Die Bohrlöcher hatten immerhin 90 Millimeter,“ sagt Hartmut Brepohl. Er ist besonders aufmerksam und besetzt die Sprenglöcher mit weniger Sprengstoff als sonst.

Nach der Sprengung sieht er zunächst – gar nichts. Zwei bis drei Tage brauchen die Bagger, bis sie das Gestein weggeschafft haben. Dann endlich ist der Weg frei. Hartmut Brepohl ist ergriffen; „Es war wie bei einer Geburt“, sagt er, „und die Höhle ist ja auch mein drittes Kind.“ In das Glücksgefühl Experten mischt sich auch Angst: Was passiert mit der Höhle?

Neugierig kriecht er zunächst einmal selbst hinein. Nach wenigen Metern sieht er den ersten Sinter – und dass es sich nicht um einen kurzen, sondern einen langen Hohlraum handelt. Von Decke und Wänden ist viel Gestein in den Gang gefallen und man kann sehen, dass viel Wasser hindurchgeflossen ist.

3 Bilder

Nach der ersten Begutachtung meldet er die Höhle, „das ist Pflicht“. Zusammen mit Bodo Schillat, Entdecker der Riesenberghöhle, erkundet Brepohl die Höhle in ganzer Länge. Am traumhaften „Märchenwald“ fühlt er sich an die Riesenberghöhle erinnert. An Schönheit kann die Schillat-Höhle es zwar nicht mit der 1969 entdeckten und für die Öffentlichkeit aus Schutzgründen nicht zugängliche Höhle aufnehmen, aber sie ist ein Zeitzeuge von unschätzbarem Wert. „Hier können wir die Eiszeit erklären, Vergletscherung, Eisbildung in der Höhle und ihre Zerstörung durch den sogenannten Permafrost“, sagt Hartmut Brepohl. „Vor 25 Jahren war das noch kein Thema.“ Bodo Schillat habe zur Zerstörung zunächst eine andere Theorie gehabt: Er sei, wie andere Experten, von einem Erdbeben ausgegangen. Neuere Forschungen im Sauerland und Hessen hätten jedoch ergeben, dass der Permafrost schuld war. In der Schillat-Höhle kann man an vielen Stellen nachvollziehen, wie das Gestein „abgeschert und wieder versintert, also angewachsen ist“.

Nach der Entdeckung wird die Höhle dokumentiert. Die Höhlengruppe Nord, zu der auch Hartmut Brepohl gehört, vermisst einige Jahre vorwärts und rückwärts, fotografiert und dokumentiert. Am Ende ist man auch heute noch nicht.

1997 dann wird die Höhle zur Schauhöhle ausgebaut, ABM-Kräfte werden eingestellt, und nachdem sein Chef ausgeschieden ist, wird Hartmut Brepohl ehrenamtlicher Betriebsleiter der Schillat-Höhlen-Gesellschaft. Am 21. August 2004 wird die Höhle feierlich von Landwirtschaftsminister Ehlen eröffnet. Heute ist sie ein Touristenmagnet im Weserbergland. Rund 26 000 Gäste kommen jährlich. Hartmut Brepohl aber ist am liebsten in der Höhle, wenn die Menschen wieder verschwunden sind. Wenn er wieder eins werden kann mit der wohltuenden Stille.

Heute feiert die Schillat-Höhle ihr Bestehen mit einem Familienfest von 10 bis 17 Uhr, ab 11.30 Uhr Karstwanderung mit Hartmut Brepohl und Birgit Brinkmann.

An dieser Stelle erzählt Höhlenführer Hartmut Brepohl immer die „erweiterte“ Geschichte des Baxmannes, der auf seiner Flucht durch den Riesenberg in eine Spalte rutschte und stecken blieb.

Wunderschön anzusehen: Die von ultraviolettem Licht angestrahlten, sonst farblich eher unscheinbaren Mineralien: Der Opal beispielsweise leuchtet grünlich, Fluorid scheint violett und Korunt rot.

Fotos: doro



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