weather-image
17°
Kranke Tiere in Hessisch Oldendorfer Revieren geschossen / Ansteckungsgefahr für Hunde

Unter Füchsen grassieren Räude und Staupe

Hessisch Oldendorf (pj). Eigentlich ist Hegeringleiter Karl-Henning Schwiezer-Koch davon ausgegangen, dass die Räude zumindest im Hessisch Oldendorfer Südweserbereich kein Thema mehr ist. Doch am Sonntag wurde in Fuhlen erneut ein Fuchs erlegt, der von der Krankheit befallen war. Es war das zweite Tier aus der Familie Reineke, das im Jagdjahr in der Nähe des Dorfes geschossen wurde, großflächig Haarausfall aufwies und an einigen Körperteilen starke Kratzspuren aufwies. Gemeldet wurden dem Jagdpächter im Revier Fuhlen-Friedrichshagen in den letzten Monaten außerdem Füchse, die mit Staupe infiziert waren.

veröffentlicht am 03.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 23:21 Uhr

270_008_5288162_lkho101_0303.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bei der revierübergreifenden Fuchsjagd in Hessisch Oldendorf im Februar wurden elf Füchse erlegt, einer aus dem Revier des Hegeringleiters Schwiezer-Koch war an Räude erkrankt, in Langenfeld war gleichzeitig ein Fuchs gesichtet worden, der ebenfalls deutlich Zeichen der Krankheit zeigte. Kreisjägermeister Jürgen Ziegler geht davon aus, dass die Räude in Hameln-Pyrmont nahezu flächendeckend zu verzeichnen ist. „Ich habe zwar noch kein Ergebnis über die Fuchsstrecke, doch ich gehe davon aus, dass sie geringer sein wird als in den Vorjahren“, erklärt Jürgen Ziegler. Hartmut Requardt, Vorstandsmitglied im Hegering Hessisch Oldendorf, kann da schon deutlicher werden. Der Fuchsabschuss in diesem Jagdjahr ist deutlich niedriger, wie die von ihm ermittelten Zahlen ausweisen. Kamen 2010/11 noch 186 Füchse zur Strecke oder wurden tot in Hessisch Oldendorfer Revieren aufgefunden, sind es 2011/12 nur 82.

Dr. Egbert Strauß, stellvertretender Leiter des Wildbiologischen Instituts der Tiermedizinischen Hochschule Hannover, erklärt, dass die Fuchsräude aus rund 1000 niedersächsischen Revieren, das sind rund zwölf Prozent aller Reviere im Land, gemeldet wurde. Am häufigsten trete die Krankheit im südlichen und östlichen Niedersachsen auf.

Dabei dürfte nicht nur die Räude Einfluss auf die geringer werdende Population der Rotröcke haben. „Wir haben in diesem Jagdjahr acht Füchse vom Kreisveterinäramt untersuchen lassen, fünf davon waren Staupeträger“, sagt der Kreisjägermeister. Die Tiere kamen aus den Bereichen zwischen dem Ith und dem Kreisgebiet östlich des Süntels, wie Jürgen Ziegler ausführt. Landwirt und Jäger Jobst Garbs aus Hamelspringe berichtete im Juli 2011: „Seit Januar wurde ich bereits zu elf verendeten oder schwer kranken Füchsen gerufen, die Spaziergänger im Dorf gefunden haben. Im Wald entdeckte ich neulich drei tote Jungfüchse.“ Dr. Egbert Strauß weist darauf hin, dass sich seit einigen Jahren der Staupevirus bei Füchsen und vermutlich auch bei Mardern im südlichen Niedersachsen ausbreitet.

Damit drohen Probleme, die auch Hundehalter betreffen können. Die Fuchsräude wird durch die Grabmilbe Sarcoptes scabiei verursacht. Neben mehreren Säugetierarten kann auch der Mensch befallen werden. Während die Krankheit bei Wildtieren tödlich verläuft, können infizierte Haustiere und Menschen erfolgreich behandelt werden. Da die Infektion durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren erfolgen kann, besteht bei den Füchsen ein großes Risiko der Ansteckung mit der Grabmilbe in den Wintermonaten während der Paarungszeit oder bei der Aufzucht der Jungen.

Das Staupevirus wird mit Sekreten (Speichel, Nasen- oder Augensekret) oder Exkrementen (Kot, Harn) ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt wie bei der Räude durch Direktkontakt, Lecken oder Tröpfcheninfektion, über Futter, Wasser oder Gegenstände, die mit den Ausscheidungen erkrankter Tiere verunreinigt sind. Die Staupe ist eine fieberhafte, meist akut verlaufende Krankheit mit oft eitrigen Atemwegen, verklebten Augenlidern und Nasenausfluss. Erbrechen, Darmentzündungen und Durchfall werden beobachtet. Auffällig sind auch Muskelzittern, epileptische Anfälle, Lähmungen und Wesensveränderungen. Da die Füchse ihre Scheu vor Menschen verlieren, wird nicht selten angenommen, dass sie an Tollwut erkrankt sind.

Was die Räude und die Staupe betrifft, rät Kreisjägermeister Jürgen Ziegler ebenso wie Tierärzte den Hundebesitzern, darauf zu achten, dass ihre Vierbeiner Impfschutz haben. Die jährliche Mehrschutzimpfung sei ausreichend, sagen die Veterinäre. Sie und Jäger empfehlen, auch außerhalb der gesetzlichen Zeit des Leinenzwangs Hunde wegen des möglichen Kontakts mit infizierten Wildtieren an der Leine zu führen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare