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Laubbäume ersetzen nach Kyrill die Fichtenbestände im Weserbergland / Pflanzaktion läuft

Unser Wald verändert sich grundlegend

Hessisch Oldendorf (pj). Wo früher Fichten standen, werden derzeit verschiedene Laubhölzer angepflanzt. Auf Flächen im Bereich des Forstamtes Oldendorf, besonders in den Revierförstereien Langenfeld, Rinteln, Dobbelstein und Welsede, auf denen vor zwei Jahren der Sturm „Kyrill“ Fichtenbestände entwurzelte oder Bäume wie Streichhölzer abknickte, werden rund 74 000 Buchen gepflanzt. Unser Wald wird sich nach Kyrill grundlegend verändern.

veröffentlicht am 03.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 15:21 Uhr

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25 000 Setzlinge vom Bergahorn

Das Sturmtief Kyrill hatte 2007 im Bereich des niedersächsischen Forstamtes Oldendorf rund 180 Hektar Wald vernichtet. Es handelte sich dabei größtenteils um Fichtenbestände. „Aufgrund der standörtlichen Gegebenheiten, des Klimawandels und des Grundsatzes der Nachhaltigkeit geht der Trend nun jedoch dahin, diese Freiflächen mit Buchen, Edellaubholz und Douglasien wieder aufzuforsten“, erklärt Forstdirektor Christian Weigel. Der Leiter des niedersächsischen Forstamtes Oldendorf führt weiter aus, dass neben den Buchen die Douglasie anstelle der Fichte als konkurrenzstärkere Art ebenfalls mit knapp 20 000 Stück gepflanzt wird. „Sie ist zwar keine einheimische Art, kann aber ökologisch als geeignete Bereicherung der einheimischen Baumarten angesehen werden“, betont Christian Weigel. Die Douglasie sei weniger anfällig für den Borkenkäfer, ihr Holz habe ähnliche Verwendungsmöglichkeiten wie das Fichtenholz. Der Vorteil der Douglasie gegenüber der Fichte: sie wurzelt tiefer im Boden und hat deshalb eine bessere Standfestigkeit. Hinzu komme, dass dieses Nadelgehölz im Hinblick auf den Klimawandel weniger anfällig bei Trockenheit sei.

Bei der großen Pflanzaktion, die gerade läuft, werden natürlich auch Edellaubhölzer nicht vernachlässigt: „So zum Beispiel die Elsbeere, die warme, sonnige Hänge auf Kalkstandorten bevorzugt und sich deshalb ebenfalls als zukunftsorientierte Baumart bezeichnen lässt“, sagt Forstdirektor Weigel. Auch der Bergahorn, der früher nicht so gern gepflanzt wurde, da er keine Früchte trägt, die als Futter für das Vieh dienten, als dieses noch in den Wald getrieben wurde, spielt bei der Wiederbewaldung eine erhebliche Rolle. Für die Revierförstereien Langenfeld, für Rinteln und Ottenstein wurden rund 25 000 Bergahorn-Setzlinge bestellt, die ebenfalls jetzt gepflanzt werden.

Bei allen Arten, die auf den Freiflächen wachsen sollen, wird von den zuständigen Förstern immer darauf geachtet, dass die Bäume standortgerecht sind. „Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und ökologischer Ausrichtung der Forstwirtschaft“, erklärt Christian Weigel. Um nicht die gleichen Schäden heraufzubeschwören wie sie der Sturm Kyrill angerichtet hat, werden Fichtenreinbestände vermieden und Mischbestände unter starker Laubholzbeteiligung aufgeforstet. „Unsere Standorte mit den ausgesprochen guten Böden eignen sich dafür“, sagt Revierförster Uwe Sprick, der sich mit Christian Weigel die Pflanzung auf dem Dachtelfeld ansieht.

Christian Weigel
  • Christian Weigel

Keine Roteichen derzeit auf dem Markt

Schon im vergangenen Frühjahr waren etwa 230 000 Pflanzen auf die Freiflächen gebracht worden. Es hätten noch mehr sein können, „doch aufgrund der großen Nachfrage konnte das Forstamt keine ausreichende Mengen an Pflanzen ankaufen und pflanzen lassen“, erklärt der Leiter des Niedersächsischen Forstamtes. Gern hätten die Forstleute auch Roteichen angepflanzt. „Es waren aber keine Pflanzen auf dem Markt“, bedauert Christian Weigel. Dass es zu Engpässen kommt, liegt zum einen daran, dass die Bäume nicht jedes Jahr Früchte tragen, „zum anderen dürfen nur Setzlinge aus ausgewählten Beständen verwendet werden“, wie Forstdirektor Weigel ausführt. So kommt der Bergahorn, der auf dem Dachtelfeld und auf anderen Standorten im Bereich des Weserberglandes gerade gepflanzt wird, „aus dem Pfälzer Wald, denn im dortigen Bergland herrschen gleiche Bedingungen wie bei uns“, sagt Christian Weigel.

Eine Fachfirma aus Boizenburg wurde für die Pflanzungen eigens engagiert. Acht Arbeiter sind dabei, die Wurzeln der jungen Bäume in die Erde zu bringen. Neben Buchen, Bergahorn und Douglasie werden auch Esche, europäische Lärche, Erle, Kirsche, Elsbeere und Eibe gepflanzt. Eibe und Elsbeere sollen vor allem in den Naturschutzgebieten nebeneinander wachsen. Die Eibe wächst fast ebenso langsam wie die Elsbeere und sorgt mit ihrer Beschattung dafür, dass diese sich nicht zu Büschen auswächst.

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