weather-image

In einer kleinen Stadt in Norddeutschland sind die Menschen vom Virus Karneval befallen

Und doch: Hoch lebe die Narretei an der Weser

Hessisch Oldendorf. Die Weihnachtsdekoration ist Luftschlangen, Luftballons und Konfetti gewichen; in den kommenden Wochen herrscht König Karneval in Hessisch Oldendorf. Der Oldendorfer Carneval-Club von 1972 feiert sein 40-jähriges Bestehen und verspricht zum Auftakt morgen im Baxmann-Zentrum ein „karnevalistisches Feuerwerk“.

veröffentlicht am 13.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 02:21 Uhr

270_008_5135836_lkho104_1301_1_.jpg

Autor:

Peter Jahnund Annette Hensel
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Mit großem Enthusiasmus sind die ersten Jecken aus der Weserstadt vor vier Jahrzehnten in die närrische Bütt gestiegen. Mit viel Herzblut haben sie und weitere begeisterte Narren den Verein aufgebaut und über die Jahre große Veranstaltungen organisiert. Und dies alles fernab der eigentlichen Narrenhochburgen an Rhein und Main, in Norddeutschland, wo die Menschen leben, die als eher kühl beschrieben werden. Wer nicht glaubt, dass auch an der Weser ausgelassen gefeiert wird, der sollte sich auf den Weg nach Hessisch Oldendorf machen. In diesem Zusammenhang darf auch nicht vergessen werden, dass in der Nachbarstadt Rinteln ebenfalls Narrensitzungen stattfinden.

„1968 organisierten die in Hessisch Oldendorf stationierten Holländer den ersten Karnevalsumzug in der Stadt“, erzählt Amelung. Er selbst habe mit einem motorisierten Kettcar an einem der ersten Umzüge teilgenommen. „Als die Holländer abgezogen wurden, hat die Stadtverwaltung die Gründung des Oldendorfer Carnevals-Clubs forciert, damit der Karneval weiterläuft“, sagt der Ehrenpräsident. Stadtdirektor Heinrich von der Heyde übernahm damals den Vorsitz. „Zur ersten öffentlichen Sitzung 1973 platzte der Saal im Hotel Stadt Kassel aus allen Nähten“, so Heiner Amelung und fügt hinzu: „Der Karneval hat Hessisch Oldendorf über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt gemacht.“

An eine besondere OCC-Veranstaltung erinnert Mitglied Peter Zimmer, der tatkräftig beim Schmücken der Halle hilft: „Beim Rosenmontagsball 1987 hatten sich gegen 19.30 Uhr erst 250 Gäste eingefunden. Draußen war alles eingeschneit. Als der Ball um 20.11 Uhr begann, belagerten 1000 Gäste die Stadthalle, etliche aus dem Raum Hannover. Manche kamen wegen des Schnees sogar mit dem Trecker vorgefahren“, so Peter Zimmer.

Einiges hat sich im Laufe der Jahre verändert. Waren früher der Prinzenball und vor allem der Rosenmontagsball die großen Renner, ist dies heute der Hexentag. Beim Zug durch die Stadt nehmen immer mehr wilde Weiber teil, abends ist der Saal voll, die Stimmungswellen überschlagen sich. Geblieben ist die Attraktivität des Narrenumzugs am Karnevalssonntag. Viele Tausend Menschen säumen die Straßen, um dabei zu sein, wenn die Narretei fröhliche Urstände feiert.

Für den Prinzenball haben Mitglieder des Narrenclubs die Halle in den letzten Tagen bunt geschmückt. Die Gruppen und Solisten haben sich auf die Karnevalsveranstaltungen besonders intensiv vorbereitet. „Meine Mädchen haben einen ganz neuen Gardetanz einstudiert, den sie beim morgigen Prinzenball erstmals aufführen werden“, berichtet Hannelore Amelung. Dafür habe die Prinzenehrengarde viel trainieren müssen, schließlich habe sich der Gardetanz in den 40 Jahren stark verändert: Statt auf Marschmusik werde heute auf einen modernen, sehr rhythmischen Musikmix getanzt, erläutert die Tanztrainerin. Voller Stolz verrät sie: „Alle 14 Mädchen werden einen Spagat machen.“

Beim Prinzenball werden insgesamt 57 Tänzerinnen des OCC im Alter von fünf bis 47 Jahren ihr Können präsentieren. Durch das Programm des Abends führen Sabine und Torsten Schulte, die musikalische Begleitung übernimmt nach mehrjähriger Auszeit wieder das Musikkorps der Stadt. Einer der Höhepunkte wird der Auftritt der aus Funk und Fernsehen bekannten Party-Stimmungsband „Die Landeier“ sein, die eine Superbühnenshow versprechen. Büttenreden, die Proklamation des neuen Prinzenpaares, Tanzmusik mit DJ Sascha sowie ein Rückblick der beiden Gründungsmitglieder, des Oldendorfer Carneval Clubs, Wilhelm Lutter und Heiner Amelung, runden das Abendprogramm ab.

Einlass beim Prinzenball ist ab 19 Uhr, Beginn des Programms ist um 20.11 Uhr. 250 Eintrittskarten wurden bis gestern bereits verkauft, Kurzentschlossene erhalten heute und am morgigen Sonnabend noch Karten im Vorverkauf im Fitnessstudio Papillon in der Weserstraße, im Ristorante Pierrot in der Goethestraße sowie bei der Lottoannahme Tegtmeyer in der Langen Straße. Natürlich wird es auch noch Karten an der Abendkasse geben.

Der Oldendorfer Carneval Club wurde vor 40 Jahren gegründet, kein närrisches Jubiläum, das muss in vier Jahren gefeiert werden. Ein echtes Jubiläum haben die Narren von Pierrot. Sie sind zum 25. Mal beim Umzug dabei.

Die Narrenbühne ist im Baxmann-Zentrum aufgebaut. Jasmine Grundmann und Birgit Wenzel (re.) dekorieren diese.

Foto: ah Hoch lebe die Narretei – an der Wese



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt