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Siebtes internationales Glassammlertreffen im Kultourismusforum

Tief ins Glas geschaut

Hessisch Oldendorf. Ganz schön tief ins Glas geschaut wurde am Wochenende in der gläsernen Kulisse des Kultourismusforums – allerdings nicht im sprichwörtlichen Sinne. Beim siebten internationalen Glassammlertreffen drehte sich alles um antikes Gebrauchsglas wie Trinkgläser, Flaschen in jeder Form und Größe, Tintenfässer oder Fischerkugeln. Dabei wurde so manches Glas genauestens inspiziert.

veröffentlicht am 22.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:36 Uhr

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Autor:

Anette Hensel
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Quackmedizin-Fläschchen sind Susanne Höger-Kunzes Spezialität. Die kleinen Glasflaschen wurden an Menschen verkauft, die kaum Zugang zu Ärzten hatten – wie holländische Siedler in Südafrika. „Schon als junges Mädchen stellte ich schön geformte Flaschen in mein Fenster, weil das Glas im Licht der Sonne so schön leuchtete“, erzählt die Neustädterin. Zu sammeln begann die ehemalige Mitarbeiterin im Wirtschaftsministerium, als Flaschen aus einer aufgegebenen schwedischen Glasfabrik angeboten wurden. Zu ihrer Sammlung gehören auch bei Altstadt-Sanierungsarbeiten in England ausgegrabene Fläschchen.

Olaf Koch aus Flensburg sammelt seit 1988 Glas. „Angefangen hat es beim Bau einer Kanalisation durch alte Müllhalden, die sich in Moorlöchern befanden“, berichtet der Bauingenieur im Ruhestand. Dabei seien alte Medizinflaschen und Industrieglas zutage gekommen, einige Stücke habe er mit nach Hause genommen. Manche seiner Exponate hat er von Sammlern erstanden, wie die Schnapsflasche von 1775, die in der Nähe der Zechliner Glashütte gefunden wurde. Mehrfach wurde Koch im Urlaub in Schweden fündig. Auf einem Antik-Markt verkaufte ihm ein junges Paar eine auf dem Dachboden des Großvaters entdeckte Vorratsflasche. „Sie war völlig verdreckt und mit Korbgeflecht ummantelt, doch an Mundstück und Abriss konnte ich erkennen, dass sie so um 1900 im norddeutschen Raum gefertigt wurde.“ Mit Splitt und Seifenlauge säuberte er die Flasche, deren Boden im Inneren noch von einer Schicht überzogen ist. „Man muss vorsichtig beim Reinigen sein, damit das Glas nicht platzt“, sagt Koch. Unter seinen Sammelstücken befinden sich auch eine alte Maggi-Flasche, eine Zinn-eingefasste Dimple-Flasche, eine Weihwasserflasche sowie eine mundgeblasene Bols-Flasche mit vier Kammern für vier Liköre.

Willem van Traa, Vorsitzender des Vereins „De Oude Flesch“, der sich auf das Sammeln von antiken Gebrauchsflaschen spezialisiert hat, ist aus Holland angereist. Kaum beginnt er seine Flaschen und Weingläser aus Papier und Folie zu wickeln, wird er schon von anderen Sammlern umringt. Jedes einzelne Glas wird beäugt, schließlich könnte sich ein Schätzchen darunter befinden, das in der eigenen Sammlung fehlt. „Die stammt aus Persien!“, ruft jemand, als van Traa eine flache Glasflasche auf den Tisch legt.

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  • Olaf Koch aus Flensburg mit einer Weihwasserflasche aus Schleswig von 1900. Foto: ah
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  • Am Sonntagvormittag wird im Kultourismusforum gefachsimpelt. Foto: ah
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  • Tief ins Glas geschaut: Flaschensammler Degenhard May aus Rheinland-Pfalz mit einem Römer aus dem 18. Jahrhundert. Foto: ah

Eine viel weitere Strecke als van Traa hat Helmut Thomsen zurückgelegt. In seinem Gepäck hat der in Südafrika Lebende eine holländische Ginflasche aus dem Jahre 1880 mit eingezogenem Boden sowie eine Steingut-Bierflasche aus England. Sie ist originalverkorkt, stammt von Bord der 1826 vor Kapstadt gesunkenen Britannia und enthält noch Flüssigkeit. „Die Britannia transportierte Madeira, Wein und Hodgson’s Ale, das in die Bierflasche eingravierte EX steht für exportfrei“, sagt Thomsen.

Mit solch bunten Geschichten wecken die Gebrauchsgläser, die laut Höger-Kunze Flüssigkeiten in Form bringen, beim Glassammlertreffen in Hessisch Oldendorf auch großes Interesse bei den zahlreichen Besuchern, die ins Kultourismusforum kamen.



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