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220 000 Euro für geplante Landschafts-Erläuterungen / Fockenbrock kritisiert Projekt

Teures Naturerleben an der Weser

Hessisch Oldendorf (doro/ ch). Tafeln, die die Natur erklären, und Türme zur Beobachtung von Vögeln bilden das Kernstück des Projekts „Radroute WeserErleben“. Die Route, die als Rundkurs über 30 Kilometer zwischen Hessisch Oldendorf und Rinteln verläuft, soll 15 Naturerlebnisorte innerhalb der Weserniederung „wie eine Weser-Perlenkette“ erschließen und miteinander verbinden, heißt es in der Projektbeschreibung. Aufgestellt werden sollen die Objekte hauptsächlich am Weserradweg, aber auch abseits, zum Beispiel zwischen Hessisch Oldendorf und Großenwieden.

veröffentlicht am 28.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:41 Uhr

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Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 200 000 Euro, für die Planung kommen noch mal 20 000 obendrauf. Eine Summe, die Kreistagsmitglied Heinrich Fockenbrock (FDP) einigermaßen fassungslos hinterließ angesichts des aus seiner Sicht eher durchschnittlichen Naturerlebnisses: Jeden Stein kenne er auf dem Radweg bis Rinteln. Alles, was man links und rechts dieser Strecke sehen könne, gebe es „überall an der Weser – von Holzminden an“. Zwischen den Rastplätzen Hessisch Oldendorf und Großenwieden gebe es „null“ – bis auf die üblichen Kormorane, Graureiher, Wildenten, ein Schwanenpaar und ein paar Blesshühner. Besonderheiten indes gebe es dort nicht zu entdecken – weder Brutkolonien seltener Vögel noch Ansammlungen seltener Pflanzen – auch nicht, wenn man auf einen Aussichtsturm klettere. Bevor der naturinteressierte Radtourist überhaupt an diesem Naturerlebnispunkt ankommt, muss er vom Radweg auf die andere Weserseite umgeleitet werden. Ob das funktioniert, bezweifelt Heinrich Fockenbrock.

Wilhelm Kuhlmann, Geschäftsführer des Naturparks Weserbergland, begründet die Idee für das Projekt damit, dass es bislang nichts Vergleichbares in der Region gebe. „Die Überlegungen zielen darauf ab, den Radweg aufzuwerten. Dafür soll die Geschichte des Weserraums erklärt werden.“ Informationen zum Naturschutz, zur Geschichte und Entwicklung des Weserraumes sollen im Rahmen des Projektes erklärt werden.

Die Route zwischen Hessisch Oldendorf und Rinteln biete sich dafür insofern an, da sie auch von heimischen Radfahrern viel genutzt werde. Auch der Spagat zwischen unberührter Landschaft, Eingriffen, zum Beispiel durch Kiesabbau, und die Rückeroberung der Natur könne im Rahmen des Projektes aufgezeigt und für interessierte Radfahrer erläutert werden.

Besonders viel Geld soll in Hohenrode investiert werden, dort, wo der Nabu dem Unternehmen AHE Schaumburger Weserkies Kiesteiche abgekauft hat, um eine einmalige Auenlandschaft entstehen zu lassen. Doch auch um dorthin zu gelangen, müsste der Radtourist den Radweg verlassen. Die Alternativroute zum bestehenden Weserradweg bestünde in einem Stichweg mit Aussichtstürmen.

Was das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Vorhabens anbelangt, könne ohne Planungskonzept keine Aussage getroffen werden, heißt es in der Projektbeschreibung. Eine optimistische Grundhaltung lässt sich dennoch ausmachen: Man geht davon aus, dass jeder dritte Radfahrer auf dem Weserradweg die Naturerlebnisangebote nutzen werde, insgesamt wird dabei von 50 000 Besuchern im Jahr ausgegangen.

Heinrich Fockenbrock indes braucht kein Planungsbüro, um zu mutmaßen, dass es sich nicht lohne, so viel Geld auszugeben. Das Argument, dass der Löwenanteil (80 Prozent) Fördermittel seien und den Landkreis „fast nichts koste“, ziehe nicht: „Steuergelder sind es allemal.“ Und wenn man wirklich der Überzeugung sei, ohne eine „Plattform hier und da“ nicht auszukommen, müsse das doch von Mitarbeitern der beteiligten Kommunen zu leisten sein, so Fockenbrock. Was die Schilder betrifft: Das einzige, was man brauche, um die Natur entlang des Radweges zu erleben, seien offene Augen und keine Gebrauchsanweisungen auf Schildern, so Fockenbrock. Mit seiner Meinung stand der FDP-Politiker allerdings auf weiter Flur alleine.

Wilhelm Kuhlmann, als Gast des Kreistages, vertritt die Gegenposition: Natur gebe es entlang des Weges, „aber Erklärungen, was es zu erleben gibt, die fehlen“. Und Naturerleben sei dem Land Niedersachsen schließlich so wichtig, dass es den EU-Fördertopf noch aufgestockt habe.

Ähnlich sahen es auch die Mitglieder des Hameln-Pyrmonter Kreistages. Bis auf Heinrich Fockenbrock stimmten alle für das Projekt „Radroute WeserErleben“.

Die geplante Radroute WeserErleben



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