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Fuhlen pflegt eine alte Tradition / Fest mit buntem Umzug lockte viele Besucher an

Tanz, Show und eine Kirmeskönigin

FUHLEN. Althergebrachtes muss nicht automatisch altmodisch sein. Das bewies am Wochenende der Fuhler Kirmesverein mit dem Fest, das ihm seinen Namen gegeben hat.
Na gut, das Wetter hätte etwas besser mitspielen können. Die Stimmung und Feierlaune der Fuhler und ihrer Gäste und Besucher konnte es aber nicht erschüttern, denn das Dorf an der Weser feierte „sein“ Fest: die 458. Fuhler Kirmes.

veröffentlicht am 06.08.2017 um 18:07 Uhr
aktualisiert am 06.08.2017 um 20:00 Uhr

Die liebevoll geschmückten Festwagen zogen die Blicke der Besucher auf sich. Foto: cd

Autor:

Conrad Dauer
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Eigentlich hatte die Festivität bereits am vorvergangenen Sonnabend begonnen, als die Kirmesbrüder ihren Rundgang durch das Dorf machten und dabei sowohl dem ältesten als auch dem jüngsten Fuhler Bürger einen Ehrenbesuch machten. Die darauf folgende Alltags- beziehungsweise Feierabendwoche war mit der Vorbereitung auf das jetzt zurückliegende Wochenende ausgefüllt. Beitrittsberechtigt in den Kirmesverein sind alle unverheirateten Männer ab dem 16. Lebensjahr. Wer heiratet, ist automatisch draußen. Eine Freundin zu haben, das ist allerdings eine andere Sache. Und die weibliche Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Kirmes ist praktisch eine Voraussetzung für deren Gelingen. „Ohne die Mithilfe unserer Ehrendamen wäre das Ganze nicht zu stemmen“, sagt Philipp Schumann, Fuhlens Kirmesvater. Eine dieser Ehrendamen ist Ruth Klages. „Sie ist für uns so etwas wie eine gute Fee“, so Schumann, „und sie weiß wahrscheinlich mehr über die Geschichte und die Geschichten unseres Vereins als wir Kirmesbrüder selbst.“ In der Tat verfügt die Fuhlerin über umfangreiche Kenntnisse.

Der Begriff „Kirmes“ leitet sich von der Kirchmess(e) ab, einem Fest, das zum Jahrestag eines Kirchengebäudes gefeiert wurde. Im Verlauf der Zeit wurde es zu einem Brauch, dass sich unverheiratete Bauern und Knechte während des Festes um die Öfen zu kümmern hatten, in denen das (von den Frauen) vorbereitete Festgebäck gebacken wurde. In dieser damaligen „Aufgabenzuweisung“ sind wohl die Ursprünge der heutigen Kirmesvereine zu finden.

Dass die Kirmesvereine von Fuhlen, Hesslingen und Rumbeck miteinander verbunden sind, ist auch kein Zufall, bildeten die Gemeinden doch gemeinsam ein Kirchspiel, also eine zusammengehörende Kirchengemeinde.

Die Parade der Kirmes-Festteilnehmer in Fuhlen bot ein farbenprächtiges Bild. Foto: cd
  • Die Parade der Kirmes-Festteilnehmer in Fuhlen bot ein farbenprächtiges Bild. Foto: cd
Kirmes-Königin Julie Gossen hatte sich in einem blumengeschmückten Wagen in den Festumzug eingereiht. Foto: cd
  • Kirmes-Königin Julie Gossen hatte sich in einem blumengeschmückten Wagen in den Festumzug eingereiht. Foto: cd

Im weiteren Verlauf änderten sich die Organisationsstrukturen des Dorffestes. Früher wurde die Vorbereitung des Kirchfestes und die Aufsicht darüber einem Gastwirt übertragen, der sich dann um alles zu kümmern hatte; wahrscheinlich eine nicht sehr dankbare Aufgabe, die dann vom Kirmesverein übernommen wurde. Irgendwann passte die reine Männerwirtschaft aber auch nicht mehr so ganz in die Zeit, und der Einsatz der Frauen für das Fest wurde (und wird) erkannt und anerkannt. Seit den frühen 1970er Jahren gehört daher die jährliche Wahl einer Kirmeskönigin einfach dazu. Das war auch in diesem Jahr obligatorisch, aber die Bekanntgabe – oder Inthronisation – wurde bis zum letzten Moment geheim gehalten. Man wollte es offensichtlich spannend machen. Dann wurde die Auserwählte genannt: Julie Gossen durfte die Kirmes-Krone tragen. Umrahmt wurde das Fest von den dazugehörenden Aktivitäten: Buden, Disco, Kinderfest, Tanzabend – halt das, was zu einer richtigen Kirmes gehört.

Mit einem Gottesdienst wurde die Kirmes, auf ihren Ursprung zurückkommend, am Sonntag dann wieder besinnlicher. Zwischen Gottesdienst und dem Schlussumzug bot sich die Möglichkeit, „frei nach Schnauze“ mit dem Kirmesvater zu reden. „Es ist uns halt wichtig, zu den Leuten Kontakt zu halten“, sagt Phillip Schumann. Nach dem Umzug, einigen Wettbewerben mit befreundeten Vereinen, Kaffee, Kuchen und einem späten Katerfrühstück endete das diesjährige Kirmesfest. Die nächsten folgen aber: Anfang September in Heßlingen und im Oktober in Rumbeck. Na denn: „Prost Kirmes“.

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