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Andreas Neumann begeistert beim Heinz-Erhardt-Abend

Süffisante Wortspielereien

Hessisch Oldendorf. Faszinierende Stimmenakrobatik, pointierte Mimik und bemerkenswerte Gestik, verbunden mit intellektuellem, subtilen Humor erlebten die Zuschauer beim Heinz-Erhardt-Abend im ausverkauften Kultourismusforum des Rathauses. „Wir haben uns immer eine Veranstaltung gewünscht, für die es bereits Tage vorher keine Karten mehr gibt“, freute sich Barbara Jahn-Deterding, Vorsitzende des Culturvereins, die diesen Abend organisiert hatte. Einziger Wermutstropfen: Die Ausleuchtung der Bühne war miserabel, weil anfangs weder das Saallicht bedient war, noch die Scheinwerfer perfekt eingestellt waren, was aber unterm Strich dem Abend keinen Abbruch tat. Auch ein beherzter Protest der Organisatorin Barbara Jahn-Deterding bei Mitarbeitern der Stadt schaffte keine Abhilfe.

veröffentlicht am 30.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 15:41 Uhr

Andreas Neumann erntete viel Applaus.  Foto: boh

Autor:

Stefan Bohrer
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Der „große Heinz“ konnte selbstredend nicht persönlich anwesend sein, aber in dem Hannoveraner Andreas Neumann hat er einen perfekten Parodisten gefunden, der nach eigenen Worten „spricht wie ganz viele berühmte Menschen, die ich gern wäre, aber leider nicht sein kann“. Im stimmlichen Handgepäck hatte der 39-Jährige alle darstellenden Künstler und Prominenten von Heinz Erhardt über Theo Lingen bis hin zu Inge Meysel und Alfred Tetzlaff und zündete mit dieser Begabung aus Kunst und Humor ein Feuerwerk auf hohem Niveau, das die Zuschauer zwei kurzweilige Stunden lang zu Lachsalven hinriss. Dabei geht Neumann über eine bloße Kopie seines großen Vorbildes weit hinaus. Zwar feiert die berühmte „polyglotte Katze“ gleich zu Anfang fröhliche Urständ, den gesamten Abend aber bewies Neumann, dass er seinen Erhardt nicht nur in verzögertem Timing und süffisanten Wortspielereien verinnerlicht hat. Er bereichert das Programm mit eigenen Texten, die unmissverständlich die Handschrift des großen Vorbildes tragen, aber durchweg eigenständig sind.

Fröhlich kalauernd Publikum einbezogen

Dabei nimmt er augenzwinkernd nicht nur aktuelle tagespolitische Themen aufs Korn – Mehdorn lässt grüßen –, sondern sucht gezielt den Kontakt zum Publikum und bezieht es fröhlich kalauernd in seine Verbal-Jonglagen immer wieder mit ein. Temporeich bereits die Geschichte über den zerbrochenen Krug, bei der ein völlig entnervter Marcel Reich-Ranicki lediglich wissen will, „wärr’s geschrrieben hatt“ und von Heinz Rühmann („ich war’s nicht, ich war’s nicht“), Jürgen von Manger bis zu Theo Lingen literarisches Desinteresse erntet, das wie ein „Damaskusschwert“ über Kleists berühmtem Theaterstück hängt. Auch Inge Meysel kann mit Gebissproblemen nicht wirklich weiterhelfen und wird dafür wütend mit Reich-Ranickis DNA benetzt. Ekel Alfred verlangt vom Kritiker-„Saftarsch“ ohnehin nur einen Grass, sodass der bissig kontert: „Lieber Gras rauchen, als Grass lesen.“

Dann doch lieber der Deutschen zweitliebstes Hobby frönen – dem Reisen. „Der Flug war mit Schmutzgarantie gebucht“, kalauerte der Heinz-Erhardt-Parodist, „versuchen Sie mal, einen Kaffee in einem Luftloch zu trinken“. Allzu „Menschliches im Hotel“ servierte Neumann frei nach Vicky Baum in „schawüler“ Gewitternacht mit Didi Hallervorden, Ekel Alfred und Inge Meysel – so perfekt imitiert, als stehen die Parodierten leibhaftig auf der Bühne.

Im Finale sorgte Neumann für eine Überraschung: Fröhliche Auferstehung feierten der exzentrische Louis de Funes sowie Wum und Wendelin und Spejble und Hurvinek von der Prager Puppenbühne. Drei lautstark geforderte Zugaben später wollte sich Andreas Neumann mit eigener Stimme vom Publikum verabschieden, wurde aber rüde von Heinz Erhardt unterbrochen und zwang den Parodisten zu Erhardts berühmt-untertriebener Selbstbekenntnis: „O, wär’ ich der Kästner Erich.“



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