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Insgeheim werden längst Namen für den Bürgermeister-Wahlkampf gehandelt

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Hessisch Oldendorf. Harald Krüger fröstelt es. Es nieselt und das Thermometer zeigt knapp zehn Grad. Den Reißverschluss seiner Lederjacke hat Krüger bis zum Anschlag zugezogen und seinen Kopf leicht zwischen die Schultern geschoben. So steht der Bürgermeister auf dem Wochenmarkt, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Es ist Bürgergespräch. Seit seinem Amtsantritt steht Krüger viermal pro Jahr bei Wind und Wetter dort. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Der Sozialdemokrat ist dabei in seinem Element. Die Frage ist nur: Wie lange noch?

veröffentlicht am 09.11.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:21 Uhr

Die Parteien machen um das Thema Bürgermeisterwahl einen so großen Bogen wie die Weser an der einen oder anderen Stelle. Dana

Autor:

VON ROBERT MICHALLA
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Offiziell steht der Termin für die nächste Bürgermeisterwahl noch nicht fest. Klar ist lediglich, dass der Urnengang wohl irgendwann im Herbst des kommenden Jahres über die Bühne geht. Da ist es nur verständlich, dass sich noch kein Kandidat aus der Deckung wagen möchte. Zu früh ins Rennen zu gehen, kostet zu viel Kraft. Auch die Parteien beteuern, dass sie der Kampf um das Amt des Bürgermeisters noch nicht juckt. Sie machen um das Thema einen so großen Bogen wie die Weser bei Großenwieden. Zuletzt hatte der CDU-Fraktionschef Hans Joachim Grote gesagt, für seine Partei sei dies momentan „kein Thema“. Doch hinter den Kulissen treibt die Parteien das Thema sehr wohl um. Die Gerüchteküche brodelt und der Handel mit Namen floriert. Marktzeit eben.

Amtsinhaber Krüger zum Beispiel wird in diesen Tagen sehr oft eine ganz bestimmte Frage gestellt. Sie lautet: Kandidierst du für das Amt des Oberbürgermeisters in Hameln? Selbst CDU-Granden aus der Stadt haben ihn darauf angesprochen, schließlich hat die SPD in Hameln noch keinen Kandidaten parat. Hamelns SPD-Vorsitzender Herbert Meistering sagt zwar, dass sich seine Partei „auch im überregionalen Bereich nach geeigneten Personen umsehen“ müsse. Doch ausschließen, dass einer der Bürgermeister aus dem Landkreis und damit vielleicht auch Krüger kandidiert, will er nicht. Ihm sei, sagt Meistering, „ein Stück kommunale Erfahrung“ wichtig, wenn er an einen Kandidaten denke, und „zugewandte Bürgernähe“. Ob er dabei Krügers Wochenmarkt-Stammtisch im Kopf hat, weiß wohl nur er selbst.

Auch die CDU in Hessisch Oldendorf ist längst auf der Suche nach einem Kandidaten. Zuletzt hatte die Fraktion bei ihrer Klausurtagung in Extertal darüber die Köpfe rauchen lassen – ohne offizielles Ergebnis. Dabei gibt es schon längst Gerüchte darüber, wen die Christdemokraten vielleicht unterstützen: Torsten Schulte. Der Grüne hatte zuletzt bei der Landratswahl ein beachtliches Ergebnis hingelegt. Viele sahen in diesem Wahlkampf einen Testlauf für das Rennen um das Hessisch Oldendorfer Rathaus. Nun könnte er mithilfe der CDU gegen Krüger antreten.

Den Christdemokraten dürfte diese Entscheidung allerdings nicht leichtfallen. Bei der Bürgermeisterwahl 2005 hatte sich Fraktionschef Grote die Zähne an Krüger ausgebissen. Dass er es noch einmal versucht, ist unwahrscheinlich. Das Problem der CDU: Sollte sie keinen eigenen Kandidaten aufstellen, sondern den Grünen Schulte unterstützen, wirft das nicht gerade ein gutes Licht auf die Partei. Schließlich müssen sich die Christdemokraten im Zweifel die Frage gefallen lassen, warum sie niemanden aus den eigenen Reihen aufgebaut hat, ist doch die Rekrutierung politischen Personals eine der ureigensten Aufgaben von Parteien. Gut möglich also, dass sich die CDU auch noch fern der Stadtgrenzen umsieht.

Ein Problem für einen schwarz-grünen Kandidaten gibt es nämlich noch. Es heißt SPD. Bislang bilden die Sozialdemokraten gemeinsam mit den Grünen eine Gruppe im Rat. Wenn der kleine Partner mit der CDU gemeinsame Sache macht, dürfte das der SPD sauer aufstoßen. Atmosphärische Störungen innerhalb der Ratsmehrheit wären programmiert. Im schlimmsten Fall könnte die Gruppe sogar auseinanderbrechen. Danach sieht es allerdings bislang nicht aus.

Frank Werhahn rollt mit den Augen. Er macht das oft in diesen Tagen. Denn auch ein dritter Name fällt häufiger, wenn es um Kandidaten für das Bürgermeisteramt geht. Es ist der Name Werhahns. Er ist einer von drei Fachbereichsleitern im Rathaus; er ist Krügers Stellvertreter und arbeitet mit seinem Chef sehr gut zusammen. Die beiden verstehen sich, auch persönlich. Ob Werhahn dieses Verhältnis mit einer Kandidatur auf die Probe stellen wird, ist äußerst fraglich, um nicht zu sagen ausgeschlossen.

Als Krüger kürzlich wieder auf dem Wochenmarkt steht, besucht ihn überraschend seine Frau. Mit einer Freundin bringt sie ihm einen Kaffee vorbei. Krüger freut sich und umarmt seine Frau. Beide stammen aus Berlin, in der Baxmann-Stadt stehen sie nun auf dem Wochenmarkt. Wer Krüger auf seine Ambitionen für das Amt in Hameln anspricht, erhält eine einfache Antwort. „Ich bin Bürgermeister von Hessisch Oldendorf“, sagt er dann. Und seine Frau ergänzt: „Genau.“

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