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Eichendorffs Novelle kommt auf die Bühne des Kultourismusforums

Stil-Ikone namens Taugenichts

Hessisch Oldendorf. Kann eine Novelle, die 1826 erschienen ist, auch heute noch hochaktuell sein? Klar kann sie. Auch wenn Generationen von Oberstufenschülern sich mit Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ mehr oder weniger intensiv beschäftigen mussten, hat dieser unangepasste Charakter auch nach fast 200 Jahren nichts von seiner Anziehungskraft verloren.

veröffentlicht am 12.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:21 Uhr

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Autor:

Stefan Bohrer
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Sicherheit und eigener Vorteil sind dem Taugenichts überaus verhasst. Stattdessen treiben ihn die Sehnsucht nach der Ferne, die Leichtigkeit des Seins und die eigenen Wunschvorstellungen von Freiheit, Weite und Abenteuer voran. Eine fröhliche und übrigens ganz nebenbei gesangsorientierte Wanderung, gekleidet in eine klar verständliche Bildsprache, die als säkularisiertes Bild verführerischer Verheißung verspricht, jedoch unerreichbar bleibt. Denn der Taugenichts widersteht nun mal jeglicher Verführung.

Eichendorffs Novelle konterkariert menschliche Zielstrebigkeit, in dem romantischer „Müßiggang“ propagiert wird. Gerade das macht den Taugenichts auch im Hier und Jetzt zu einer Identifikationsfigur, die genüsslich dem zielorientierten Volk den Spiegel vor Augen hält. Der philosophische Ansatz des Eichendorff-Textes ist dabei immens. Naturwahrnehmung und -darstellung sind natürlich für die Romantik bezeichnend, wirken manchmal etwas eigenwillig, sind aber nie artifiziell.

Zeitgemäße Akzente setzend, leuchtet der Hamburger Schauspieler und Regisseur Joachim Schlösser Eichendorffs Meisterwerk markant aus. Unterstützt wird er dabei von der Weltklasse-Pianistin Hitomi Shiraishi und dem Tenor Christian Halseband. „Mich begeistert die unnachahmliche und spielerische Leichtigkeit des Textes“, betont Schlösser und fügt an, dass der Taugenichts nichts anderes sei als die Stilikone der deutschen Romantik. Die in die Erzählung eingearbeiteten Eichendoff’schen Gedichte wurden vielfach von unbekannten bis namhaften Komponisten vertont.

Halseband und Shiraishi erweisen den heimatlichen Gefilden und dem fernen italienischen Reiseziel des Helden musikalisch ihre Reverenz. Alle drei Protagonisten gehen dabei weit über eine Lesung mit musikalischer Untermalung hinaus. Sie erzeugen eine konzentrierte und emotional beteiligte Spannung für den Zuschauer, in dem sie der Schönheit romantisch-klassischer Erzählkunst zeitgemäße Akzente verpassen. Die Aussteigerthematik, der in verschiedenen TV-Formaten bei den Privatsendern gefrönt wird, hat in der heutigen Zeit an Bedeutung gewonnen – gerade das gibt dem Taugenichts einen aktuellen Anstrich. Wer sich davon überzeugen möchte: Am 8. März um 19.30 Uhr gastiert Joachim Schlösser mit Hitomi Shiraishi und Christian Halseband sowie der aktualisierten Eichendorff’schen Novelle im Kultourismusforum in Hessisch Oldendorf. Karten ab zehn Euro gibt es im Bürgerbüro des Rathauses, unter der Nummer 05152/9780352 sowie an der Abendkasse.

„Spielerische Leichtigkeit“: der Hamburger Schauspieler und Regisseur Joachim Schlösser.pr



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