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Neues Konzept in Fischbeck

Stiftsgärten als Bienen- und Augenweide

FISCHBECK. Die Beseitigung altersmüder oder sturmgeschädigter Bäume sowie das Buchsbaumsterben wird im Stift Fischbeck auch als Chance gesehen – zur Umgestaltung der historischen Gartenflächen.

veröffentlicht am 24.01.2018 um 14:33 Uhr

Stiftsgärtner Dirk Stock und Äbtissin Katrin Woitack im Kräutergarten mit den neuen Einfassungen aus Lärchenholz. Foto: BJ

Autor:

Barbara Jahn
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Die Äbtissin des Fischbecker Damenstifts lässt ihren Blick durch den Abteigarten der historischen Anlage schweifen und sagt: „Was uns momentan als Desaster erscheint, werden wir nun in Hinblick auf die Chancen prüfen, die sich damit bieten.“ Katrin Woitack erklärt: „Da ist zum einen der Baumbestand, der sich im Verlauf der letzten Jahre sehr verändert hat, und zum anderen die Tatsache, dass meterweise Buchsbäume gerodet werden mussten. Es geht jetzt nicht darum zu flicken, sondern konzeptionell zu gestalten und gezielt vorzugehen.“

Bergahorn- und Schlangenahornbäume mussten in der weitläufigen Gartenanlage in den vergangenen Jahren ebenso weichen wie die Robinien vor dem Abteigebäude. Nur wenige Tage nach ihrem Amtsantritt im Sommer 2015 sei im Abteigarten eine uralte Stileiche gefällt worden“, erinnert sich Katrin Woitack. „Trauriger Höhepunkt all dieser Maßnahmen war im vergangenen Herbst das Fällen der gewaltigen, rund 250 Jahre alten Roteiche.“ Ein Pilz hatte das Wurzelwerk zerstört, große Teile der Krone waren daher abgestorben.

Claudia Amelung, Diplom-Ingenieurin und Sachverständige für Baumwerteermittlung, Baumpflege und Baumsanierung, hat vor drei Jahren in den Stiftsgärten eine Bestandsaufnahme durchgeführt, ein Baumkataster erstellt und den Masterplan zur Sanierung der Gärten erarbeitet. Viele Bäume hätten ihre Altersgrenze erreicht oder seien durch Pilz- und Baumkrankheiten geschwächt, berichtet Woitack. Sie betont: „Wir haben die Pflicht der Wegesicherung. Von den Bäumen oder herabfallenden Ästen darf also keine Gefahr ausgehen. Wir müssen außerdem häufig abwägen, ob die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und Mauern durch das Wurzelwerk oder die Beschattung der Bäume gefährdet sind.“ Zusätzlich habe jetzt auch der Sturm „Friederike“ Spuren im Garten hinterlassen. Ob die mit Misteln stark bewachsene Sommerlinde einem weiteren Sturm standhält, bezweifelt die Äbtissin mit Blick auf den riesigen Baum an der Mauer zur Lachemer Straße.

Diese bisher den Abteigarten prägende Roteiche musste gefällt werden. Sie ist rund 250 Jahre alt. Foto: Bettina Stöß
  • Diese bisher den Abteigarten prägende Roteiche musste gefällt werden. Sie ist rund 250 Jahre alt. Foto: Bettina Stöß

Gänzlich ungewohnt ist der Anblick des Kräutergartens, der nach historischen Vorlagen angelegt worden ist. Nicht mehr Buchsbäume rahmen die einzelnen Beete ein, sondern Holzplanken. „Ein aggressiver Pilz hatte die Pflanzen befallen und zum Triebsterben geführt. Wir mussten uns etwas einfallen lassen“, sagt Dirk Stock. Er ist seit 22 Jahren als Hausmeister und Gärtner im Stift tätig. „Auch in alten Klostergärten gab es schon Holzplanken als Einfassung für Kräuter- oder Blumenbeete“, erklärt er. „Wir haben uns für Lärchenholz entschieden, das aus dem Stiftswald stammt. Lärche ist sehr harzhaltig, also dauerhaft, und sie bekommt eine schöne Patina. Die Planken haben wir in Pfosten eingepasst, die mit entsprechenden Nuten versehen sind.“ Es sei momentan ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, räumt Stock ein. „Aber wenn im Frühjahr die Kräuter wachsen und die Wege zwischen den Beeten mit Kies aufgefüllt sind, sieht das schon ganz anders aus“, kündigt er an.

Auch vor der Buchsbaumeinfassung des Rondells im Kreuzhof hat die Pilzkrankheit nicht Halt gemacht. „Wir werden bei den Ersatzpflanzungen unser Augenmerk auf insektenfreundliche Pflanzen legen“, sagt der Stiftsgärtner. „Genau das ist die Chance zur Veränderung, die ich bei künftig notwendigen Pflanzungen in unseren Gartenanlagen sehe“, macht Katrin Woitack deutlich. Sie nennt als ein Beispiel für diese Herangehensweise das neu gestaltete Rondell zwischen den Magnolienbäumen im Abteigarten. „Unsere Kapitularin Sabine Falke hat dieses Beet so mit Stauden und Blumenzwiebeln bepflanzt, dass es ganzjährig Bienen und verschiedenen anderen Insekten Nahrung bietet. Abgesehen davon wird es eine Augenweide sein. Im hinteren Gartenbereich haben wir bereits ein Wildblumenbeet“, führt die Äbtissin aus.

Vor dem Abteigebäude werden als Ersatz für die Robinien im Frühjahr drei Wildbirnen gepflanzt. „Diese Bäume sind nicht nur insektenfreundlich, es sind vor allem heimische Arten. Auch darauf werden wir bei der Entwicklung der Konzepte für die Gärten und das Stiftsgelände achten, denn wir haben als Kulturträger durchaus eine Vorbildfunktion“, macht die Äbtissin deutlich.

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