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Neue Führung nur bei Kerzenschein

Stift erscheint in anderem Licht

FISCHBECK. „Wo Sterne funkeln“ heißt eine neue Führung durch das Stift Fischbeck. Die Stiftsdamen wollen das Stift Fischbeck aus einer anderen Perspektive zeigen.

veröffentlicht am 29.10.2017 um 14:15 Uhr

Reise in die Vergangenheit: Als das Kloster vor 1000 Jahren gegründet wurde, gab es auch nur Kerzenlicht. Foto: EAW
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Ernst August Wolf Reporter
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Kurz nach 19 Uhr weht ein kühler Hauch durch den Kreuzgang des Stifts. Laub wirbelt durchs alte Gemäuer und ein leichter Sprühregen ist auf der Haut zu spüren. Kapitularin Waltraud Menge und zwei ihrer Helferinnen legen letzte Hand an die aus zahllosen Kerzen bestehende Beleuchtung; wenig später erstrahlen die romanischen Rundbögen im flackernden Licht. „Wo Sterne funkeln“ heißt die neu konzipierte Themenführung, die den Besuchern das Stift Fischbeck aus einer ganz anderen Perspektive zeigen möchte.

„Kein Tageslicht, keine elektrische Beleuchtung, stattdessen eine optische Situation wie sie von der Gründung des Klosters vor gut 1000 Jahren bis ins 13. Jahrhundert allabendlich geherrscht hat“, erklärt Waltraud Menge. Zusammen mit Camilla Dormagen und Heidi Frühwald hat sie das Konzept für die neue Führung erarbeitet. Bei der Generalprobe werden nun alle Elemente aufeinander abgestimmt und überprüft. Statt einer Führung im Hier und Jetzt erwartet die Gäste eine optische Zeitreise. „Die Lichtsituation schafft dabei einen deutlich anderen Eindruck. So werden etwa die romanischen Rundbögen optisch unterstützt, und die Besucher bekommen ein ganz anderes Verhältnis zu den Räumen“, erklärt Äbtissin Katrin Woitack. Und in der Tat wird beim schweigenden Rundgang mit einer Laterne in der Hand die Architektur des Kreuzganges ganz anders betont als im sonnenüberfluteten Tageslicht.

Beim Flackerlicht der Kerzen erfahren die Teilnehmer der Probeführung leicht frierend von Gästeführerin Heidi Frühwald etwas über die Gründungslegende des Stiftes. Ein leichter Schauer überfällt sie, als die aus Franken stammende Stiftsdame an das Gottesurteil, das an der Gründerin Helmburgis vollzogen wurde, erinnert. Mehr Informationen gibt es in der Stiftskirche, die von Laternen und Kerzen spärlich erhellt wird. „Der wehrhafte Charakter der Anlage als burgähnlicher Schutz für die Menschen wird deutlich“, so die Stiftsdamen, die eine einjährige Ausbildung der evangelischen Landeskirche zu Kirchenführerinnen absolviert haben. Fischbeck habe noch viele Überraschungen zu bieten:. Die Erforschung der Geschichte und die Archäologie der Anlage seien noch nicht abgeschlossen.

Einzig das Kopfreliquiar des Heiligen Johannes wird in der Krypta angestrahlt. FOTO: EAW
  • Einzig das Kopfreliquiar des Heiligen Johannes wird in der Krypta angestrahlt. FOTO: EAW
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„Liebe Besucher, was wir Ihnen heute an Licht bieten, das ist fast unser ganzes Kontingent an Wachs“, sagt Frühwald, die in die Rolle einer mittelalterlichen Stiftsdame geschlüpft ist. Eine mittelalterliche Festbeleuchtung also, die allerdings viele Dinge des sonst strahlend hell erleuchteten Kirchenschiffs wortwörtlich in anderem Licht erscheinen lässt.

Die Führung gipfelt mit einem Abstieg ins mattgraue etwas trübe Licht der Krypta, dem ältesten Teil des Klosters. Einzig das Kopfreliquiar des Heiligen Johannes ist hier von Kerzen angestrahlt. Nach Momenten der Stille ein Gebet, dann beim Auszug erklingen leise Gesänge der Stiftsdamen. Wieder oben im Kirchenschiff folgt ein abschließender stiller Rundgang, ehe die Führung endet. Äbtissin Katrin Woitack, Waltraud Menge, Camilla Dormagen und Heidi Frühwald sind zufrieden. „Es ist in sich stimmig, hat Erlebnischarakter und zeigt unsere Anlage aus einem völlig anderen Blickwinkel“, kommentiert Katrin Woitack die Probeführung.

Termine: Mittwoch 22. und 29. November, Freitag, 8. Dezember, Samstag 16. Dezember. Beginn ist um 19 Uhr, Treffpunkt am Torhaus. Die einstündige Führung findet nur bei Kerzenlicht statt und ist daher für Teilnehmer mit eingeschränkter Mobilität nur bedingt geeignet.

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