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Riesenmammutbaum in Tündern dem Tode geweiht

Stadt will kerngesunden Baum fällen

TÜNDERN. Das Todesurteil für diesen in Tündern an der Streeke 11 stehendenRiesenmammutbaum scheint bereits gesprochen: Die Stadt will den auf einem städtischen Grundstück von einem Unbekannten gepflanzten Baum im kommenden Winter fällen lassen, obwohl er kerngesund ist - und sich die Anwohner nicht gestört fühlen.

veröffentlicht am 12.03.2018 um 14:34 Uhr
aktualisiert am 12.03.2018 um 18:00 Uhr

Dieser Riesenmammutbaum in Tündern soll in der nächsten Fällsaison abgeholzt werden. Foto: wft
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Begründet wird dies damit, dass der Baum auf einem für ihn „nicht geeigneten Standort in Verbindung mit dem geringen Grenzabstand zu Streeke 11“ stehe. Nach dem niedersächsischen Nachbarschaftsgesetz „wären wir als Anlieger sogar verpflichtet, den Baum auf die zulässige Höhe zu kappen, wenn ein Anlieger dies verlangt“, erklärt Stadtsprecher Thomas Wahmes auf Anfrage. Nur ist das nicht der Fall. „Das ist ein sehr schöner Baum“, erklärt Julia Adler, die im Haus Streeke 11 lebt, im Gespräch mit der Dewezet. „Uns stört der Baum überhaupt nicht.“ Auch dass der Baum noch sehr viel höher werden kann als die fünf Meter, die er derzeit misst, beunruhigt sie nicht. In Detmold steht der älteste amerikanische Riesenmammutbaum Deutschlands – er hat inzwischen die stolze Höhe von 60 Metern erreicht. In Kalifornien stehen sogar Exemplare, die eine Höhe von 90 Metern erreichen.

Weil der Baum an der Streeke 11 nur einen Abstand von 1,80 Metern zum Nachbargrundstück habe und die Höhe von fünf Metern nicht überschreiten dürfe, müsse der Baum gefällt werden, heißt es sinngemäß in der Antwort Wahmes‘ auf die Anfrage der Dewezet an die Stadt. Vor allem befürchtet die Verwaltung, dass der Baum wegen seiner starken Durchwurzelung eine von den Anwohnern errichtete Einfriedungsmauer beschädigen könnte. „Auch die Beschattung des anliegenden Grundstücks wird später an Bedeutung gewinnen“, betont Wahmes. Auch habe der Nachbar auf direkte Anfrage der Stadt es ausgeschlossen, von den Rechten des niedersächsischen Nachbarschaftsrechtes zurückzutreten.

Aus vegetativer Sicht könne der Baum „nicht auf der zulässigen Höhe gehalten werden“, schreibt Wahmes in seiner Antwort, „da dies den Habitus zerstören würde.“ Der Baum sei nicht „schnittverträglich“. Auch würde die angrenzende Vegetation „nachhaltig unter Wasserstress leiden und damit verdorren“. Außerdem würde die Fällung und die Rodung des Stubbens immer teurer, je größer der Baum werde. All diese Gründen sprächen dafür, „den Baum zu entnehmen und einen geeigneteren Baum zu pflanzen, dessen Wuchshöhe sechs bis acht Meter nicht überschreitet.“ Dabei werde auch der Abstand zur Grenze des Hauses Streeke 11 ebenfalls vergrößert. Erst werde ein neuer Baum gepflanzt und in der nächsten Fällsaison der Mammutbaum entnommen, „so schade dies auch ist“, wie Wahmes schreibt. Dabei solle auch nicht vergessen werden, „dass in Zukunft die Freude über ein passenderes Ziergehölz größer ist als der vorprogrammierte Ärger mit der falschen Baumart an dieser Stelle. Eine Chance, den Baum an eine andere Stelle umzupflanzen, sieht Wahmes nicht. Diese Chance „geht gegen null und ist ebenfalls mit sehr hohen Kosten verbunden“.

Ans Licht gekommen war der Fall am Ende einer Sitzung des Ortsrates von Tündern durch Ortsbürgermeisterin Elke Meyer, die von einem Mitarbeiter des Grünflächenamtes darauf angesprochen worden war, ob ihr bekannt sei, wer diesen Baum auf das städtische Areal gepflanzt habe. Die Antwort der Ortsratsmitglieder und der anwesenden Bürger fiel ebenso negativ aus, wie offenbar auch die Befragung der Nachbarn des Hauses Streeke 11 und des Ehepaars Adler. Julia Adler glaubt, dass der Baum vor acht bis zehn Jahren gepflanzt wurde.

Ein weiteres Exemplar derselben Gattung steht übrigens auf dem Schulspielplatz der Grundschule Tündern. Seine Höhe – geschätzte zwölf Meter.

Wer auch immer das Exemplar an der Streeke gepflanzt haben mag – er hat dafür ein ordentliches Sümmchen Geld ausgegeben. Dirk Marx von der Baumschule von Garten Neumann schätzt den Preis bei einer Pflanzhöhe von 1,75 Metern bis zwei Meter auf etwa 200 Euro. Der Urheber muss sich also schon etwas dabei gedacht haben. Direkt in der Baumschule hat Marx vor Jahren selbst einen Mammutbaum gepflanzt, der ihm damals unverkäuflich schien. Das Wachstumstempo schätzt der Fachmann für die ersten Jahre auf jeweils 15 bis 20 Zentimeter. Der Baum an der Streeke könnte nach dieser Einschätzung bei der Anpflanzung also durchaus schon eine Höhe von etwa drei Metern gehabt haben und wäre damit sicherlich noch deutlich teurer als 200 Euro gewesen, „denn je höher die Bäume in einer Baumschule gewachsen sind, desto teurer werden sie verkauft“, erklärte Dirk Marx im Gespräch mit der Dewezet.

Für Wahmes ist im Übrigen klar, dass der Mammutbaum an der Streeke nicht unter die noch geltende Hamelner Baumschutzsatzung fällt. Die sei in den Ortschaften lediglich „objektbezogen“. Und dieser Mammutbaum sei nicht die Liste der geschützten Bäume in Tündern aufgenommen.

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