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Kita-Stellen bleiben trotz Ausschreibung unbesetzt / Politik will Anreize schaffen

Stadt spart unfreiwillig beim Personal

Hessisch Oldendorf. Die Stadt Hessisch Oldendorf hat in den vergangenen Monaten Lohnkosten sparen können – und ist gar nicht glücklich darüber. Denn sparen konnte man nur, weil notwendiges Personal im Sozialbereich fehlt: Bereits seit vergangenem Jahr versucht die Stadt Fachkräfte zu finden. Doch der Markt ist leergefegt.

veröffentlicht am 22.04.2016 um 17:24 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:26 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Bereits seit vergangenem Jahr versucht die Stadt, zwei Springerstellen für die Kindergartenbetreuung zu besetzen. Und auch die Stelle für eine dritte Kraft in der Krippe Großenwieden ist trotz Ausschreibung seit Anfang des Jahres unbesetzt. Hessisch Oldendorf steht damit vor einem Problem, unter dem derzeit die meisten Kommunen leiden – so sie denn nicht Bewerber mit Sonderkonditionen ködern: Der Markt in den Sozialberufen ist derzeit wie leer gefegt. Fachkräfte sind kaum zu bekommen.

So prophezeit auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in ihrer Arbeitsmarktprognose 2030, dass die massiven Engpässe bei Erziehungs­ und Sozialberufen wohl noch anhalten werden. Und auch die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit weisen bundesweit in vielen Sozialberufen einen deutlichen Fachkräftemangel aus. Ist doch durch die Ausweitung in der Kinderbetreuung, aber auch durch den Zustrom von Flüchtlingsfamilien die Nachfrage für Erzieher oder Sozialassistenten enorm gestiegen. Die Bundesregierung beziffert den zusätzlichen Bedarf in den kommenden Jahren auf rund 35 000 bis 40 000 Vollzeitstellen in Tageseinrichtungen und rund 25 000 Stellen in der Kindertagespflege.

Grund für diese Fachkräftemisere dürfte sein, dass die Schere zwischen Kosten für Ausbildung, Ausbildungszeit und späteren Einkünften weit auseinanderklafft. So dauert die schulische Ausbildung zur Erzieherin insgesamt vier Jahre, die die Auszubildenden – anders als in handwerklichen Lehrberufen – ohne Lehrlingsgehalt aus eigener Tasche finanzieren müssen. Nach diesen vier Jahren wäre in anderen Berufen ein Meistergehalt möglich. In besagten Sozialberufen geht es los mit einem Anfangsgehalt von knappen 2000 Euro. Bei einer üblichen Anfangsarbeitszeit von lediglich 23 Stunden kein Auskommen, um eine Familie zu ernähren.

Wie kann man aber nun in Hessisch Oldendorf dem Fachkräftemangel in der Kinderbetreuung begegnen? Diese Frage beschäftigte auch den Finanzausschuss des Rates in seiner jüngsten Sitzung. Fest steht: Die Stellen sollen bereits zum 1. Juni erneut ausgeschrieben werden. Und, so die einhellige Meinung im Ausschuss: Man sollte versuchen, den umworbenen Sozialassistenten oder Kindergärtnern die Entscheidung, Hessisch Oldendorfs Werben nachzugeben, attraktiv machen. SPD-Ausschussmitglied Kai-Uwe Eggers kam deshalb mit dem Vorschlag, ein zusätzliches Anreizsystem mit den eingesparten Personalmitteln aus dem ersten Quartal zu schaffen, um Hessisch Oldendorf als Arbeitsplatz interessanter zu machen. Immerhin setze Hessisch Oldendorf seinem angestrebten Ruf als familienfreundliche Stadt aufs Spiel, wenn Fachkräfte für die Kinderbetreuung fehlten, so Eggers: „Wir müssen aufpassen, dass wir da nicht unsere Glaubwürdigkeit verlieren“, mahnte er an und schlug vor, dass die Verwaltung hierzu ein Konzept entwickeln solle.

Denn während Erzieher und Sozialassistenten in Hessisch Oldendorf nach Tarif bezahlt werden, treibt im Umkreis und bundesweit der Kampf um die raren Fachkräfte bereits bizarre Blüten: So weiß Margareta Seibert, in Hessisch Oldendorf Fachbereichsleiterin für den Bereich Kinder, Jugend und Sport zu berichten, dass in den Nachbargemeinden eine Höhergruppierung bereits durchaus üblich ist. Und in den kommunalen Stellenausschreibungen wird sogar schon mit freiwilligen Extras geworben. So zahlt beispielsweise die Stadt München für zuziehende Kita-Mitarbeiter sogar Wohnungszuschüsse; in Hannover sollen bereits bis zu vier Gehaltsstufen höher gezahlt werden.

Für Hessisch Oldendorf dürften da nur geringe Chancen für zusätzliche Fachkräfte bleiben. Doch will man versuchen, die Arbeitsplätze auch neben dem Gehalt attraktiv zu machen, hieß es im Ausschuss. „Wir haben Chancen, wenn wir uns als guter Arbeitgeber zeigen“, hofft denn auch Fachbereichsleiterin Seibert. So hätten sich bereits Sozialassistentinnen während ihrer Praktikumszeit in Einrichtungen von Hessisch Oldendorf für diesen Arbeitsplatz entschieden, weil sie sich hier wohlgefühlt hätten und das Umfeld einfach für sie stimmte.



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