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Vereinbarung zur interkommunalen Zusammenarbeit / „Keine betriebsbedingten Kündigungen“

Springerjobs sollen die Qualität sichern

Hessisch Oldendorf (doro). Zurückgehende Einwohnerzahlen, Fachkräftemangel, Landflucht. Das sind die großen Themen, denen sich Städte und Gemeinden im ländlichen Raum gegenwärtig stellen müssen. Und das alles angesichts leerer Kassen. Interkommunale Zusammenarbeit heißt deshalb das Zauberwort, von dem sich die Politiker finanzielle Entlastung versprechen. Gestern haben die Bürgermeister der Städte Rinteln und Hessisch Oldendorf sowie der Gemeinde Auetal eine Vereinbarung zur interkommunalen Zusammenarbeit unterschrieben, „um die Handlungsfähigkeit bei gleichbleibender Qualität und Angebotsvielfalt langfristig zu sichern.“

veröffentlicht am 07.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:21 Uhr

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Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sei nicht neu, die habe es im agrarstrukturellen Bereich bereits Ende der 90er Jahre gegeben, betonte Bürgermeister Harald Krüger. Seit 2008 findet ein Personalaustausch zwischen Hessisch Oldendorf und Rinteln im Bereich EDV statt, und im Zweckverband Tourismus arbeiten die drei Kommunen gemeinsam mit Aerzen ebenfalls schon zusammen.

Im nächsten Schritt will man vor allem „intern“ die Kräfte bündeln. Mittelfristig bedeute das zwar sicherlich eine Reduzierung des Personals, betriebsbedingte Kündigungen werde es aber nicht geben, versicherten die Bürgermeister. Auch die Selbstständigkeit der Kommunen werde nicht aufgegeben, vor Ort werde es immer einen Ansprechpartner für die Menschen geben.

Um die Angst der Bürger, einfach abgehängt zu werden, wissen die Politiker sehr wohl. Dass der großen Portion Skepsis, die am Anfang der Zusammenarbeit stehe, viele Gespräche folgen müssen, ist Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz ebenfalls bewusst, wie er sagt. Gegenseitiges Kennenlernen und Vertrauensbildung stehe deshalb vor dem Erfolg, doch danach, so seine Erfahrung, stehe man auf der Siegerseite.

Neben gemeinsamer Nutzung von Material, wie beispielsweise spezieller Maschinen der Bauhöfe oder EDV-Server, seien auch gemeinsame Ausschreibungen und Einkäufe denkbar, um bessere Preise zu erzielen. Intensiv diskutiert worden sei aber beispielsweise auch der Austausch von Personal. Gerade im Bereich der Kinderbetreuung, in dem sich der Fachkräftemangel besonders stark abzeichne, könne ein solches Modell Abhilfe schaffen. Konkretes Beispiel: Viele Männer wollen unter anderem deshalb nicht Erzieher werden, weil es nur wenig Vollzeitstellen gibt. Könnten sie an verschiedenen Standorten als Springer arbeiten, ergebe sich eine Vollzeitstelle, argumentiert Auetals Bürgermeister Thomas Priemer. Hilfreich könnte in diesem Zusammenhang das Projekt „Mehr Männer in Kitas“ sein, in dem Hameln, Hessisch Oldendorf, Rinteln und die Gemeinde Auetal ebenfalls zusammenarbeiten.

Dass Jobmodelle, in denen viel Flexibilität gefordert ist, nicht jedem Mitarbeiter liegen, geben die Bürgervertreter unumwunden zu. Gefragt seien deshalb individuelle Lösungen.

Neben der gegenseitigen Personalgestellung und gemeinsamer Nutzung von Arbeitsmitteln wollen die Partnerkommunen auch gesetzliche und tarifliche Möglichkeiten bei der Gestaltung von Arbeitsverträgen und gemeinsamer Ausbildung in kommunalen Ausbildungsberufen nutzen.

„Es gibt kein Buch: Das ist der Königsweg der interkommunalen Zusammenarbeit“, betont Karl-Heinz Buchholz bei der Vertragsunterzeichnung. Wichtig sei, dass man die Menschen mitnehme bei dem in Gang gesetzten Prozess. An der eingeschlagenen Marschrichtung führe jedoch kein Weg vorbei, „die Rahmenbedingungen müssen sich ändern.“

Rinteln, Hessisch Oldendorf und Auetal wollen künftig noch stärker zusammenarbeiten. Vor allem im Bereich Personal und Material will man kooperieren.

Grafik: Wal

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