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Großenwiedener Eltern fürchten, dass durch Schließung Dorfleben leidet / Befragung in Rohden und Segelhorst gefordert

Spielen die Kinder bald auf Schulhof am Rosenbusch?

Großenwieden (pj). Die harten Fakten sind klar: Der demografische Wandel schreitet fort, die Schülerzahlen nehmen in den kommenden Jahren weiter ab. Konkret heißt dies heruntergebrochen auf die Grundschule im Weserdorf, dass über die Schließung der Grundschule nachgedacht wird. Und genau an dieser Stelle gibt es das Veto betroffener Eltern, die sich für den Erhalt der Grundschule in Großenwieden einsetzen. Gefordert sind in den nächsten Wochen die Politiker, die eine Entscheidung treffen müssen, die nicht nur die Schule im Weserdorf betrifft. Das Votum für eine Auflösung hat auch Auswirkungen auf die Grundschule am Rosenbusch, in der neben den Schulanfängern auch die Mädchen und Jungen der heutigen Klassen 2 und 3 aufgenommen werden sollen.

veröffentlicht am 18.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 02:21 Uhr

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Das sind die Fakten: Die Zahl der Mädchen und Jungen, die im Weserdorf beschult werden, ist seit 2007 von 64 auf nunmehr nur noch 43 gesunken. Betrachtet man die Geburtenzahlen im Schuleinzugsbereich in Hinblick auf die Einschulungen bis 2017/18, dann sinkt die Zahl der Kinder von 15 auf zehn. In der Schule am Rosenbusch in der Kernstadt sind die Schülerzahlen ebenfalls deutlich rückläufig, von 2007 bis 2011 liegt der Rückgang bei annähernd zehn Prozent. 304 Kinder besuchen heute diese Schule.

Um „ein Meinungsbild zu bekommen und um Standpunkte zu hören“, hat die Stadtverwaltung zu einer Informationsveranstaltung in den Saal des Gasthauses Beißner in Großenwieden eingeladen. Neben betroffenen Eltern waren auch zahlreiche Politiker gekommen, um durch Klaus-Dieter Leupold, Amtsleiter bei der Stadtverwaltung, den Schuldezernenten Reiner Langeheine sowie die Schulleiterinnen aus Großenwieden und Hessisch Oldendorf aktuelle Daten zu bekommen und Standpunkte zu hören. Auch die Eltern waren aufgefordert, ihre Position darzustellen.

Reiner Langeheine beschrieb zunächst „aus schulfachlicher Sicht“, wie die Situation in Großenwieden einzuschätzen ist. Heute komme es darauf an, den Schülerinnen und Schülern Kompetenzen zu vermitteln, was einer Vielfalt an Ideen bedürfe, Schulen müssen Leitziele entwickeln und einen schuleigenen Arbeitsplan erstellen. Die geforderte Vielfalt sei nicht gegeben, „deshalb empfehle ich, die Schule zu schließen“, erklärt er. Die kommissarische Schulleiterin Heidi Finger, die zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand geht, bestätigte, dass sie „nach intensivem Abwägen erkennen und akzeptieren muss, dass das kleine Kollegium die Anforderungen nicht stemmen kann. Wir können nicht delegieren, jeder muss alles machen.“

Wird die Schule in Großenwieden geschlossen, siedeln die Kinder an den Rosenbusch über. Foto: Wal

Monika Rehberger, Schulleiterin der Schule am Rosenbusch, führte aus, dass sie und ihr Kollegium die drei Lehrerinnen in Großenwieden „an vielen Stellen unterstützt haben“. Den Eltern, die ihre „kleine beschauliche Schule gern behalten wollen“, sagt Monika Rehberger: „Die Welt sieht nicht so aus, wie Sie sie in Großenwieden vorfinden.“ Die Schulleiterin aus der Kernstadt betonte, dass eigenverantwortliches Lernen dort „vielfach auf der Strecke bleibt“. Und sie verwies darauf, dass man ab dem neuen Schuljahr keine Schulleitung mehr habe und auch keine finden werde. Dies bestätigt Reiner Langeheine, der mit Bedauern feststellt, dass sich „auf die Ausschreibung der Schulleiterstelle für die Schule im Sonnental kein Bewerber gemeldet hat“.

Juliane Dohme, Katrin Schaper und Lutz Söffker sind angetreten, um für den Erhalt der kleinen Schule zu kämpfen. „Die Schule muss erhalten bleiben, da sonst das Dorfleben leiden wird.“ Vorgeschlagen wird von den Eltern unter anderem die Änderung des Schuleinzugsbereichs, mit Eltern aus Rohden und Segelhorst sei bereits gesprochen worden und diese seien nicht abgeneigt, ihre Kinder in Großenwieden unterrichten zu lassen. Die Eltern fordern, dass die Stadtverwaltung eine offizielle Befragung durchführt, was vonseiten des Bürgermeisters zugesagt wird.

Zu den Vorschlägen der Eltern gehört auch, die Schule als Außenstelle zu führen. Reiner Langeheine bestätigt diese Möglichkeit, sagt aber, dass dies eine Beschränkung auf drei Jahre bedeute. Wie groß die Betroffenheit bei den Eltern ist, zeigt Ulrike Ossenkop auf. Sie spricht von „Unsicherheit“ und fragt: „Was ist ein Kind ohne starke Wurzeln?“ Und sie glaubt, dass sich ein Kind in einer kleinen Gruppe besser entwickeln kann. Gleichzeitig fragt sie nach Modalitäten, wenn sie ihr Kind gleich in Hessisch Oldendorf anmeldet.

Schuldezernent Reiner Langeheine hält eine rasche Entscheidung, sollte es auf die Schließung der Schule hinauslaufen, für wichtig, damit der Übergang zur Schule in Hessisch Oldendorf rechtzeitig geplant werden kann. „Ein Umstiegsszenario“ hat Klaus-Dieter Leupold schon einmal durchdacht. Recht problemlos könnte ein kompletter Wechsel zum Ende des laufenden Schuljahres erfolgen. Die Schüler der Klassen 2 und 3 und ihre Klassenlehrerin könnten am Rosenbusch zusammenbleiben.

Was die Entscheidungsfindung anbelangt, so wünscht sich auch Andreas Hage, Großenwiedener und Vorsitzender des Fachausschusses, „keine Salami-Taktik“. Er verweist auf die Ängste der Eltern und „kann verstehen, dass sie ihre gute, behütete Schule behalten wollen“. Andreas Hage verweist auch auf das beispielhafte Engagement, das die Eltern schon immer für die Grundschule im Ort aufbringen.

Bürgermeister Krüger, der die Veranstaltung im Saal des Gasthauses Beißner moderierte, lädt die Eltern zur Sitzung des Schulausschusses im Februar ein. Dann geht die Diskussion in die nächste Runde.



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