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Bizarrer Rosenkrieg geht weiter / Jäger soll Waffen abgeben / Kreis hält ihn für krank / Arzt: „Blödsinn“

Sollte Unternehmer Otto L. vergiftet werden?

Hessisch Oldendorf (ube). Seine eigene Tochter trachtete ihm nach dem Leben. Sie heuerte im Juni 2008 einen Killer an und bezahlte einen Teil des Blutgeldes. Weil Anna L. (Name geändert) später den Mordauftrag zurückzog, ging die 27-Jährige straffrei aus (wir berichteten). Drei Monate nach Einstellung des Strafverfahrens sind neue Details ans Licht gekommen: Auf Familienvater Otto L. (Name geändert) ist möglicherweise schon im Mai 2008 ein Mordanschlag verübt worden. An einem Sonntag bekam der Unternehmer (60) aus Hessisch Oldendorf Herzrasen. Ihm war schwindelig, übel, er schwitzte, und er hatte Kopfschmerzen. Otto L. ging zu seinem Hausarzt. Der Mediziner machte eine umfassende Diagnostik, konnte die Ursache für die Symptome aber nicht feststellen. Im Nachhinein betrachtet, sagt der Allgemeinmediziner auf Nachfrage unserer Zeitung, könnte es sich durchaus um eine Vergiftung gehandelt haben. Das habe er vor wenigen Wochen auch bei der Polizei ausgesagt.

veröffentlicht am 04.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 04:41 Uhr

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Staatsanwaltschaft klagt Anneliese und Anna L. an

Sollte der von der Tochter bezahlte Killer also das erledigen, was zuvor fehlgeschlagen war? Das ist reine Spekulation und heute wohl nicht mehr nachzuweisen.

Unter den Folgen des bizarren Rosenkrieges der Eheleute L, an dem sich auch die Tochter aktiv beteiligt haben soll, „habe ich heute noch zu leiden“, sagt Otto L., „denn es dauert lange, bis man in unserem Land sein gutes Recht bekommt. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam“.

Der Geschäftsmann sieht sich als Opfer, „das mit allen Mitteln in die Knie gezwungen und einfach nur fertig gemacht werden soll“. Die treibenden Kräfte, so Otto L., seien Noch-Ehefrau Anneliese L. (58) und Tochter Anna. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Hannover gegen die beiden Frauen Anklagen erhoben. Anneliese L. wird sich gleich fünf Mal vor Gericht verantworten müssen – unter anderem wegen schweren Diebstahls (von Schusswaffen) und Untreue. Sie soll sich, so Otto L.s Rechtsanwalt Karl-Josef Müller V nicht nur die Autos seines Mandanten mit Tricks unter den Nagel gerissen und Diebstähle begangen haben, sondern auch Betriebskapital, die Rede ist von einer großen fünfstelligen Summe, unterschlagen haben.

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Frauen sollen scharfe Waffen gestohlen haben

Gegen Tochter Anna L. wurden nach Angaben von Staatsanwältin Katrin Söfker zwei Anklagen erhoben. In beiden Fällen wegen schweren Diebstahls. Zudem hat die Behörde in Hannover ein Ermittlungsverfahren wegen Urkundenfälschung an die Staatsanwaltschaft Bielefeld abgegeben. Anna L. soll gemeinsam mit ihrer Mutter Jagdwaffen aus dem Waffenschrank von Otto L. gestohlen und sich diese mithilfe einer gefälschten Schenkungsurkunde auf ihren Namen eintragen lassen haben. „Unglaublich, aber wahr. Meine Tochter hat sich – während ich in der Badewanne saß – in meine Wohnung geschlichen und einen Schlüsselbund aus meiner Hosentasche gezogen“, sagt der Geschäftsmann. Aus Sicht des Landkreises hat Otto L. nicht sorgfältig genug auf seinen Schlüssel aufgepasst. „Und das in einer Zeit, als er glaubte, er solle getötet werden“ – so erklärte Gerhard von Zobeltitz, Leiter des Dezernates „Ordnung und Sicherheit“, bereits im April die Nichtverlängerung von L.s Jagdschein. Die Begründung können Otto L. und sein Rechtsanwalt Karl-Josef Müller V nicht nachvollziehen. „Mein Mandant hat erst am 17. Juli 2008, also acht Tage nach dem Diebstahl der Jagdwaffen, von der Polizei erfahren, dass auf ihn zwei gedungene Mörder angesetzt waren“, sagt Müller V – und ergänzt: „Niemand kann von meinem Mandanten verlangen, dass er hellseherische Fähigkeiten hat.“ Außerdem, so der Anwalt, sei Anna L. zum Zeitpunkt des Waffendiebstahls selbst Jägerin und damit nach dem Gesetz eine zuverlässige Person gewesen. „Vor ihr hätte mein Mandant nicht einmal seinen Schlüssel verstecken müssen. Er konnte nicht ahnen, dass er von seiner eigenen Tochter in seinen eigenen vier Wänden bestohlen wird.“

Anwalt reicht Klage gegen Landkreis ein

Der Landkreis sieht das offenbar anders. Mit Schreiben vom 20. August ordnete die Kreiswaffenbehörde an, Otto L. habe nun auch die Schusswaffen, die ihm noch geblieben sind „an einen Berechtigten zu übergeben oder unbrauchbar zu machen“. Als Hauptgrund führt die Behörde an, Otto L. habe seine Jagdwaffen „nicht hinreichend gesichert aufbewahrt“. Außerdem sei der Unternehmer schon einmal „psychiatrisch behandelt“ worden. Deshalb sei die Annahme gerechtfertigt, „dass er (Otto L.) psychisch krank ist und die erforderliche persönliche Eignung nicht mehr besitzt“.

Otto L. ist empört, versteht die Welt nicht mehr. Sein Rechtsanwalt Karl-Josef Müller V hat beim Verwaltungsgericht Hannover eine Klage gegen den Landkreis Hameln-Pyrmont eingereicht – denn: „Die Waffenbehörde ist ganz offensichtlich nicht über die neuesten Entwicklungen informiert“, sagt der Jurist. Die Staatsanwaltschaft hatte Otto L.s Hausarzt am 4. Juni von der Polizei vernehmen lassen. „Ich habe ausgesagt, dass Otto L. zu keinem Zeitpunkt psychisch krank gewesen ist, sagte der von seiner Schweigepflicht entbundene Arzt unserer Zeitung.

Jüngst hat Otto L. Post von der Stadt Hessisch Oldendorf bekommen. Er ist zum Wahlvorstand bei den Bundestagswahlen berufen worden. Selbstironisch merkt der Unternehmer an: „Das ist schon sonderbar, dass ein psychisch Kranker ein solches Ehrenamt übernehmen soll.“

„Ein Hund ist ein treuer Freund“ – Geschäftsmann Otto L. glaubt, dass ihm Gift verabreicht wurde.

Otto L. putzt seine Jagdwaffen. Vielleicht zum letzen Mal, denn der Landkreis hat ihn aufgefordert die Gewehre „an einen Berechtigten zu übergeben oder unbrauchbar zu machen“. Für die Behörde ist der Geschäftsmann unzuverlässig, weil er sich den Schlüssel zum Waffenschrank hat stehlen lassen. Der Unternehmer sagt: „Ich bin Opfer und soll zum Täter gemacht werden.“

Fotos: ube

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