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Mehrinvestition, um rechtzeitig vor dem 9. März fertig zu sein / Bundesregierung verlängert Zeitrahmen

Solarpark fertig – doch halbe Million in den Sand gesetzt

Hessisch Oldendorf. Vor 14 Tagen begann die Zitterpartie für die Erbauer des größten Solarparks in der Region. Eigentlich war geplant, erst ab April jährlich rund 3,6 Millionen Kilowattstunden Strom einzuspeisen. Dann kam die Nachricht aus Berlin, dass ab 9. März die Solarförderung drastisch gekürzt wird. Für die Investoren von der Sparkasse Weserbergland FinanzService GmbH und der WIN GbR begann ein Wettlauf mit der Zeit. Am Mittwoch atmeten Joachim Storch und Ulrich Waltemathe, die Geschäftsführer der Sparkassen Weserbergland FinanzService Gmbh auf: „Wir haben es geschafft.“ Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Die Bundesregierung hat bis 30. Juni verlängert.

veröffentlicht am 09.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

Peter Jahn
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Das Vorgehen der Politiker ist nicht nur für die Hameln-Pyrmonter ärgerlich. „Wenn Politiker vorher überlegen würden, was sie mit ihren Äußerungen anrichten, wäre viel geholfen“, sagt Joachim Storch, der zunächst nach Worten ringt, als er mit dem neuen Termin konfrontiert wird. „Die ganze Unruhe hätte nicht sein müssen, dadurch wurde nicht nur von uns Geld unnötig ausgegeben“, fügt er an.

Gern erzählt Joachim Storch, was sich seit dem 23. Februar, dem Tag, an dem die Regierung ihr Vorhaben, die Solarförderung zu kürzen, veröffentlichte, abgespielt hat. Die Investoren haben noch am gleichen Tag reagiert und entschieden, dass alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um bis zum 9. März fertig zu sein. Statt einem Kettenfahrzeug, das die Module vom Lastwagen lädt und zu den Stellen bringt, wo sie auf die Untergestelle aufgeschraubt werden, orderten die Investoren vier Fahrzeuge. Mit den Stahlwerken in England, die den Auftrag für die Querträger der Untergestelle haben, wird verhandelt, dass sie die Lieferung vorziehen. Die Partner auf der Insel sagen zu, „die laufende Produktion zu stoppen und umzudisponieren, damit wir die benötigten Teile rechtzeitig bekommen“, führt Joachim Storch aus.

Damit nicht genug, die Module, die beim Zoll im Hafen von Rotterdam lagen, mussten auf schnellstem Weg ins Hessisch Oldendorfer Gewerbegebiet südlich der Bahn gebracht werden. „Der Zoll spielte mit“, erklärt Joachim Storch. Bisher fuhr ein Lastwagen pro Tag in die holländische Hafenstadt. Nun werden täglich neun Lkw rollen, und auch der Betrieb auf der Baustelle zwischen Biogasanlage, alter Zuckerfabrik, Umgehungsstraße und Bahnlinie verändert sich grundlegend. „Es wurden Teleskop-Lichtmasten aufgestellt, damit auch am Abend weitergearbeitet werden konnte“, sagt Joachim Storch. Sonnabends und sonntags wurden die Hände nicht in den Schoß gelegt. „Zeitweise waren bis zu 70 Arbeiter auf der Baustelle“, erklärt der Geschäftsführer der Weserbergland FinanzService GmbH, Joachim Storch. Die Gestelle aufzubauen und die Module darauf zu befestigen, war nicht einfach, denn der Untergrund war durch den Regen morastig geworden. Die Kettenfahrzeuge drohten einzusinken.

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  • Blick durch einige Reihen des Modulfeldes auf das Haus der Familie Felau. Foto: Dana

Alle Probleme wurden gemeistert, auf 70 000 Quadratmetern sind 21 000 monokristalline Hochleistungsmodule auf den vorgesehenen Untergestellen befestigt, der Solarpark steht. Die veränderte Marschroute, die vor 14 Tagen eingeschlagen wurde, bringt Mehrkosten in Höhe von rund einer halben Million Euro. „Die Reduzierung der Solarförderung bedeutet, dass wir über 20 Jahre keinen Verdienst hätten“, also sei durchgestartet worden, damit das sieben Millionen Euro teure Projekt am Ende auch etwas abwirft, erklärt Joachim Storch.

Nun muss der Solarpark, dessen Leistung mit 4,1 Megawatt Peak angegeben wird, nur noch ans Netz angeschlossen werden. Während die Investoren noch glauben, dass eine neue Zitterpartie beginnen könne, kommt die Mitteilung aus Berlin: Der Stichtag wird für Dachanlagen auf den 1. April gelegt, Solarparks müssen bis zum 30. Juni in Betrieb genommen werden.



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