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Unglaubliche Bilanz des Umwelttags: 400 Säcke Müll, 50 Autoreifen und zehn Zentner Eisenschrott zusammengetragen

Sogar Waschbecken und Toilette im Wald entsorgt

Hessisch Oldendorf (ah). Ein dringendes Bedürfnis mitten in freier Natur, da sehnt manch einer eine Toilette herbei. Keiner wünscht sich jedoch, während eines Spaziergangs auf widerrechtlich im Wald entsorgte Kloschüsseln und Spülkästen zu treffen. Derartige Fundstücke haben diejenigen aufgelesen und zum städtischen Bauhof gebracht, die am Freitag oder Sonnabend ihre Freizeit opferten, um aufzusammeln, was andere in den Wald gefahren oder im Feld einfach weggeworfen haben, obwohl regelmäßig und kostenfrei Sperrmüll abgefahren wird.

veröffentlicht am 02.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:21 Uhr

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In allen 24 Orten der Stadt Hessisch Oldendorf hatten Feuerwehren und Vereine ihre Mitglieder aufgerufen, beim Umwelttag mitzuhelfen. Und die Angesprochenen zeigten in großer Zahl, dass es viele Menschen gibt, denen an ihrer Umwelt gelegen ist. Ob in der kleinsten Wehr in Krückeberg mit acht oder der größten in der Kernstadt mit 25 Helfern, das Alter spielt keine Rolle: In Hessisch Oldendorf unterstützt der ehemalige Stadtbrandmeister Hans-Jürgen Hoffmann die Aktion, in Rohden sammeln noch vor der offiziellen Gründung der Kinderfeuerwehr sieben Mädchen und Jungen mit drei Betreuern Müll auf. Kalter Wind und Regenschauer sind dabei wahrlich nicht die angenehmsten Voraussetzungen, um den Dreck, den andere hinterlassen haben, zu beseitigen.

Zwölf Mitglieder der Ortswehr sind in Langenfeld unterwegs, darunter trotz Osterferien fünf Jugendliche. Neben jener Kloschüssel nebst Spülkasten und einem Waschbecken tragen sie fünf Säcke Müll und fast eine Schubkarre Glasflaschen zusammen. „Der Müll ist weniger geworden, allerdings ist die Anzahl an Glasflaschen in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen“, sagt Ortsbrandmeister Constantin Tegtmeier. Eine Zunahme an Glasmüll stellen auch die zehn an der Umweltaktion Beteiligten der Ortswehr Weibeck fest, die unterwegs zudem einen Haufen Badezimmerfliesen aufsammeln.

Fliesen wie Waschbecken, Kloschüssel und Spülkasten landen beim Umwelttag, der einmal im Jahr in der Stadt durchgeführt wird, im Container auf dem städtischen Bauhof im Steinbrinksweg. Dort weist Mitarbeiter Rüdiger Schünemann die mit Feuerwehrfahrzeugen, Treckern sowie Pritschenwagen ankommenden Mitglieder von Feuerwehren und Vereinen ein. In der Ecke mit Eisenschrott findet ein drei Quadratmeter großer, mit Styropor ausgefüllter Eisenrahmen Platz, den die Ortswehr Fuhlen an der Weser entdeckt hat. Daneben lagert ein kompletter Metallzaun mit Holzpfählen, der mit einem Trecker aus Großenwieden angeliefert worden ist. „Wir haben auch einen toten Marder gesehen und eine Flaschenpost“, berichten Mitglieder der Jugendwehr aus dem Weserdorf, während sie neben etlichen Müllsäcken auch Straßenbegrenzungspfosten abladen. „Liegen gelassen haben wir an einem Parkplatz Kanister und total verölte Autoteile, etwa einen Hänger voll“, erklärt Harald Struckmeier von der Großenwiedener Wehr und fügt hinzu: „Deren Entsorgung müssen wir mit der Stadt klären.“ Lobend erwähnt er, dass unter den 16 Müllsammlern Mitglieder des Ortsrates gewesen seien. Auch in anderen Ortschaften wie Zersen oder Rohden helfen Dorfbewohner und Vereine beim Frühjahrsputz.

„In der Gemarkung Friedrichsburg haben wir einen Autoanhänger voll unterschiedlichsten Müll gefunden“, erzählt Ortsbrandmeister Frank Bille und fügt hinzu: „Mitten im Wald haben unsere neun Mitstreiter auch eine Kinderkarre und einen Rasenauffangkorb aufgelesen.“ Zu den Umwelttag-Errungenschaften aus Bensen zählt Kommandomitglied Claudia Lange „zwei Regentonnen, eine Klospülung und eine vollgesch... Kinderunterhose.“

Etwas mehr Müll als im Vorjahr, nämlich drei Anhänger voll, liefern Aktive der Hessisch Oldendorfer Wehr beim Bauhof ab. Ortsbrandmeister Thomas Zacher und sein Stellvertreter Bernd Meier erzählen von einer Familie, die anlässlich des Umwelttages außerhalb ihres Grundstückes aufgeräumt habe. „Im Bereich Unter den Tannen haben sie Müll aufgelesen und alles auf einem Haufen zusammengetragen, einen halben Anhänger voll, darunter auch ein Gullideckel“, loben sie.

Bauhof-Mitarbeiter Rüdiger Schünemann hat vor allem zwischen 11 und 13 Uhr alle Hände voll zu tun, um zu zeigen, was in welcher Mulde abgelegt werden kann. Teppichreste, Sitzpolster, eine Tischplatte, Reifen mit und ohne Felgen sowie ein Kanister mit Altölresten werden aus Hemeringen angeliefert. Schünemann führt genau Buch über alles, was abgeladen wird. Insgesamt verbucht er 400 Säcke Müll, die nicht alle auf dem gemieteten Container Platz finden, sondern auch noch ein Viertel einer Bauhofmulde füllen. Er zählt 60 Autoreifen, die Hälfte davon mit Felgen, und schätzt, dass mindestens zehn Zentner Eisenschrott, darunter diverse Eisenrohre und alte Eisenschilder am Umwelttag aufgefunden worden sind. Hinzu kommt der Sondermüll: zehn Eimer mit Farb- oder Lackresten, sechs Kanister mit Altöl, Computerteile, ein türloser Kühlschrank sowie eine alte Wäscheschleuder. Zudem gehen ein Kubikmeter Sperrmüll, lange Bretter, der Kinderwagen sowie ein viertel Kubikmeter Bauschutt auf das Konto von Umweltsündern.

Für die Bauhof-Mitarbeiter bleibt in dieser Woche noch einiges zu tun: „Wir müssen sowohl die Holzpfähle vom Zaun aus Großenwieden als auch das Styropor vom Eisenrahmen aus Fuhlen lösen, sonst nimmt uns das der Eisenschrotthändler nicht ab“, erklärt Schünemann. „Außerdem entsorgt der Bauhof die beiden Anhänger voller Reifen und den Sperrmüll, der Container mit den Müllsäcken wird abgeholt“, fügt er hinzu.

Am Ende des Umwelt-Wochenendes zeigt sich Stadtbrandmeister Jürgen Hilpert vor allem über den Einsatz der Jugendwehren sehr erfreut. „Es ist prima, wenn die Jugendlichen sich für ihre Umwelt einsetzen und ein Vorbild für andere sind“, erklärt der Chef der Stadtfeuerwehr.



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