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Taublindenwerk Fischbeck: Autoren-Ehepaar dreht Dokumentarfilm über ein Leben ohne Sehen und Hören

Sie weiß nicht, wie der Wind die Baumwipfel bewegt

Fischbeck. Die Einrichtung des Deutschen Taubblindenwerks (DTW) in Fischbeck „Unser Dorf“ kommt ins Fernsehen. Seit September 2013 arbeiten Bernd und Heidi Umbreit an einem 60-minütigen Dokumentarfilm, den ARD/SWR und arte in Auftrag gegeben haben. Darin begleiten sie über einen Zeitraum von einem Jahr drei von Geburt an taubblinde Bewohner. Vorläufiger Arbeitstitel: „Das andere Dorf“.

veröffentlicht am 03.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

von Annette Hensel
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„Kennengelernt haben Heidi und Bernd Umbreit unsere Einrichtung bereits 2003, als sie im Rahmen ihres Films ,Sam und Tim – geboren an der Grenze zum Leben‘ hierher kamen, um sich über den Umgang mit taubblinden Kindern zu informieren. Schon damals kam ihnen der Gedanke, bei uns eine Dokumentation über Taubblindheit zu drehen“, berichtet Betreuungsdienstleiterin Jutta Hennies. Seither hielten sie den Kontakt nach Fischbeck aufrecht.

Es sei für die beiden schwierig gewesen, in einer Zeit, in der die Quote zähle, einen Fernsehsender zu finden, der bei ihrem Filmprojekt einsteige, fährt Hennies fort. Zugleich hätten sie vor der Herausforderung gestanden, Taubblindheit mit der Kamera zu übersetzen. Für ihre Bewerbung drehte das Ehepaar in Fischbeck einen sechsminütigen Kurzfilm. „Schon der ging zu Herzen und hat die Fernsehsender schließlich überzeugt“, sagt Hennies. Im dazugehörenden Exposé halten die Filmemacher fest: „Wir bekamen Einblicke in eine Welt, von der wir bisher nicht wussten, dass es sie in dieser Form überhaupt gibt, haben Eindrücke und Bilder mitgenommen, berührende, nachdenklich machende, noch nie gesehene – Erlebnisse, die uns nachhaltig weiterbeschäftigen, nicht mehr loslassen.“

Im Mittelpunkt des Kurzfilms steht Maria D., 25 Jahre alt, eine von 124 Bewohnern im Taubblindendorf. Das Exposé beginnt mit den Worten: „Ganz in der Nähe ein Tannenwäldchen. Maria hat es nie gesehen. Sie weiß nicht, wie es aussieht, wenn der Wind die Baumwipfel bewegt, weiß nicht, dass er sie bewegt. Maria kam gehörlos und blind zur Welt, weil ihre Mutter in der Schwangerschaft an Röteln erkrankt war. In Marias Welt gibt es kein Wieso und Warum? Es gibt keine Bücher, kein Deutschland … keinen Krieg und keinen Frieden. Es gibt sie nicht, weil sie keine Begriffe dafür hat und keine Vorstellungen. Maria hat unsere Welt nie gesehen. Taubblinde können nicht zur Welt kommen, deshalb muss die Welt zu ihnen kommen.“

Ab heute nehmen Bernd Umbreit, der die Kamera führt, und seine Frau, die für den Ton verantwortlich ist, wieder die Dreharbeiten auf, die sich wochenweise bis September hinziehen werden. „Sie sind während des Filmens einfach da, ohne Filmcrew, ohne Berührungsängste, werden Bestandteil unserer Einrichtung“, erklärt Jutta Hennies.

„Filme als Anliegen“, unter dieses Motto stellt das Ehepaar seine Arbeitsphilosophie. In Fischbeck geht es dabei der Frage nach: Wie leben taubblinde Menschen? Bernd Umbreit habe bei Vorträgen die Erfahrung gemacht, dass sich viele Leute gar nicht vorstellen könnten, dass es ein lebenswertes Leben für Taubblinde gibt, sagt Hennies und fügt hinzu: „Um so tief wie möglich in das Thema einzutauchen, beobachten die beiden auch bewusst die Beziehung zwischen Betreuern und Bewohnern und versuchen diese in den Film zu übertragen.“ Sie selbst habe vorab bereits mehrere eindrucksvolle Sequenzen gesehen. „Heidi und Bernd Umbreit haben eine besondere Wahrnehmung, einen intensiven, vorbehaltlosen und liebevollen Blick, sie fangen Stimmungen ein und lassen zugleich sehr ästhetische Aufnahmen entstehen. Ihr Ziel ist es, Taubblinde in all ihrer Liebenswertigkeit darzustellen“, so Hennies.

Tipp: Am Dienstag, 8. April, um 19.30 Uhr zeigt Bernd Umbreit im DTW Fischbeck im Pötzer Weg 5 seinen mehrfach preisgekrönten Film „Zeit, die mir noch bleibt“ und hält einen Vortrag. „Im Film geht es um den eigenwilligen Kampf eines an Krebs erkrankten Mannes, der die Zuschauer jedoch nicht bedrückt, sondern beeindruckt und hoffnungsvoll hinterlässt“, sagt Hennies. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.



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