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Gertrud Seidel feiert heute ihren 100. Geburtstag

Sie kocht, wäscht Kleidung und schreibt Briefe

Fuhlen. Gertrud Seidel sitzt in ihrem Sessel am Wohnzimmerfenster und liest Zeitung. Ein allmorgendliches Ritual, um sich zu informieren. Heute wird die älteste Einwohnerin Fuhlens 100 Jahre alt. „Ich habe nichts dazu getan, um so alt zu werden“, meint sie bescheiden.

veröffentlicht am 02.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:21 Uhr

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Autor:

Annette Hensel
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Gertrud Seidel wächst auf einem Hof im Kreis Falkenberg in Schlesien auf, jung verheiratet kehrt ihr Mann nicht aus dem Krieg zurück. 1946 wird sie mit Schwester, Vater und ihrer kleinen Tochter vom Hof vertrieben und auf eine Reise mit unbekanntem Ziel geschickt. Wie für viele andere in jener Zeit kommt sie ins Weserdorf Fuhlen. Dort knüpft Gertrud Seidel schnell Kontakte zu anderen Heimatvertriebenen wie zu Einheimischen, mit denen sie in Chören und Vereinen zusammenkommt.

Von schweren Krankheiten verschont geblieben hat sie bis vor zwei Jahren noch Garten und Haushalt eigenständig versorgt, für das Mittagessen bevorzugt Gemüse und Obst aus eigenem Anbau verarbeitet. Auch heute noch kocht sie selbst, wäscht ihre Kleidung und schreibt Briefe. „E geht nur alles nicht mehr so schnell“, sagt sie erfrischend lebensbejahend und erwähnt dankbar, dass Nachbarn das Einkaufen und Schneeschieben für sie übernehmen. „Gute Nachbarn und Freunde sind ganz wichtig im Leben“, erklärt sie.

Früher habe sie genäht, gestickt, gestrickt und Teppiche geknüpft, „doch jetzt wollen meine Finger nicht mehr so“, erzählt Gertrud Seidel und fährt fort: „Bei gutem Wetter mache ich mit dem Rollator einen Spaziergang, nehme an Suppenküche und Café Klatsch im Gemeindehaus teil.“ Allerdings seien auch das Gehen und das Hören schlechter geworden, gesteht die Seniorin, die im letzten Jahr „Engelkonfirmation“ feierte. „Wir mussten im Internet recherchieren, wie das 85-jährige Jubiläum lautet, denn das haben wir hier noch nie gefeiert“, sagt Susanne Behnke, die Gertrud Seidel liebevoll als „Oma des Dorfes“ bezeichnet. „Ich bewundere sie darum, dass sie in ihrem Alter noch so selbstständig, an allem interessiert und präsent ist“, fügt Fuhlens Pastorin hinzu. „Gertrud Seidel ist richtig stark“, ergänzt ein Nachbar. „Gertrud Seidel ist ein herzensguter Mensch und sie freut sich so, wenn wir alljährlich beim Junggesellenrundmarsch bei ihr einkehren“, sagt Frederik Weiß vom Kirmesverein.

Extra für die zu erwartenden Gratulanten hat die Jubilarin ihren legendären Eierlikör zubereitet. „Das Geheimnis ist, dass man die Zutaten eine Dreiviertelstunde rühren muss“, verrät sie. Mit ihren Gästen, darunter ihre Tochter, zwei Enkel und vier Urenkel feiert Gertrud Seidel im Wirtshaus Bücher ihren 100. Geburtstag.



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