weather-image
16°

Fuhlenerin begeisterte Floristin

Sie denkt in der Sprache der Blumen

FUHLEN. Blumenbinderin – bewusst entscheidet sich Heike Rehse-Gliesmann für die alte, heute nicht mehr gebräuchliche Berufsbezeichnung. Bewusst entscheidet sie sich auch, sich in einem kleinen Dorf selbstständig zu machen.

veröffentlicht am 17.09.2018 um 12:45 Uhr

Heike Rehse-Gliesmann setzt in der Kulisse des Gartens ein Kunstwerk in Szene. Foto: bj
Avatar2

Autor

Barbara Jahn-Deterding Reporterin
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Ich kann nur in der Sprache der Blumen denken – sagt jedenfalls mein Mann“, schildert Heike Rehse-Gliesmann, während sie in ihrem Garten eine Säule so lange hin und her schiebt, bis das Ergebnis sie überzeugt. Die Floristikmeisterin ist derzeit dabei, den modernen Bauerngarten so zu verändern und zu nutzen, dass er zu ihrem Anspruch als Blumenbinderin passt. „Blumenbinderin ist zum einen die alte Berufsbezeichnung, zum anderen drückt es meine Beziehung und Liebe zum Material, nämlich den Blumen und Pflanzen, besser aus“, erklärt sie. „Den Grundstein hat vermutlich meine Oma gelegt, denn mit ihr habe ich immer die Fülle der Sommerblumen und Kübelpflanzen hier auf dem Rehsehof gegossen“, erinnert sich die Fuhlenerin. Nach der Schule habe sie allerdings nicht gewusst, welchen Beruf sie ergreifen wolle. „Wir sind damals mit der ganzen Klasse zum Arbeitsamt gegangen und haben einen Test absolviert. Als Ergebnis stand bei mir ganz banal ,Floristin’“, schmunzelt sie. Daraufhin habe sie sich erst einmal über den Beruf informiert und in einem Blumenladen ein Praktikum absolviert. Die Liebe zum Beruf war geweckt. Es folgten die Lehrjahre, die „wirklich keine Herrenjahre waren“, wie Rehse-Gliesmann betont. „Ich habe danach in einem Laden gearbeitet, in dem man mich ermutigt hat, das Erlernte ohne Einschränkungen auszuprobieren. Nach einem Jahr auf Borkum habe ich mich dann dazu entschlossen, den Schritt zur Meisterschule zu wagen, denn ich habe mehr gewollt.“

Die Meister-Ausbildung in Ahlem vermittelt Sachkenntnis bezogen auf Schnittblumen und Topfpflanzen, handwerkliche Techniken, Farblehre, Stilkunde und betriebswirtschaftliche Elemente. „Auf Basis des Fachwissens geht es dann darum, mutig und kreativ zu werden, einen eigenen Stil zu entwickeln“, erklärt die Floristikmeisterin. Ein Beruf, der viele Möglichkeiten biete. Es sei schade, dass immer weniger Menschen bereit seien, diesen Beruf zu erlernen, bedauert die Fachfrau. Nachdem sie den Meistertitel erworben hatte, übte sie ihren Beruf in Osnabrück aus und macht sich in der Fachwelt einen Namen. „Die oberen Zehntausend in der Branche kennen mich“, sagt Rehse-Gliesmann. „Ich habe Kurse an der Floristmeisterschule Ahlem, die es leider nicht mehr gibt, gegeben und beim Berufswettkampf der Floristen im Rahmen einer Bundesgartenschau geprüft. 2012 war ich Jurorin bei den Deutschen Meisterschaften der Floristen. Das ist ein Highlight, denn dort hat man es mit den Besten der Besten zu tun.“

Als im Jahr 2008 auf dem elterlichen Betrieb in Fuhlen die Kühe abgeschafft werden, rückt die Verwirklichung des Traums von der Selbstständigkeit in greifbare Nähe. Stall und Scheune werden in Augenschein genommen, Ideen entwickelt und verworfen – bis es 2013 so weit ist. Die Blumenbinderin eröffnet ihr Geschäft in der Oberen Brückenstraße. Das Spektrum ist groß, reicht von Topf- und Schnittblumen bis zu Dekorativem. „Der Schwerpunkt ist die Hochzeitsfloristik. Es geht mir immer darum, die Blumen in den Vordergrund zu stellen“, betont die Fuhlenerin. Das sei im Laden so und auch im Garten, dem ursprünglichen Bauerngarten des Rehsehofes. Noch heute findet man die klassischen Elemente wie Gemüsebeet, Obstbäume und Buchsbaumhecken, die mit großzügige Staudenbeeten und künstlerischen Elementen kombiniert sind und damit einen modernen Anstrich bekommen haben.

„Wenn man nicht an sich arbeitet, keine Ideen mehr hat, geht die Kreativität verloren“, ist sich die Blumenbinderin sicher. Die Gefahr scheint nicht gegeben, denn sie arbeitet bereits an einem neuen Konzept. „Ich möchte aus dem Garten nicht nur Material für meine Sträuße holen, sondern ihn als Ausstellungsraum nutzen. Stauden, Büsche und Bäume bilden eine schöne Kulisse, geben Werkstücken einen ausgefallenen Rahmen“, führt sie aus und deutet dabei auf eine efeubewachsene alte Ziegelmauer. „Ich möchte den Menschen, die den Garten betreten, eine Atmosphäre bieten, die sie gefangen nimmt“, führt die leidenschaftliche Floristin aus.

Ob ihr das gelingt, wird sich zeigen, wenn Heike Rehse-Gliesmann in dieser Woche am Freitag und Samstag, 21./22. September, zu ihrer nunmehr fünften Herbstausstellung einlädt.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?