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Brüsseler Bürokraten nehmen Kreisverkehre ins Visier / Skulpturen eine Gefahr für Autofahrer?

Sicherheit nach allen Regeln der Kunst

Hessisch Oldendorf (rom). Harald Krüger ist ein Freund der Kunst. Tagein, tagaus, wenn er zur Arbeit ins Rathaus fährt und am Abend wieder nach Hause zurückkehrt, umkurvt der Bürgermeister Hessisch Oldendorfs das Kunstwerk im Kreisverkehr. Sehr gelungen nennt Krüger die Skulptur von Britta Samsen-Huch, die seit 2006 den Ortseingang schmückt. Doch mit dem schönen Anblick könnte es bald vorbei sein, zumindest, wenn es nach der Europäischen Union geht.

veröffentlicht am 12.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:21 Uhr

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Den Brüsseler Bürokraten sind Kunstwerke in Kreiseln nämlich ein Dorn im Auge. Sie gefährdeten in bestimmten Fällen die Sicherheit der Autofahrer, meinen sie. Daher hat die Europäische Union bereits im Jahr 2008 eine entsprechende Verordnung erlassen. Das Schriftstück mit der Bezeichnung 2008/96/EG trägt den Titel „Sicherheitsmanagement für die Straßenverkehrsinfrastruktur“. Darin heißt es, dass „feststehende Hindernisse neben der Straße“ beseitigt werden sollen. Dazu gehören mancherorts auch Kunstwerke in Kreisverkehren. Noch ist die Verordnung allerdings nicht in nationales Recht umgesetzt. Nordrhein-Westfalen zum Beispiel bedient sich noch sogenannter Sicherheitsaudits: Dabei wird jeweils im Einzelfall geprüft, wie ein Kreisverkehr gestaltet werden sollte, damit er keine Gefahr für den Straßenverkehr darstellt. Die Behörden in Niedersachsen handeln ähnlich. Sollte die Verordnung in Deutschland aber in strikter Form angewendet werden, würde dies wohl das Aus bedeuten für Krügers tägliche Kunstfahrt.

Beispiele für abgesägte Kunstwerke gibt es bereits. So hat der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zu Beginn des Jahres angewiesen, sämtliche Kreisverkehre an Bundes- und Landesstraßen unter die Lupe zu nehmen. Es geht um die Frage: Ist das Kunst? Dann muss es weg.

Nach dem Erlass des Verkehrsministeriums sind Kreiselkunstwerke auf Landes- und Bundesstraßen streng genommen nicht mehr erlaubt. Nur in der Nähe von Ortschaften seien Einzelfallprüfungen möglich. Weitgehend freie Gestaltung ist nur noch innerhalb von Ortschaften möglich. 54 Kreisverkehre haben die Beamten als „hohes Risiko“ eingestuft. Erste Kunstwerke sind schon aus dem Straßenbild verschwunden. Sicherheit hat Vorrang.

In der Europäischen Union starben 2010 im Durchschnitt 62 Menschen je eine Million Einwohner, 2001 waren es 112. In absoluten Zahlen: Statt 54 349 gab es 2010 noch 31 112 Verkehrstote. Ein starker Rückgang, der Brüssel aber noch nicht weit genug geht. Die Zahl der Verkehrstoten soll weiter fallen. So entstand die Idee für die Kreiselkunstaktion.

Markus Brockmann kennt sich aus mit den Straßen im Weserbergland. Als Geschäftsführer der Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln ist er für alle Landesstraßen in der Region zuständig. Auch die Nummer 434 gehört dazu. Es ist genau die Straße durch Hessisch Oldendorf, die am Ortseingang in den Kreisverkehr mündet. Wenn es um das Thema Sicherheit geht, kennt Brockmann kein Pardon. „Sicherheit ist das oberste Ziel“, sagt er. Seine Mitarbeiter nehmen daher auch Kunstwerke unter die Lupe, bevor sie installiert werden.

Grundsätzlich spricht sich Brockmann für Kunstwerke in Kreisverkehren aus. „Ich finde das gar nicht verkehrt“, sagt er. Denn die Kunstwerke besäßen einen Wiedererkennungswert und dienten Autofahrern zur Orientierung.

Auch Krüger lobt die Skulptur. Sie sei eine „sehr gute Betonung des Einganges zu unserer schönen historischen Altstadt“, meint der Bürgermeister. „Vor der Installation sind mit allen zuständigen Behörden sämtliche sicherheitsrelevanten Aspekte erörtert und abgestimmt worden“, sagt er. Außerdem sei das Kunstwerk gut ausgeleuchtet. Sollte es dem Kreiskunstwerk an den Kragen gehen, will er dagegen angehen. „Es handelt sich um einen innerörtlichen Kreisverkehrsplatz, der sicherlich anders zu beurteilen ist als ein außerörtlicher Kreisverkehrsplatz auf freier Strecke“, sagt er. Eine Gefahr am Ostertorkreisel könne er nicht erkennen. Krüger hängt eben an dem Kunstwerk. Ohne sie wäre die Fahrt zum Rathaus auch weniger schön.



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