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Britta Delschen und Karl-Heinz Nitz freuen sich über erstes Fohlen

Seltene Kiger Mustangs leben in Großenwieden

GROSSENWIEDEN. Es gibt in ganz Deutschland gerade mal 23 Mustangs und zwei davon leben im Weserdorf. Doch Stute und Fohlen gehören zu einer ganz besonderen Rasse. Es handelt sich um Kiger-Mustangs, die sich seit 1492, als sie durch die Spanier nach Amerika gebracht wurden, genetisch nicht verändert haben.

veröffentlicht am 31.08.2018 um 14:12 Uhr
aktualisiert am 31.08.2018 um 15:40 Uhr

Britta Delschen und Karl-Heinz Nitz mit der Kiger-Stute Winona und dem Fohlen MH Tiponi. Foto: BJ

Autor:

Barbara Jahn
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„Mustang ist nicht gleich Mustang. Es sind verwilderte Pferde aller Rassen, die Nachkommen verschiedener europäischer Hauspferderassen, die durch die Besiedlung Amerikas ins Land kamen“, erklärt Karl-Heinz Nitz. Der Pferdeliebhaber blickt währenddessen auf eine Stute mit ihrem Fohlen und schwärmt: „Ja, und dann gibt es noch die Kiger Mustangs, dazu gehören diese beiden. Diese Pferde sind ein Kunstwerk der Natur.“

Die Mustangs sind erst 1977 auf dem schwer zugänglichen Kiger-Hochplateau im US- Staat Oregon entdeckt worden. Daher leitet sich ihr Name ab. „Die Natur hat es geschafft, diese Pferde so zu erhalten, wie sie 1492 mit den Spaniern ins Land gekommen sind. Es ist phänomenal, die Tiere zeigen keine Inzuchtmerkmale und sind in ihrer Genetik seit damals unverändert“, erklärt Nitz.

Zu ihrem Schutz seien die rund 150 Pferde vom US-amerikanischen Bureau of Land Management (BLM) in zwei Herden aufgeteilt und in neuen Regionen angesiedelt worden. Dort vermehren sie sich und alle paar Jahre werden ein paar Tiere vom BLM zur Adoption freigegeben. „Eine der Stuten ist auf diesem Weg an eine schwedische Züchterin gegangen. Das Tier ist die Mutter unserer Winona“, sagt Britta Delschen und deutet auf die Stute, die in Sichtweite mit ihrem Fohlen grast.

„Wir lieben beide das Westernreiten und haben uns gesagt, dann soll es auch auf einem Mustang sein“, lacht die Großenwiedenerin. Gemeinsam mit Karl-Heinz Nitz hat sie 2012 den Mönchehof, einen ehemaligen Zehnthof, mit rund acht Hektar Land gekauft. Dort weiden bald fünf Mustangs, ein Unterstand und eine große Halle entstehen. Als Karl-Heinz Nitz neben seiner beruflichen Tätigkeit eine Hufpfleger-Ausbildung absolviert und am Kurs für Weidemanagement teilnimmt, stößt er auf die Rasse der Kiger-Mustangs. „Ich habe angefangen zu recherchieren, war infiziert und bin dabei auf die schwedische Züchterin gestoßen“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt. „Dann ging alles ganz schnell.

Wir haben ihr den Namen MH (Mönchehof) Tiponi gegeben, was so viel heißt wie Kind von Bedeutung.

Britta Delschen

Wir haben per Telefon alles klargemacht, sind nach Schweden gefahren, um unsere Stute Winona, das bedeutet auf indianisch die erstgeborene Tochter, abzuholen. Als man die Stute auf dem Mönchehof abgeladen habe, habe sie sich einmal geschüttelt und umgehend die Führung der nunmehr sechsköpfigen Herde übernommen. Das neue Umfeld habe sie sich schnell angeeignet und ihre neuen Eigentümer sofort akzeptiert. „Wir versuchen, die Pferde artgerecht zu halten. Sie laufen auf den Weiden, können jederzeit Unterschlupf unter Bäumen oder in der Halle finden, und zwar unabhängig davon, ob es heiß oder kalt ist, regnet oder schneit. Die Tiere suchen sich ihren Platz selbst“, erklären beide.

Nachdem sich die fünfjährige Kiger-Mustang-Stute schnell eingewöhnt hatte, entstand der Wunsch, mit Winona ein Fohlen zu ziehen. „Wir haben aus den drei in Deutschland lebenden Deckhengsten einen ausgewählt, elf Monate voller Spannung gewartet – bis Mitte Juni ein Stutfohlen zur Welt kam“, sagt Nitz. Seine Partnerin erzählt: „Wir haben ihr den Namen MH (Mönchehof) Tiponi gegeben, was so viel heißt wie Kind von Bedeutung“.

Das Fohlen habe nicht nur eine Bedeutung für sie, sondern werde seine Mutter überflügeln“, ist sich Karl-Heinz Nitz schon jetzt sicher. Während die Stute vom US-amerikanischen Zuchtverband mit einem Stern ausgezeichnet wurde, „bekommt die Kleine mindestens zwei Sterne, denn die äußeren Rassemerkmale sind bei ihr noch prägnanter als bei der Mutter“, sagt der Züchter, während er den Nachwuchs betrachtet. Bei so viel Begeisterung ist es kaum verwunderlich, dass die Herde auf dem Mönchehof wachsen wird, und zwar um einen Kiger-Mustang- Hengst. „Anfang des kommenden Jahres kommt Acero, spanisch der Fels, zu uns“, sagt Nitz voller Vorfreude.

Dass sowohl die Stute als auch ihr Fohlen über die typischen Charaktermerkmale dieser seltenen Rasse verfügen, zeigt sich aus Sicht der Eigentümer täglich. „Die Kiger-Mustangs sind extrem intelligent, sehr lern- und arbeitswillig, sensibel, ruhig und haben ein großes Urvertrauen“, führen sie aus. „Diese Eigenschaften qualifizieren die Tiere geradezu, sie in unseren pferdegestützten Coaching-Seminaren einzusetzen. Wir arbeiten auf dem Mönchehof mit Einzelpersonen, die privat gecoacht werden möchten und mit Vertriebs- und Führungskräften, die aus beruflichen Gründen zu uns kommen. Es ist faszinierend, was durch das Pferd bewirkt werden kann. Es spiegelt unser Verhalten und es ist erfüllend zu erleben, was uns die Tiere zurückgeben“, sagt Britta Delschen.



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