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Schülerinnen erleben bei einem Projekt besondere zwischenmenschliche Begegnungen

„Sei sozial! Engagier dich! Es lohnt sich!“

Hessisch Oldendorf (ah). Laut Bildungsauftrag des niedersächsischen Schulgesetzes sollen Schüler befähigt werden, „das soziale Leben verantwortlich mitzugestalten“. Mit unterschiedlichen Aktionen wird darauf in der Oberschule Hessisch Oldendorf besonderer Wert gelegt. Jüngstes Beispiel: ein sozial-diakonisches Projekt, das im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft durchgeführt wurde.

veröffentlicht am 06.02.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:21 Uhr

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„In früheren Zeiten lebten und arbeiteten Jung und Alt häufig zusammen – etwa auf einem Bauernhof oder im Handwerksbetrieb“, sagt der Leiter der Oberschule, Ottmar Framke, und ergänzt: „Junge Menschen lernten dabei das Leben in seiner vielfältigen Art und Weise kennen. Das ist heute nicht mehr so.“ Es gebe zwar während der Schulzeit das Betriebspraktikum, aber eine Gelegenheit, „besondere Phasen des Erwachsenenlebens“ zu begleiten, biete der Alltag Jugendlicher kaum. „Aus der Beobachtung dieses Defizits entstand mein Gedanke, unseren Schülern die Möglichkeit zu geben, die besondere Situation alter, kranker oder behinderter Menschen kennenzulernen“, erklärt Ottmar Framke.

Die Idee eines sozial-diakonischen Kooperationsprojekts von Oberschule, dem Kirchenkreisjugenddienst Grafschaft Schaumburg und dem Gemeinschaftlichen Pfarramt Wesertal war geboren. „Sei sozial! Engagier dich! Es lohnt sich!“ Mit diesen Worten wurde es auf einem Flyer für Schüler der neunten und zehnten Klassen beworben.

14 Schülerinnen entscheiden sich mitzumachen, im ersten Schritt werden ihnen soziale und diakonische Einrichtungen in der Region vorgestellt. Der Besuch des Tagestreffs für Obdachlose und der Schuldnerberatung öffnet ihnen die Augen für die Not von Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Derartig eingestimmt findet schließlich jede Teilnehmerin ihre soziale Nische, in der sie sich engagieren kann, indem sie Menschen bei der Bewältigung alltäglicher Pflichten hilft. Die einen übernehmen Aufgaben im Kindergarten, andere im Altenpflegeheim, beim Sozialen Senioren Dienst oder in der BDH-Klinik. Bei der „Augen auf!“-Hausaufgabenhilfe engagieren sich zwei Schülerinnen, ebenso in einer Familie mit einem Down-Syndrom-Kind.

Unter Leitung von Diakonin Carina Sittig, Pastor Matthias Voigt und Lehrerin Andrea Göbel wird in der Gruppe überlegt, wie sich Jugendliche verhalten können, wenn sie zum ersten oder letzten Mal ihre Praktikumsstelle aufsuchen. Dabei wird auch über Formen und Möglichkeiten des Dankens gesprochen. Bei den monatlichen Treffen im Plenum lernen die Schülerinnen verschiedene Reflexionsmethoden kennen, die ihnen beim Erfahrungsaustausch behilflich sind. Für ein Standbild bringen sie beispielsweise Mitschülerinnen in Position und berichten anschließend vom sozialen Miteinander in ihrer Praktikumseinrichtung.

Drei Schülerinnen haben bei der Gestaltung einer Seniorenfeier mitgeholfen und erzählen von der besonderen Stimmung. „Ich fand die Senioren alle ganz süß, ich habe die Zeit richtig genossen“, sagt die 15-jährige Pia. Die gleichaltrige Tabea erwähnt, dass eine Seniorin die ganze Zeit ihre Hand gehalten habe. „Es macht Spaß, Aufgaben eigenverantwortlich zu übernehmen“, stellt Aileen (16) fest. Mehrfach haben alle drei in der Senioreneinrichtung zu hören bekommen: „Gut, dass ihr hier seid.“

Die 16-jährigen Daria und Isabel bekommen Einblick in den Alltag eines Kindes mit Behinderung und wie die Familie damit umgeht. Nicht vergessen werden beide, wie neugierig der Zehnjährige war, wie er an einer Bushaltestelle einen anderen Jungen nachmachte, und dass er sie zum Abschied umarmte.

Tabea erzählt im Plenum von ihren Erfahrungen in einer integrativen Rhythmusgruppe, in der ein kleiner Junge nicht ohne seine Mutter bleiben will, ein anderer sich beim Singen ängstlich an ihre Hand klammert. „Als die Gruppe in der Kirche vorgesungen hat, klappt alles auch ohne Mutter und ohne die Hand einer Betreuerin“, berichtet Pastor Matthias Voigt.

„Bei manchen Kindern muss man schon Geduld haben“, erkennt Elisa bei der Hausaufgabenhilfe. Im Umgang mit Kindern habe sie in den letzten Wochen viel gelernt. „Das Projekt hat mir gezeigt, dass ich beruflich etwas mit Kindern machen möchte, vielleicht als Ergotherapeutin“, erklärt sie.

Nach erfolgreichem Abschluss des Projektes erhalten alle Teilnehmerinnen ein Zertifikat, das sie für Bewerbungen nutzen können. „Früher oder später wird jede von diesem Projekt profitieren und erkennen, dass sich der persönliche Einsatz in unserer Gesellschaft lohnt“, ist Ottmar Framke sicher.



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