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459. Fliegenkirmes in Fuhlen / Vorsitzende erzählen von früher

„Security? Brauchten wir früher nicht“

FUHLEN. Die beiden Männer trennen 45 Jahre. Aber eines haben Heinrich Eikermann und Philipp Schumann gemeinsam. Sie fühlen sich verpflichtet, die fast 460 Jahre alte Tradition der Kirmes in Fuhlen aufrecht zu erhalten. Und sie waren oder sind Vorsitzende des Kirmesvereins. Allerdings hat sich auch vieles verändert:

veröffentlicht am 02.08.2018 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 02.08.2018 um 19:30 Uhr

Zwei Männer , die dem Fuhler Kirmesverein in verschiedenen Zeiten vorstanden: Heinrich Eikermann (li.) war vor über 50 Jahren Vorsitzender, Philipp Schumann steht den Kirmesburschen heute vor. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Vor dem am Wochenende stattfindenden Fest kamen die Fuhler zusammen. War die Kirmesausrichtung in den 60er-Jahren noch familiär, ist ein Kirmesverein heute schon fast schon so etwas wie ein kleines Unternehmen. Bevor das erste Glas Bier über die Theke geht, haben die Veranstalter viel Geld in die Hand nehmen müssen. Etwa die Summe, die ein guter Mittelklassewagen kostet.

Schumann listet auf: Kosten für das Zelt, die Band, den Discjockey, die Kapelle. Dann noch für die Security. „Security? Einen Sicherheitsdienst brauchten wir früher nicht“, sagt Heinrich Eikermann. Oft habe es schon gereicht, wenn der Dorfpolizist Nürnberger aus Rumbeck mahnend seinen Finger erhob. Keilereien habe es aber immer gegeben. „Da haben wir uns zusammengetan und den Schläger aus dem Zelt geworfen“, so Eikermann.

Der aktuelle Vorsitzende erwähnt die Gema-Gebühren, ein Posten von über 1000 Euro. „Die brauchten wir damals nicht zahlen. Das hat der Festwirt übernommen“, lenkt Eikermann ein. Richtet heute der Verein das Fest aus, wechselten sich vor Jahren vier Wirte im Dorf reihum mit der Ausrichtung ab. Das fand mal bei Sandmann, beim Dorfkrug und bei Hahlbrock statt, meint der Rentner. Mit den Wirten wechselte auch die Biermarke – vor über 50 Jahren wurde noch Weser-Pils getrunken. „Als Wichmann an der Reihe war, stand das Zelt auf der Wiese, wo heute die neue Weserbrücke gebaut wurde“, erinnert sich der gebürtige Fuhler.

„Wir brauchten uns eigentlich um nichts kümmern. Der Festwirt hat das Zelt bezahlt, die Kosten für die Kapelle wurden aber geteilt“, sagt Eikermann. Den Eintritt kassierten hingegen die Kirmesburschen. Sogar den Schaustellern hatten sie noch 200 bis 300 D-Mark „abluchsen“ können. War das Fest verregnet, unterstützten die Unternehmer aus dem Dorf den Kirmesverein mit Geldspritzen. „Wir müssen den Jungs helfen“, hieß es damals. „Die haben uns richtig gut unterstützt“, meint Eikermann.

Als Philipp Schumann erzählt, dass der Diskoabend um 3 Uhr und der Tanzabend Sonntagfrüh gegen 3.30 Uhr beendet sein müssen, fällt ihm der Ex-Vorsitzende ins Wort: „Eine Polizeistunde kannten wir nicht. Die Musiker bliesen bis in den Morgen hinein. Die gingen nicht nach Hause. Egal, ob es die Kapelle Kauhs aus dem Auetal, Baum aus Lachem oder die Band Raupach war.“

Schumann, Eikermann und ihre jeweiligen Kirmesburschen haben sich für den Erhalt der Fuhler Kirmes stark gemacht. Doch jeder von ihnen musste mit einer Tradition brechen. Jüngst wurde der Termin verschoben. Fand die Kirmes immer am letzten Augustwochenende statt, wird neuerdings Anfang des Monats gefeiert. „Traditionell war das der Sonntag nach Bonifatius. Aber dieser Termin habe sich wirtschaftlich wegen anderer Veranstaltungen nicht mehr gelohnt“, sagt Philipp Schumann. Mit dem Hamelner Pflasterfest oder dem Trecker-Pulling in Wahrendahl habe es gleichzeitig andere Veranstaltungen gegeben.

Zu Eikermanns Amtszeiten wurde der Umzug am Samstag abgeschafft. Ursache seien finanzielle Verluste gewesen, so der Senior. Einige seiner Kameraden sollen bei den Umzügen dermaßen tief in die Gläser geschaut haben, dass sie am Tanzabend nicht mehr korrekt rechnen konnten, heißt es. Kurzum: Die Kasse stimmte nicht mehr. Einwohner Fuhlens sollen am Kirmessonntag Geld gebracht haben, dass ihnen an der Zeltkasse zuviel zurückgegeben wurde. Es wurde die Reißleine gezogen.

An diesem Wochenende feiern die Fuhler ihre 459. Kirmes:

An diesem Wochenende feiern die Fuhler ihre 459. Kirmes:

Freitag, 3. August:
18 Uhr Kinderdisco
20 Uhr Project Fuhlen Disco bis zum Morgengrauen

Samstag, 4. August:
15 Uhr Kinderfest
18 Uhr Wettkampf um den Titel der Kirmeskönigin
20 Uhr Tanzabend mit Impuls, der Party-Coverband

Sonntag, 5. August:
11 Uhr Zeltgottesdienst
14 Uhr Festgottesdienst
15 Kuchenbuffet
16.30 Uhr Vereinswettkämpfe
18 Uhr Katerfrühstück



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