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Grundschüler aus Heßlingen und Hemeringen sollen für Opern begeistert werden

Schwerer Stoff für junge Schüler

HESSLINGEN/HEMERINGEN. Sitzfleisch und Geduld werden Kindern im Grundschulalter gemeinhin nicht zugeschrieben. Den Schülern eine klassische Oper nahe zu bringen, erscheint deshalb zunächst als müßiges Unterfangen. Genau das haben sich aber die Akteure von der „Jungen Oper“ aus Detmold vorgenommen.

veröffentlicht am 06.05.2018 um 14:57 Uhr

Die Zauberflöte kommt in die Heßlinger Grundschule. Foto: Junge Oper Detmold
Jens Spickermann

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Jens Spickermann Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Auf Initiative des Fördervereins der Grundschule Sonnental wird für die Heßlinger und Hemeringer Grundschüler in der Grundschule Sonnental am 8. Juni das Stück „Die Zauberflöte“ aufgeführt – mit aktiver Beteiligung der Kinder. „Weil das normale Opernpublikum biologisch wegzusterben droht, versuchen wir Kinder und Jugendliche an die Oper heranzuführen“, sagt Kisten Kreylos von der Jungen Oper. Doch eine Opern-Aufführung zu besuchen entspricht nicht den typischen Interessen von Grundschülern. Im Original zieht sich Mozarts komplexes Stück über etwa vier Stunden hin; Anlehnungen an das Gedankengut der Freimaurer machen es inhaltlich komplex.

Die klassische Oper hat es nicht leicht – selbst Erwachsenen erscheint ein Kinobesuch meist attraktiver als die hohe Opernkunst. Ist es dann überhaupt sinnvoll, Kinder und Jugendliche an eine aussterbende Kunstgattung heranzuführen?

Solche Fragen bringen Kreylos ein bisschen in Rage: Man müsse begreifen, dass Musik nicht nur die Sahne auf dem Kuchen, sondern die Hefe im Teig ist, sagt sie in Anlehnung an den ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. „Musik ist die älteste Sprache der Welt.“ Die Oper sei außerdem ein wichtiger Zweig der klassischen Musik, der heutzutage zu kurz komme.

Besonders im ländlichen Raum sieht Kreylos Handlungsbedarf: In den Großstädten hätten Kinder bessere Möglichkeiten, einmal eine klassische Oper zu besuchen als in der Provinz. Aufgrund des Lehrermangels gebe es an einigen Schulen außerdem gar keinen richtigen Musikunterricht mit ausgebildeten Musiklehrern mehr.

Natalie Evans, Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule Sonnental, ist ebenfalls davon überzeugt, dass den Kindern die Oper nähergebracht werden müsse. Sie sollten Impulse aus verschiedenen Bereichen bekommen, zu denen sie ansonsten schwer Zugang finden. „Gerade auf dem Land“ seien die Möglichkeiten, eine echte Oper kennenzulernen, ansonsten begrenzt, meint auch Evans.

Damit die Grundschüler nicht überfordert werden, wird „Die Zauberflöte“ auf 60 bis 70 Minuten gekürzt und altersgerecht vereinfacht. Die Viertklässler haben sich zudem im Unterricht darauf vorbereitet, die Musikstücke mitzusingen; sechs Schüler werden außerdem selbst in kleine Rollen schlüpfen. Doch wie authentisch ist das Stück bei einer solchen Aufbereitung noch? Die wesentlichen Inhalte der „Zauberflöte“ würden bei der Aufführung erhalten bleiben, versichert Kreylos.

Sinne, Geist und Persönlichkeit der Kinder würden durch die Oper gestärkt, schreibt die Junge Oper auf ihrer Internetseite. Die intensive Musikerziehung wirke sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit, das soziale Verhalten und das Gemeinschaftsgefühl unter Kindern aus. Dass die Oper bei Jugendlichen als „uncool und verstaubt“ gelte, speise sich außerdem nicht aus deren eigener Erfahrung, werde vielmehr von der Gesellschaft so vermittelt. Die Kinder werden sich nun ein eigenes Urteil bilden können. Sofern das Konzept der Jungen Oper aufgeht, werden sich vielleicht einige von ihnen so angesprochen fühlen, dass sie später dazu beitragen, dass die jahrhundertealte Kunstform doch nicht in der Mottenkiste verschwindet.



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