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Schwimmbadfarbe ist wahrscheinlich verantwortlich für erhöhte Werte

Schwere Zeiten im Waldbad Rohden

veröffentlicht am 14.09.2016 um 12:05 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:53 Uhr

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Michael Zimmermann

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Nur wenige Wochen hatte das Bad seit dem Saisonstart am 21. Mai überhaupt geöffnet, und klar ist, dass es in diesem Jahr auch nicht wieder öffnen wird. „Die Lage ist sehr schlecht“, gibt Willi Sempf, der erste Vorsitzende der Initiative, zu. „Im Moment bin ich an meine persönliche Leistungsgrenze gelangt.“

Gleich zu Saisonbeginn lief Wasser aus dem Becken in den Technikraum, später verlor das Becken wegen eines Lecks Wasser, und schließlich musste das Bad wegen zu hoher THM-Werte im Wasser schließen.

„Wir hätten in diesem Jahr gern länger geöffnet“, sagt Sempf, „aber anstatt das Bad zu betreiben, haben wir den ganzen Sommer nur analysiert.“ Zuerst wurde die Quelle verdächtigt. Über einen eigenen Brunnen im Wald wird das Becken mit Wasser versorgt. Vielleicht habe der starke Frühjahrsregen zu viele Pflanzenreste in den Brunnen gespült, so die Vermutung. Das Brunnenwassser wurde also abgelassen und das Becken mit Leitungswasser gefüllt. Die THM-Werte sanken nicht, darum wurde die alte Sandfilteranlage durch einen Aktivkohlefilter ersetzt, der Erfolg, den das brachte, währte aber nicht lange.

Noch einmal wurde der Brunnen freigelegt, Experten nahmen immer wieder Proben. Zuletzt suchte sich der Verein Hilfe bei den Spezialisten vom Hygieneinstitut des Ruhrgebiets. Als letzte Ursache für die zu hohe Belastung blieb schließlich nur noch die blaue Schwimmbadfarbe übrig, mit der das verputzte Betonbecken vor der Saison gestrichen wurde. „Nach langen Recherchen hat sich der Verdacht erhärtet, dass die Zeit zum Austrocknen der Lösungsmittel nicht ausgereicht hat“, sagt Sempf. 14 bis 20 Tage hätten es sein müssen, damit diese komplett in die Luft entgast wären.

Das sei vorher nicht bekannt gewesen – und auch so gut wie nicht machbar. Neben dem Regen gebe es nämlich noch ein anderes Problem: „Das Becken liegt mitten im Quellgebiet. Wenn wir es so lange komplett trockenlegen würden, würde das Wasser von unten drücken und es gäbe Spannungen und Risse.“ Jedes Frühjahr werde das Bad mit einem Hochdruckreiniger gesäubert und anschließend neu gestrichen, immer mit der gleichen Farbe, beteuert er. Allerdings habe sich auch die Gesetzeslage in den vergangenen Jahren geändert. Erst seit wenigen Jahren werde eine strengere DIN-Norm zur THM-Konzentration von den Gesundheitsämtern umgesetzt, führt Sempf aus.

Wie es im kommenden Jahr weitergeht, weiß Willi Sempf noch nicht. Erst einmal soll es noch in diesem Jahr eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Initiative geben. Dort wollen die Mitglieder beraten, wie das Problem gelöst werden kann, und auch was mit den bereits verkauften Jahreskarten geschieht. „Der Bestand des Bades ist in Gefahr, wenn wir keine Lösung finden“, sagt Sempf. „Wir reden im Moment mit dem Farbhersteller und nehmen immer wieder Proben.“ Eine dauerhafte Lösung zu finden, die sich der Verein auch leisten kann, sei gar nicht einfach. „Wir haben schon viele Vorschläge bekommen, zum Beispiel das Becken zu fliesen oder einen Chrom-Nickel-Stahl-Körper einzubauen. Doch dafür müssten wir Hunterttausende investieren.“ Womöglich müssten sogar die Farbschichten der letzten Jahrzehnte komplett abgetragen werden. Ob die ohnehin verschobene 50-Jahr-Feier dann im nächsten Jahr stattfinden kann, steht also noch in den Sternen.

Was sind THM?

Trihalogenmethane (THM), zu deren Hauptvertetern das Chloroform zählt, sind Gase, die entstehen, wenn das in allen Schwimmbädern verwendete Chlor mit organischen Stoffen wie Hautschuppen, Cremerückständen, Gras oder Blättern reagiert. Sie werden verdächtigt, krebserregend zu sein und sollen Nieren und Leber schädigen. THM werden rasch in die Luft abgegeben, vor allem in Hallenbädern reichern sie sich dann in der Luft an und Badegäste könnten sie dann einatmen. Der vorsorglich festgelegte Grenzwert von 0,02 Milligramm pro Liter ist in Deutschland besonders niedrig. Im Freien können sich die Gase besser verflüchtigen, darum sind hier bis zu 20 Prozent höhere Werte erlaubt. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, den Wert niedrig zu halten – sagt aber auch, dass Keimfreiheit im Wasser wichtiger ist.



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