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Naturschützer wollen klagen

Schwere Geschütze gegen Steinbruch

LANGENFELD. Illegal sei die Ausweitung des Kalksteintagebaus Segelhorst auf dem Süntel und dürfte gar nicht genehmigt werden, meint Brigitte Klein, Sprecherin der Bürgerinitiative „Rettet den Süntel“. Deshalb will die Initiative, die inzwischen über 2600 Unterschriften gesammelt hat, nun vor Gericht ziehen.

veröffentlicht am 12.09.2017 um 15:41 Uhr
aktualisiert am 12.09.2017 um 17:10 Uhr

Was hier noch Wald ist, soll bald einem Loch weichen. Die Bürgerinitiative „Rettet den Süntel“ will dagegen vor das Verwaltungsgericht ziehen. Foto: dana
Jens Spickermann

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Gefährdete Arten würden durch die Tagebauerweiterung in ihrem Lebensraum eingeschränkt. Den Einwohnern Langenfelds würden durch die Sprengungen die Hauswände einreißen und die Kommune habe letztendlich nichts davon. Denn seine Gewerbesteuern bezahle der NNG Segelhorst nach Flechtingen in Sachsen-Anhalt, wo die Firma ihren Sitz hat.

Besonders erbost sind die Naturschützer aber darüber, dass auch ein Teil eines FFH-Gebietes, also eines besonders geschützten Flora-Fauna-Habitats, nach den Plänen des Konzerns zur Gesteinsgewinnung abgetragen würde. Ein Schutzraum für Tiere und Pflanzen würde so für lange Zeit zur Mondlandschaft – eigentlich ein Unding. Weil Konzernlobbyisten des NNG auf die Genehmigungsbehörde und die kommunalen Politiker Druck gemacht hätten, so die Initiative, sehe man nur noch den Rechtsweg als Möglichkeit, um die Erweiterung des Tagebaus zu stoppen.

„Aufgrund von Machtverhältnissen, aber nicht aufgrund von Rechtsverhältnissen“ habe die Gewerbeaufsichtsbehörde den vorzeitigen Beginn der Rodungen und der Abtragung des Deckgesteins genehmigt. Obwohl die eigentliche Genehmigung noch gar nicht vorliege und die EU zuerst der Aufhebung des FFH-Gebietes zustimmen müsse, klagt Rainer Sagawer, Mitglied der Bürgerinitiative. In der Folge schaffe die Betreiberfirma mit dem Kahlschlag von mittlerweile drei Hektar Wald zunehmend Fakten.

Durch die Rodung des FFH-Gebietes werde eine andere, als Naturschutzgebiet ausgewiesene Fläche, außerdem entwertet, argumentiert er. Bisher ist dieser Waldabschnitt nämlich mit dem Rest des Schutzgebietes verbunden, würde aber nach den vorliegenden Plänen davon größtenteils abgeschnitten, so dass die dort lebenden Tiere quasi isoliert würden. Kein Zufall sei das, behaupten die Naturschützer. Vielmehr vermuten sie darin ein Kalkül des Konzerns, um sich langfristig noch mehr Waldfläche einverleiben zu können.

Die zuständige Zulassungsbehörde, das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Hannover, will die Vorwürfe, die vorläufige Genehmigung sei rechtswidrig verlaufen, nicht auf sich sitzen lassen: „Der Eingriff in das in Rede stehende FFH-Gebiet erfordert keinen vorherigen Antrag an die Europäische Union“, heißt es in einem Schreiben der Behörde. Dass er nun so angegriffen wird, kann der zuständige Sachbearbeiter Thoralf Jahn schwer nachvollziehen. Bei dem Verfahren seien die Stadt Hessisch Oldendorf, die Kreisverwaltung, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, die Niedersächsischen Landesforsten und der Naturschutzbund um ihre Stellungnahme gebeten worden. Alle hätten letztendlich zugestimmt. Auch gegen den Baubeginn vor Verfahrensabschluss habe letztendlich keiner der Beteiligten seinen Widerspruch eingelegt, auch wenn der ebenfalls befragte BUND noch Bedingungen gestellt hatte. Ein von der Firma in Auftrag gegebenes Gutachten stellte keine schweren Auswirkungen auf die Schutzziele des FFH-Gebeites fest, daher sei die Genehmigung zum vorzeitigen Beginn quasi unumgänglich gewesen, so Jahn.

Der Naturschutzverband Niedersachsen widerspricht dem Gewerbeaufsichtsamt jedoch: „Aus naturschutzfachlicher und rechtlicher Sicht ist dieser Sachverhalt nicht nachvollziehbar“, heißt es in einem Schreiben des Verbandes zur Abtragung der 1,4 Hektar FFH-Fläche. Eine biologische Untersuchung der Fläche sei außerdem in jedem Fall erforderlich, aber bisher nicht durchgeführt worden.

„Rettet den Süntel“ sieht die letzte Hoffnung nun in einer Klage vor dem Verwaltungsgericht. Dafür soll die Bürgerinitiative zum Verein umfirmiert werden, um als Institution ein Klagerecht zu erhalten. Die weiteren Pläne wollen die Verantwortlichen bei einer Versammlung am 23. September im Gasthaus Becker mit allen Mitgliedern abstimmen.

Mein Standpunkt
Jens Spickermann
Von Jens Spickermann

Warum haben zwei Naturschutzverbände, die Stadt Hessisch Oldendorf und die Landesforsten dem Vorhaben zugestimmt? Es scheint keinesfalls im öffentlichen Interesse zu liegen und der Belange des Naturschutzes kann es auch nicht entsprechen, wenn ein Wald zur Mondlandschaft wird..



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