weather-image
15°
Viele private Feiern mit Essen und Trinken schaden der Gastronomie – ein Verband will dagegen angehen

Schwarzbuch soll Gaststätten retten

Fischbeck/Hameln. Das reichhaltige Kuchen- und Tortenbuffet auf dem Hofgelände des Nachbarn lädt zum Schlemmen ein, der Kaffee ist frisch aufgebrüht. Nette Menschen kümmern sich um die Bewirtung der Gäste. Klingt wie ein ganz normales Ereignis, eines, das man in jeder Dorfgemeinschaft finden könnte und was die Menschen im Dorf bestenfalls auch näher zusammenschweißt. Was die Dorfgemeinschaft freut, damit hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband jedoch manchmal ein Problem. Der Ansicht des Verbandes nach, schaden manche Veranstaltungen von Vereinen, kommunalen Feuerwehren, sozialen Einrichtungen oder etwa den Landfrauen der berufsmäßig betriebenen Gastronomie.

veröffentlicht am 03.03.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 04:41 Uhr

Autor:

von christoph boßmeyer
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Um solchen Veranstaltungen auf die Schliche zu kommen, veröffentlicht der Verband jedes Jahr ein sogenanntes Schwarzbuch. Darin sind Veranstaltungen aufgelistet, die „gastronomische Aktivitäten“ enthalten und „in den Regionen als wettbewerblich grenzwertig wahrgenommen“ wurden. Im Schwarzbuch aus dem Jahr 2014 findet sich auch eine Veranstaltung in Fischbeck, genauer gesagt in der Straße Sonnenbrink. Konkret gehe es laut Liste des Verbands dabei um einen „großen Hofflohmarkt mit selbst gebackenem Kuchen und Kaffee“.

Eine erste Anfrage bei Fischbecks Ortsbürgermeister Horst Jeske und von Amtswegen engagiertem Mitglied in der Dorfgemeinschaft bringt keine Klarheit. Jeske ist verwundert, denn unter der Adresse befinde sich gar kein Hof. Und er muss es wissen, wohnt er doch selbst ganz in der Nähe. Auch bei Nachbarn klingelt es auf Nachfrage nicht, wenn sie mit der Frage konfrontiert werden, ob sie von einem großen Hofflohmarkt im Sonnenbrink wüssten. Jeske geht noch weiter und wirft die Frage auf, ob das den geprüft werde, was dem Verband so gemeldet werde? Falls nicht, sei es so ja ohne weiteres möglich, Nachbarn anzuschwärzen, lautet sein Vorwurf.

„Die Nennung einer Veranstaltung im Schwarzbuch bedeutet zunächst erstmal nicht, dass es sich dabei um eine Veranstaltung handelt, mit der der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband tatsächlich ein Problem hat“, sagt Gabriele Güse, erste Vorsitzende des Verbandes im Landkreis Hameln-Pyrmont. Das Schwarzbuch sei lediglich eine Sammlung von Veranstaltungen, die Bürger gemeldet hätten. Was im Einzelfall an den Vorwürfen dran sei, sei oft nicht klar. „Es wehren sich aber nur wenige gegen eine Nennung im Schwarzbuch“, sagt Güse und will damit betonen, dass der Gaststättenverband im Zweifelsfall somit wohl richtig liege.

Eine Veranstaltung gehöre nach Güses Ansicht auf jeden Fall ins Schwarzbuch, wenn sie nicht nach dem Gaststättengesetz durchgeführt werde. Der Verband der Gastronomen hat es sich generell zum Ziel gesetzt, für seine Branche zu kämpfen und gegen Schwarzgastronomie vorzugehen. „Schwarz bedeutet alles, was nicht von Fachpersonal durchgeführt wird, wo Hygienevorschriften nicht eingehalten werden, Umsatz gemacht wird und so unter Umständen Steuern gezahlt werden müssten“, gibt Güse einen Einblick darauf, auf was es bei einer Veranstaltung im gastronomischen Bereich alles ankomme.

Für den konkreten Fall in Fischbeck wirft Güse die Fragen auf, wer zum Beispiel den Kuchen gebacken hat? Wurde er professionell in einer Bäckerei hergestellt oder privat gebacken. Falls Letzteres zuträfe, sind die Hygienevorschriften eingehalten worden? Haben die Veranstalter des Hofflohmarktes damit Umsatz gemacht?

Gerade wenn Gewinn mit einer Veranstaltung erzielt werden soll, werde es dieses Jahr noch einmal heikler, denn seit Anfang des Jahres gilt flächendeckender Mindestlohn. „Niemand in der Branche darf ohne Lohn arbeiten“ betont Güse noch einmal, was auch schon vor Einführung des Mindestlohns galt. Neben allen finanziellen Problemen, die schwarz durchgeführte gastronomische Veranstaltungen der Branche verursachen, sieht Güse aber speziell in ländlichen Gegenden noch ein anderes Problem. „Mit jeder Veranstaltung, die nicht nach dem Gaststättengesetz durchgeführt wird, drohen Kollegen, die professionell in der Gastronomie tätig, wegzubrechen“, blickt Güse in eine düstere Zukunft. Bei Dörfern, in denen es oft nur noch eine Dorfkneipe gibt, mache diese so unter Umständen bald dicht.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt