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Hanna Legatis und Martin-G. Kunze bieten witzige Dialoge / Musik von Jordu erzeugt Gänsehaut

Schwachstellen im Kampf der Geschlechter

Hessisch Oldendorf. „Ein paar Radieschen!“ – JazzTheater vom Garten Eden – „Was soll das wohl werden?“, haben sich viele im Vorfeld gedacht. Das Gemeinschaftliche Pfarramt Wesertal hatte die Theaterinitiative Bühnensturm und die Vorzeige-Jazz-Formation der Evangelischen Landeskirche Hannover, Jordu, mit dem JazzTheater unter der Regie von Johanna Kunze verpflichtet. 140 Neugierige fanden den Weg in die St. Marienkirche und wurden von einem Percussions-Intro und einer mitreißenden Jazzeinlage Jordus sofort in den Garten Eden hineingezogen.

veröffentlicht am 01.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 04:41 Uhr

Die Musiker von Jordu begeisterten und ernteten viel Applaus.

Autor:

Annette Hensel
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Dort, im bürgerlichen Gartenidyll, dem mit Blumenkästen dekorierten Altarraum, liegt Ignaz, alias Martin-G. Kunze, im Liegestuhl und debattiert mit seiner agilen Frau Floriana, Hanna Legatis, über die Harmonie im Paradiesgarten. Während Floriana, zu Deutsch die Blühend-Prächtige, den Garten Eden wunderbar findet, ihn hegt und pflegt und immer um ihre „paar Radieschen“ besorgt ist, hadert Ignaz mit der dem Mann zugedachten Rolle in der Bibel. So verwundert es nicht, dass sein Gartenarbeitstanz in einem himmlisch leidend dargestellten Hexenschuss mündet.

Martin-G. Kunze und Hanna Legatis wandeln dialogisch – mal ernst, mal heiter – durch die Schöpfungsgeschichte, spielen mit großer Präsenz und starkem Ausdruck, sind Floriana und Ignaz, Adam und Eva, suchen Vergleiche zu anderen Religionen. Sie reiben sich zum hörbaren Vergnügen des Publikums wie nach Ignaz‘ Vortrag aus Adams Tagebuch, das sich als Mark-Twain-Literatur aus dem Jahre 1835 entpuppt. In der gemeinsamen Sehnsucht nach Glück und Frieden finden die beiden zueinander, sind voller Poesie: „Meine Braut ist voller erlesener Früchte.“ Dazu erklingt das von Jordu-Pianist und Band-leiter Andreas Hülsemann komponierte „Springtime“ mit dem sagenhaften Saxofonspiel Claus Cordemanns, das Gänsehaut erzeugt.

Als Reporter und Passanten, Werbetexter und Juroren jonglieren Hanna Legatis und Martin-G. Kunze mit paradiesischen Wortspielereien, holen ihr Publikum aus der Schöpfungsgeschichte in das Jetzt und Heute, ernten immer wieder Lacher, wenn sie die Schwachstellen im Kampf der Geschlechter treffen. „Der Garten vereint alle Schichten unseres Volkes“, erklärt Kunze. „Er spiegelt unsere Sehnsucht nach dem Garten Eden wider“, ergänzt Legatis. Unerwartet halten die beiden mit lyrischen Passagen wie Paul Gerhardts „Geh aus, mein Herz“, von Legatis und Kunze zur dezenten Backgroundmusik gesprochen, inne. Das bringt den geläuterten Ignaz zur Erkenntnis: „Gesegnet sei der Apfelbiss, der uns zusammenführte.“ Während Floriana sich im Liegestuhl rekelnd ausruhen kann, übernimmt er die Gartenarbeit – und reißt dabei die „paar Radieschen“ aus der Erde.

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Andreas Hülsemann, der für die Musik beim Projekt mit der Theaterinitiative Bühnensturm verantwortlich zeichnet, mischt sich mehrmals als „Nachbar“ und „geschlechtsloses Wesen“ in die Szenen ein. Nur Jordu-Bassist Peter Beyer hat ihn nach Hessisch Oldendorf begleitet. Doch auch mit den Musikern – Gunnar Hofmann an der Gitarre, Schlagzeuger Bernd Nawothnig, der die zweite Zugabe, Duke Ellingtons „Caravan“ mit den Händen spielt, und Claus Cordemann am Saxofon – begeistert Jordu. Evergreens wie „Fly me to the moon“, „What a wonderful world“ oder „Feels so good“ von Chuck Magnione lassen Füße wippen und gute Laune entstehen. „Ein paar Radieschen!“ – dieses einzigartige JazzTheater erntet lang anhaltenden Applaus.

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