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Kooperation statt Inklusion / Zusammenarbeit von Heinrich-Kielhorn-Schule mit Oberschule geplant

Schule für alle – aber bitte später

Hessisch Oldendorf/Hameln.

veröffentlicht am 07.06.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 19:21 Uhr

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Autor:

Catherine Holdefehr
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Inklusion ist ein Menschenrecht und damit eine Verpflichtung. Die Verpflichtung Deutschlands durch die UN-Behindertenrechtskonvention, Menschen mit Behinderung die vollständige Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen, und damit zugleich die Verpflichtung des Bundes, der Länder, Landkreise und Kommunen, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Ein wichtiger Aspekt dabei: Schulunterricht. Doch auch da ist es zur vollständigen Inklusion noch ein weiter Weg, der zudem so manchen Umweg nimmt: So sprach sich der Kreis-Schulausschuss in dieser Woche zunächst für eine neue Kooperation statt vollständiger Zusammenarbeit zwischen einer Förderschule und einer allgemeinbildenden Schule aus.

Die rechtliche Situation fördert den ideellen und praktischen Spagat: So wird auf der einen Seite ab August, zum Schuljahresbeginn 2013/2014, die „inklusive Schule“ eingeführt. In einer Übergangsfrist bis zum 31. Juli 2018 müssen erst einmal sogenannte Schwerpunktschulen die Bedingungen erfüllen. Für Schüler mit geistiger Beeinträchtigung ist das im Landkreis die Oberschule Hessisch Oldendorf. Auf der anderen Seite sollen Förderschulen dadurch jedoch nicht automatisch abgeschafft werden, sondern nach dem niedersächsischen Schulgesetz können Eltern behinderter Kinder selbst entscheiden können, ob ihr Kind weiterhin eine Förderschule oder eine allgemeinbildende – inklusive – Schule besuchen soll. Für die Schulträger bedeutet das, dass sie beide Schulformen parallel vorhalten müssen.

Entsprechend existieren im Landkreis weiterhin fünf Förderschulen. Eine davon, mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, ist die Hamelner Heinrich-Kielhorn-Schule, die bislang mit zwei allgemeinbildenden Schulen in Hameln kooperiert hat. Die Kooperation endet jedoch mit Ende des Schuljahres. Grund für die Abschaffung der beiden sogenannten Koop-Klassen in der Pestalozzischule sei die Platzsituation – es gibt nicht mehr genug Räume – die drei Klassen in der Klütschule können dort nicht weitergeführt werden, da die Klütschule keinen SEK1-Bereich mehr hat. Den in der Kooperation befindlichen Kindern wird dabei ermöglicht, weiterhin in einer Kooperation zu bleiben. Anstatt nun vollkommen in Richtung einer komplett inklusiven Schule umzudenken, soll nun eine neue Kooperation mit der Oberschule Hessisch Oldendorf, die als Schwerpunktschule bereits darauf eingerichtet ist, angestrebt werden.

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Räumlich sind dafür sowohl ein Unterrichtsraum sowie ein dazugehöriger Gruppenraum vonnöten, beide müssen den besonderen Anforderungen der Förderschüler entsprechend aus- und hergerichtet sein. So müssen die Toiletten behindertengerecht umgebaut werden. Zwischen 55 000 und 60 000 Euro werden der Umbau und die neue Ausstattung voraussichtlich kosten, so der Leiter des Schulamtes, Clemens Gebauer. Zudem werden erhöhte Kosten für den Transport der Schüler entstehen. Die Kosten trägt der Landkreis als Träger.

Als Begründung, warum mit einer neuen Koop-Klasse der Kooperation Vorrang vor einer inklusiven Beschulung gegeben werde, führt die Verwaltung an, man wolle die Schüler nicht „überfordern“ und die Schwelle für eine gemeinsame Beschulung niedrig ansetzen. Dennoch ermögliche die Kooperation, dass „der ,Gedanke Inklusion‘ vor Ort ankommen kann“, sagt Gebauer. Die Inklusion sei noch nicht in allen Köpfen und Systemen angekommen und bedürfe einer guten Vorbereitung und einer angemessenen, den individuellen Bedürfnissen gerecht werdenden Ausstattung. „In der Kooperation gehen die bestehenden Systeme und die in ihnen befindlichen Menschen einen – zugegeben: etwas kleineren – Schritt aufeinander zu, aber auf jeden Fall in die richtige Richtung.“

Auch Norbert Lichtenberg, Direktor der Heinrich-Kielhorn-Schule, führt Überforderung als Grund an. Er macht jedoch klar, dass dies für ihn keiner prinzipiellen Ablehnung von Inklusion geschuldet sei – im Gegenteil –, sondern allein der Angst, mit zu wenig Personal den Kindern nicht gerecht werden zu können.

Doch was wäre – theoretisch – wenn man mehrere der fünf Förderschulen im Landkreis schließen und Geld und Personal, das dadurch eingespart würde, in gleicher Höhe und Zahl den allgemeinbildenden Schulen zukommen lassen würde? Konkrete Berechnungen dazu hat der Landkreis bislang nicht vorgenommen. Eine Auflösung der Förderschulen sei „nicht vorherrschendes Thema“, sagt Gebauer. Perspektivisch würden sich die Schulträger aber mit zurückgehenden Schülerzahlen an den Förderschulen auseinanderzusetzen haben. Entscheidend dabei wird auch die Frage sein, wie sich die Mehrzahl der Eltern perspektivisch entscheidet.

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