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Dewezet-Serie „Kleine Museen auf dem Lande“

Schnittige Automobile im „Rometsch Karosserie Museum“

HESSISCH OLDENDORF. Wenn die ARD Ende dieses Jahres – Sendetermin ist voraussichtlich im Dezember – den SWF-Zweiteiler „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ ausstrahlt, wird Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel unter anderem in einem Cabriolet zu sehen sein, das Chefdesigner Johannes Beeskow 1951 für die Karosserieschmiede von Friedrich Rometsch entworfen hatte, und das später in den Besitz der Verlegerin überging. Ohne jeden Zweifel ein echtes Traumauto, ebenso wie das Coupé, das Hollywoodstar Gregory Peck sich in den 50er Jahren nach seinen Wünschen von Beeskow hatte entwerfen und von Rometsch in Berlin hatte bauen lassen. Gehegt, gepflegt und auf Hochglanz poliert, stehen das Coupé und das Cabrio, zusammen mit einer Handvoll anderer Original-Automobile im „Rometsch Karosserie Museum“ in Hessisch Oldendorf, dem sich diese Folge der Dewezet-Reihe „Kleine Museen im ländlichen Raum“ widmet.

veröffentlicht am 05.11.2018 um 17:55 Uhr
aktualisiert am 05.11.2018 um 20:30 Uhr

Wirklichkeit gewordene (Auto-)Träume aus Chrom und auf Hochglanz poliertem Lack haben Traugott Grundmann und sein Sohn Christian im Rometsch Karosserie Museum in Hessisch Oldendorf konserviert. foto: br
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Es war im Jahr 1978, als Traugott Grundmann, Gründer und Eigentümer des Museums, das er inzwischen gemeinsam mit seinem Sohn Christian leitet, seinen ersten „Rometsch“ zu Gesicht bekam. Und das nicht etwa in Berlin, wo die Karosserien bis zum Mauerbau am 13. August 1961 von Hand gefertigt wurden, sondern im US-Staat Kalifornien und noch dazu ausgerechnet bei einem Käfer-Treffen. Für beides gibt es gute Gründe, denn erstens wurde das Gros der Rometsch-Autos, die damals mehr als ein Porsche kosteten, in die USA verkauft, und zweitens waren das Chassis und der 28,5-PS-Motor des VW Käfer die Grundlage, auf der die Edelkarossen ruhten.

Ob nun 28,5 oder 285 PS, bei Traugott Grundmann entbrannte mit dieser ersten Begegnung jedenfalls so etwas wie „Liebe auf den ersten Blick“. Zurück in Deutschland, erzählt der heute 72-Jährige, habe er sich dann seinen ersten, lediglich teilrestaurierten Rometsch, ein rotes Cabrio, angeschafft. „Und damit ging’s los!“ Im Laufe der Jahre wurden es sieben unterschiedliche, entweder von Johannes Beeskow oder von Bert Lawrence entworfene Rometsch-Originale, die er und sein Sohn ihr Eigen nennen können. Darunter ist auch ein schwarzer VW Käfer, den Beeskow mit vier Türen und zusätzlichen Lampen versehen und so in ein Taxi umgemodelt hatte, das in den frühen 50ern in Berlin Fahrgäste beförderte. Und nicht zuletzt das 1958 von Bert Lawrence entworfene Cabrio in hell- und dunkelblauer Zweifarblackierung zieht bewundernde Blicke auf sich.

Grundmanns Lieblingsstück ist und bleibt allerdings sein Ersterwerb – das rote Beeskow-Cabrio, das, weil er selbst keinen echten Rometsch besaß, Friedrich Rometsch Traugott Grundmann dereinst abkaufte und der Hessisch Oldendorfer nach dem Tod des Karosseriebauers zurückerwarb.

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Auf diesem, „Klopfmodell“ genannten Holzrahmen wurden die Karosserieteile für die Heckpartie eines Beeskow-Rometsch gedengelt. Das Ausstellungsstück ist selbstverständlich ein Original und ist der Beweis dafür, dass bei den Rometsch-Karosserien alles pure Handarbeit war. foto: br

Mehrfach, berichtet Traugott Grundmann, sei Johannes Beeskow in Hessisch Oldendorf zu Besuch gewesen. Der Designer habe dabei ihm und seinem Sohn Christian (O-Ton Traugott Grundmann: „Der hat das Rometsch-Virus schon mit der Muttermilch aufgenommen.“) nicht nur bei den Restaurierungsarbeiten mit Rat und Tat zur Seite gestanden, sondern auch so manche, gleichermaßen spannende wie wundersame Geschichte erzählt. Geschichten eben, wie sie nur die frühen Wirtschaftswunderjahre schreiben konnten.

Zum Beispiel die, wie es überhaupt zu der äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Rometsch und Beeskow gekommen war. Da sei, gibt Grundmann Beeskows Erzählung weiter, Rometsch im Jahr 1947 mit der Anfrage an den einstigen Chefdesigner des Nobelautobauers Erdmann und Rossi herangetreten, ob Beeskow ihm nicht im Kundenauftrag ein Auto entwerfen könne – allerdings, wie Rometsch sogleich hinzugefügt habe, zunächst ohne Bezahlung.

Johannes Beeskow habe dann einen alten Militärkäfer, Baujahr 1947, erworben, auf dessen Basis ein Cabrio entworfen, den Entwurf zu Rometsch getragen und ihm erklärt: „Wenn Du Zeit hast, dann baust Du mir dieses Auto.“ Eben dieses Cabriolet stand dann 1950 auf der ersten deutschen Automobilausstellung der Nachkriegszeit in Berlin. Und neben diesem außergewöhnlichen Unikat stand kein Geringerer als Viktor de Kowa. Der damalige, unangefochtene Star des deutschen Films hat das Prachtstück dann auch gleich zum Preis von 9650 Mark (ein Porsche kostete seinerzeit 300 Mark weniger) erworben. Aber auch de Kowas Ehefrau wünschte sich alsbald so ein Rometsch-Auto, wollte allerdings kein Cabrio – wegen ihrer Frisur. Also entwarf Johannes Beeskow für sie ein Coupé. Innerhalb kurzer Zeit kamen dann zahlreiche weitere Berühmtheiten aus dem Filmgeschäft wie beispielsweise Audrey Hepburn und Brigitte Mira als Rometsch-Kunden hinzu. Bilder von ihnen, vor oder mit ihren automobilen Schönheiten, legen im Rometsch Karosserie Museum noch heute Zeugnis davon ab.

Information

„Rometsch Karosserie Museum“

Über den Wert der Sammlung im „Rometsch Karosserie Museum“ spricht Traugott Grundmann grundsätzlich nicht. Das würde, befürchtet er, sicherlich zu viele Neider auf den Plan rufen. Entsprechend sind auch die Informationen, die das Internet über das Museum liefert, eher sparsam. Außerdem, betont Grundmann, lasse er sich auch gar nicht konkret benennen. „Der tatsächliche Mehrwert der Fahrzeuge ist ja erst hier bei der Restaurierung geschaffen worden“. Die wiederum setze unter anderem eine Menge durch aufwändiges Recherchieren in Archiven erworbenes Wissen, viel handwerkliches Können und ausgeprägte Liebe zum Detail voraus. Und dann fügt er noch lächelnd hinzu: „Und vor allem eine Ehefrau, die das über die Jahre mitmacht.“ Es dürfte, und das zu Recht, nicht nur eingefleischte Autoenthusiasten traurig stimmen; aber das Museum hat keine regelmäßigen Öffnungszeiten, ja, es ist überhaupt für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wer die prachtvollen Oldtimer, die nicht mit PS protzen, sondern deren Besonderheit die außerordentliche Eleganz ihrer Linienführung ist, dennoch aus der Nähe bewundern möchte, erhält die Möglichkeit dazu nur im Rahmen einer der Führungen, die Vater und Sohn Grundmann anbieten. Und auch die gibt es aufgrund behördlicher Bestimmungen pro Jahr nur in einer begrenzten Anzahl. „Man kann sich aber“, bietet Traugott Grundmann an, „in unserem Betrieb, der Junker Bedachungen GmbH, dazu anmelden und eventuell eine freien Platz bei einer der Führungen ergattern“. Und soviel steht fest: Der Versuch lohnt sich.



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