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Naturfreundehaus in Rohdental schließt zum Ende des Monats / Vorsitzender Werner erklärt die Gründe

Schnee von gestern

Rohdental. „Der Schneegrund macht zu!!!“ In roten Lettern kündigen die vier Wörter mit den drei Ausrufezeichen auf der Internetseite des Naturfreundehauses Schneegrund Rohdental die Schließung der Herberge zum Ende des Monats an. Der Countdown läuft somit für das kleine Paradies am Südhang des Ibergs, das in Besitz der Ortsgruppe Rinteln des Vereins der Naturfreunde Deutschlands ist.

veröffentlicht am 03.02.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 05:21 Uhr

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Autor:

VON ANNETTE HENSEL
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„Wirtschaftlich ist das Haus für uns einfach nicht mehr tragbar“, erklärt der Vorsitzende Horst Werner. „Hauptgrund sind die rückläufigen Belegungszahlen: Hatten wir in den 1960er und 70er Jahren bis zu 8000 Übernachtungen pro Jahr, waren es im vergangenen Jahr nur noch 1200.“ Zurückzuführen sei dies darauf, dass die ganzjährig geöffnete Einrichtung mit zehn Mehrbettzimmern und maximal 42 Betten für viele zu weit ab vom Schuss liege. „Wenn Interessierte erfahren, dass die Unterkunft nicht mit dem Auto, sondern nur zu Fuß erreichbar ist, bekommen wir viel häufiger als früher zu hören: Das möchten wir nicht“, sagt Werner. „Bei uns ist die Zeit eben ein wenig stehengeblieben, die rustikal eingerichtete Herberge liegt mitten im Naturschutzgebiet Hohenstein und hat noch den Charme der 1950er, 60er Jahre. Schüler bis 14 Jahre fühlen sich hier gut aufgehoben, Ältere scheinen sich meiner Erfahrung nach nicht mehr für einen Aufenthalt in Ruhe und Natur zu begeistern. Und obwohl unser Haus am Europäischen Fernwanderweg und am Pilgerweg liegt, hat kaum jemand die Möglichkeit genutzt, an Sonn- oder Feiertagen auf eine Tasse Kaffee einzukehren.“

Seit 1947 gehört der Ortsgruppe Rinteln das Fachwerkgebäude, dessen ältester Trakt 1939 erbaut wurde und als Feldküche diente. Vom Verein der Naturfreunde nach dem Krieg entdeckt, kaufte die Ortsgruppe den Briten die baufällige Hütte ab, um sie als Jugend-, Wander- und Freizeitheim in Betrieb zu nehmen.

„Leicht ist uns

diese Entscheidung wirklich nicht gefallen“

In den Anfangsjahren schleppten Naturfreunde Steine aus dem Abriss gegen eine warme Erbsensuppe heran und halfen beim Ausbau des Hauses. Vor genau 30 Jahren übernahmen die Erzieherin Gabi Beyer und ihr Mann Dieter, ein Bau- und Möbeltischler, als Herbergseltern die Bewirtschaftung des Hauses im Schneegrund. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erklärte das Ehepaar 2009 anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums.

Der Erhalt des Naturfreundehauses entpuppte sich als Hauptaufgabe des 30 Mitglieder zählenden Vereins, der in seinen besten Zeiten die sechsfache Anzahl aufweisen konnte. Zuletzt investierte er in die Sanierung von Küche, Wasch- und Toilettenräumen, in die Renovierung der Außenspielgeräte sowie in die Erfüllung von Brandschutzauflagen. Hunderte von Arbeitsstunden brachten Mitglieder allein für Tapezier- und Malerarbeiten auf.

Am 28. Februar schließt die idyllisch gelegene Einrichtung, die gerade in den letzten Tagen ihrem Namen „Schneegrund“ alle Ehre machte – und wird zum Verkauf angeboten. „Was sollen wir anderes machen?“, fragt Horst Werner. „Uns erschien das die sinnvollste Entscheidung zu sein, bevor wir den ganzen Verein herunterwirtschaften.“ Natürlich seien alle traurig, er vor allem, da er von Kindesbeinen an im Schneegrund ein- und ausgegangen sei. „Mein Vater war bereits Vorsitzender der Ortsgruppe, ich bin seit 41 Jahren im Vorstand, seit 1998 erster Vorsitzender“, erzählt er und ergänzt: „Leicht ist uns diese Entscheidung, die vor einem Jahr noch nicht vorhersehbar war, wirklich nicht gefallen. Aber die Zahlen sind 2013 so stark eingebrochen, dass es für uns jetzt keine andere Lösung mehr gibt“, fügt Werner weiter hinzu.

Sollte sich ein privater Käufer finden, müssen wegen der Zuwegung das niedersächsische Forstamt, aber auch Landkreis, Stadt sowie das niedersächsische Amt für Jugend und Soziales in die Umwidmung einwilligen.

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