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Nur noch Kirchenmitglieder im Vorstand: Trägerverein auf Linie der Diakonie gebracht

Schäfchen sind wieder auf dem rechten Pfad

Hessisch Oldendorf (doro). Der an die Diakonie gebundene Trägerverein des Eber-hard-Poppelbaum-Senioren- und Pflegezentrums besinnt sich auf seine kirchlichen Wurzeln. Dazu gehört künftig ein Vorstand, dessen Mitglieder in der Kirche sein müssen. Die des alten Vorstandes haben sich, bis auf eine Ausnahme, nicht wiederwählen lassen. „Überwiegend aus Altersgründen“, erklärte der neue Vorsitzende Günther Engelking (74). Auch der ehemalige Vorsitzende Jürgen Böning hat sein Amt niedergelegt. Warum, das will er nicht sagen. Doch die Tatsache, dass er kein Kirchenmitglied ist, habe eine Rolle gespielt, heißt es aus sicherer Quelle.

veröffentlicht am 11.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 04:21 Uhr

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„Ein Vorsitzender einer kirchlichen Einrichtung, der nicht in der Kirche ist, das ist schwierig“, sagt Dr. Jörg Antoine, stellvertretender Direktor des Diakonischen Werks der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, und kritisiert in diesem Zusammenhang, dass der Hessisch Oldendorfer Trägerverein in der Vergangenheit eigenmächtig die Satzung geändert hatte, um das zu ermöglichen. Es werde nicht überprüft, ob die Mitglieder des Vorstandes des Trägervereins wirklich in der Kirche sind, aber festgeschrieben sei diese Vorgabe schon immer in der Landesverbandssatzung der Diakonie.

„Das Eberhard-Poppelbaum-Seniorenzentrum hat eine lange kirchliche Tradition und ein klares kirchliches Profil“, unterstützt Superintendent Andreas Kühne-Glaser die Ausrichtung der Diakonie, die sich nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (2007) verschärft hat. Die Anforderungen an kirchliche Einrichtungen und ihre Mitarbeiter haben jedoch nicht nur traditionelle Gründe – sie sind nach Tarifstreitigkeiten angehoben worden.

Die Satzung in Hessisch Oldendorf werde im nächsten Jahr dahingehend überarbeitet, sagt Heimleiter Wilfried Völz. Dass das Eberhard-Poppelbaum-Seniorenzentrum seit rund eineinhalb Jahren von einem Mitglied der Diakonie geleitet wird, ist in diesem Zusammenhang im doppelten Sinn nicht verwunderlich: Das Verhältnis von Stadt und Diakonie zum Trägervereins war zeitweilig wie das von Eltern zu einem Kind, das sich im Laufe der Zeit von seinem Zuhause entfernt, und die elterlichen Grundsätze vergessen hat. Als der Trägerverein das DRK mit an Bord des Seniorenheims nahm, ohne die Eltern um Erlaubnis zu fragen, gab es prompt Ärger: Die Diakonie war not amused, dass sie einfach übergangen wurde. Abgesehen von der kritisierten Eigenmächtigkeit des Trägervereins, erinnerte die Diakonie daran, dass die Zuschüsse in Höhe von 350 000 Euro, die nach Hessisch Oldendorf geflossen sind, kein Privatvermögen seien, sondern im Fall einer Ablösung zurückgezahlt werden müssten.

Nun ist das Kind wieder auf dem rechten Weg und fast alle Posten sind besetzt. Stellvertretende Vorsitzende ist die Krückeberger Pastorin Dayana Gronau, sie ersetzt den Juristen Dieter Kaul. Mitglied im alten wie im neuen Vorstand ist Schatzmeisterin Judith Gawehn. Neuer Schriftführer ist Wolfgang von Aulock, Beisitzer sind Dr. Markus Goltermann, Elke Reuker und Marga Schlüter. Nur ein Beisitzerposten, den der Vorstand gerne mit einem führenden Mitarbeiter eines Geldinstitutes besetzen würde, ist noch frei – es hat sich bis jetzt niemand gefunden, der auch in der Kirche ist.

Was die praktischen Pläne für die Zukunft des Seniorenheims betrifft, will der Trägerverein im nächsten Jahr den Investitionsstau abbauen und mit den Arbeiten für den Anbau beginnen, um Teile des Seniorenheims auf den Stand der stationären Altenhilfe zu bringen. Im Moment sind noch fast die Hälfte der Zimmer Doppelzimmer. Der 4. Stock des alten Gebäudes soll dann in Personalräume und in ein Archiv umgewandelt werden. Der Bauantrag wird in den nächsten Tagen gestellt.

Geplant ist zudem im „alten Feuerwehrhaus“ ein öffentliches Café einzurichten. „Ob wir das selber betreiben oder verpachten, ist noch nicht klar“, sagt Wilfried Völz. Der Clou: Es wird auch einen Zugang nach draußen geben, der auf eine Terrasse führen soll.

Wilfried Völz, Heimleiter des Eberhard-Poppelbaum-Seniorenzentrums mit Günter Engelking, neu gewählter Vorsitzender des Trägervereins.

Im „alten Feuerwehrhaus“ (links hinten) soll 2011 ein Café mit Terrasse entstehen.

Foto: doro

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