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Händler sollen im Online-Handel geschult werden

Rettet eBay die Innenstadt?

HESSISCH OLDENDORF. Kleine Geschäfte in der Innenstadt haben es heutzutage nicht leicht. Besonders der Online-Handel sorgt nämlich für ein Angebot, mit dem die örtlichen Geschäfte schwer konkurrieren können. Die Weserbergland AG möchte die Hessisch Oldendorfer Händler deshalb dabei unterstützen, ihre Produkte selbst im Internet anzubieten. Dadurch sollen der Umsatz gesteigert und dem Leerstand entgegengewirkt werden. Die Ladenlokale in der Innenstadt könnten nach der Vorstellung der AG zukünftig als „Showrooms“ erhalten werden.

veröffentlicht am 12.09.2018 um 14:03 Uhr
aktualisiert am 12.09.2018 um 20:20 Uhr

Die lokalen Händler sollen im Online-Handel geschult werden, um weiteren Leerständen in der Innenstadt vorzubeugen. Foto: dana
Jens Spickermann

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„Wir haben einen Partner gefunden, der großflächig den Einzelhandel online stellen kann“, verkündete Thomas Kexel von der Weserbergland AG bei der jüngsten Unternehmer-Matinee. Dieser Partner ist international tätig und ziemlich bekannt: Mit Hilfe des Online-Marktplatzes Ebay will Kexel den lokalen Einzelhandel retten. Neuerdings biete Ebay Lokal-Rubriken an, wodurch den Kunden gezielt Angebote aus der näheren Umgebung angezeigt würden. Durch das Handels-Portal könne aber auch eine weiter entfernte Käuferschaft erreicht werden – während die Läden in der Innenstadt vorwiegend auf Laufkundschaft angewiesen seien, erklärte Kexel. Hessisch Oldendorfer Händler könnten so sogar ins Ausland verkaufen. Das Ziel sei es vorrangig, den Online-Handel mit einem „lokalen Aspekt“ zu verbinden.

Eigentlich hatte der Hessisch Oldendorfer Wirtschaftsausschuss kürzlich einen Beschluss gefasst, dass ein bereits in der Entwicklung befindliches Portal namens „Einkaufen in HO“ vorgestellt, beraten und gegebenenfalls unterstützt werden soll. Sowohl die Fraktionen DU/FDP als auch die Grünen hatten sich mit dem Projekt befasst und jeweils Anträge dazu eingebracht. So einem städtischen Online-Portal, auf dem die lokalen Händler ihre Produkte vor allem präsentieren, aber nicht verkaufen sollen, erteilte Kexel eine deutliche Absage: „Es funktioniert nicht. Da geht niemand drauf.“ Entsprechende Vorbilder aus anderen Städten hätten nie funktioniert, kritisierte er. Schließlich suchten die Kunden beim Online-Shoppen stets nach bestimmten Produkten und nicht nach Händlern. Nach Verhandlungen mit Ebay stellte Kexel nun sein eigenes Konzept vor, mit dem er den lokalen Einzelhändlern auf die Sprünge helfen will: Interessierte Händler sollen für zwei Jahre kostenlos einen Shop innerhalb des Ebay-Portals betreiben können. Zusätzlich möchte die Weserbergland AG Schulungen anbieten, bei denen der richtige Umgang mit dem Portal vermittelt wird – dazu gehört auch ein Kurs, wie die Produkte möglichst ansprechend fotografiert werden können.

Als dauerhafte Ansprechpartner für den Online-Betrieb habe die Weserbergland AG „Kümmerer“ eingestellt, berichtete Kexel. Für die Schulung eines Mitarbeiters werde eine Gebühr von 300 Euro erhoben, Geschäftsinhaber müssten für ihre eigene Unterweisung 1200 Euro zahlen. Dafür gibt es dann 30 Stunden Theorie-Unterricht, 20 Stunden praktische Schulung und 50 Stunden Webinare sowie 24 Monate Betreuung durch die „Kümmerer“. Ohne Förderung von fast 90 Prozent wäre das Angebot deutlich teurer.

Im Gegensatz zu Amazon oder dem Otto-Versand sei Ebay kein Konkurrent der Einzelhändler, sondern eher eine Art Marktplatz, erläuterte Kexel. In den Städten Diepholz und Mönchengladbach hätten die Händler sehr gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit gemacht: Der Umsatz der Geschäfte sei um 20 000 bis 25 000 Euro gestiegen und aus Diepholz seien Kunden in 17 Ländern beliefert worden. Auf diese Weise würden die Innenstadt-Läden nicht vom Online-Handel verdrängt, sondern selbst ein Teil davon.

Mein Standpunkt
Jens Spickermann
Von Jens Spickermann

Sicherlich birgt der Online-Handel für lokale Händler große Chancen. Wenn sie durch eine Vermarktung über eBay bessere Umsätze erzielen und dadurch die Läden in der Innenstadt erhalten könnten, wäre das für die Stadt positiv. Es bleibt aber zu befürchten, dass bei erfolgreichem Online-Geschäft letztendlich der Anreiz sinkt, weiterhin Geschäftsräume in der Innenstadt zu unterhalten.



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