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Gegen Steinbruch-Erweiterung

„Rettet den Süntel“ – der Widerstand hält an

LANGENFELD. Die Bürgerinitiative „Rettet den Süntel“ und der gleichnamige Verein geben den Kampf gegen die Erweiterung des Steinbruchs Segelhorst nicht auf. Mehr als 70 Mitglieder des Vereins, der Bürgerinitiative und Sympathisanten der beiden Organisationen versammelten sich am Sonntag an der Schillathöhle zu einem Protest in Form eines Waldspaziergangs entlang der Grenze des Erweiterungsgebiets. Sie warfen einem Blick in den Steinbruch und auf die bereits abgeholzten Flächen.

veröffentlicht am 05.02.2018 um 18:03 Uhr
aktualisiert am 05.02.2018 um 19:00 Uhr

Mit einem Waldspaziergang protestierten am Sonntag mehr als 70 Menschen gegen die Erweiterung des Gesteinsabbaus bei Segelhorst. Dass die „Eingriffserheblichkeit“ nicht abschätzbar sei, steht im Genehmigungsbescheid des Gewerbeaufsichtsamts. Foto: PR
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Bei dem Protest der Bürgerinitiative und des Vereins soll es nicht bleiben: Derzeit wird der Widerspruch gegen die Genehmigung der Steinbrucherweiterung durch das Gewerbeaufsichtsamt in Hannover vorbereitet. Der kurz vor der Fertigstellung stehende Widerspruch liegt der Dewezet im Entwurf vor. Unterstützt wird die Aktion auch durch eine Online-Petition bei „Compact“, die nach Angaben von Brigitte Klein vom Verein „Rettet den Süntel“ bereits von mehr als 11 000 Menschen unterzeichnet wurde. Juristisch unterstützt wird der Verein durch den Naturschutzverband Niedersachsen, dem die Organisation beigetreten ist, da nur der Verband ein Klagerecht gegen die Genehmigung durch das Gewerbeaufsichtsamt hat, wenn der Widerspruch abgelehnt werden sollte.

Auch die EU-Kommission sei über den Protest unterrichtet, erklärte Brigitte Klein, denn mit der Erweiterung des Steinbruchs werde ein FFH-Gebiet angetastet. Das Gewerbeaufsichtsamt sei der irrigen Auffassung, dass diese Beeinträchtigung des FFH-Gebiets in Brüssel nicht genehmigt werden müsse. Werde erfolgreich geklagt, müsse das Land Niedersachsen in der Folge über den Bund die Genehmigung für die Erweiterung in Brüssel einholen, erläuterte die Langenfelder Bürgerin.

In seinem Widerspruch gegen den Genehmigungsbescheid des Gewerbeaufsichtsamtes Hannover bezieht sich der Verein auch auf einen Kabinettsbeschluss der Bundesregierung vom November 2007 mit dem Titel „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“, in dem unter anderem von einem „alarmierenden Rückgang der biologischen Vielfalt“ die Rede ist. „Durch den Verlust an Arten, Genen und Lebensräumen verarmt die Natur und werden die Lebensgrundlagen der Menschheit bedroht“, heißt es weiter in dem Kabinettsbeschluss. Verloren gegangene Biodiversität lasse sich nicht wiederherstellen, „der Verlust ist irreversibel“. Für die Bundesregierung habe die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch Schutz und nachhaltige Nutzung eine hohe Priorität.

Dass im Bereich des Totentals und der Moosköpfe diverse Lebermoose und Laubmoose von landesweiter Bedeutung nachgewiesen seien, wird auch in dem Genehmigungstext des Gewerbeaufsichtsamts bestätigt. Gleichzeitig wird die Befürchtung geäußert, dass bei einer Rodung der Waldbestände bis an den Grenzbereich des Gesteinsabbaues eine erhebliche Veränderung des Kleinklimas zu erwarten sei, deren „Eingriffserheblichkeit“ nicht abschätzbar sei. Entsprechende Untersuchungen müssten mit Beginn des Abbaus gestartet werden und gegebenenfalls notwendige Gegenmaßnahmen „in Form einer Einrichtung von Pufferzonen mit massiven Gehölzunterpflanzungen“ geprüft werden.

Das erscheint dem Verein „Rettet den Süntel“ allerdings als „unzureichend“. Es werde einem Schäden vorbeugenden Naturschutz nicht gerecht, immer weiter abzubauen und solange weiterzumachen, wie keine Schäden auftreten. „Wenn erst dann Pufferzonen mit massiven Gehölzunterpflanzungen in Erwägung gezogen werden sollen, wenn Schäden auftreten, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen“, heißt es in dem Entwurf des Widerspruchsschreibens. Laut geltender Rechtsprechung seien Puffer- und Schutzzonen für schützenswerte Flora und Fauna von vornherein einzurichten.

Der Anteil an Moosen und Flechten im Totental wird von den Gegnern der Steinbrucherweiterung wegen der steilen, engen und windberuhigten Lage mit hoher Luftfeuchtigkeit als besonders hoch beschrieben. Damit die Wind- und Bodenfeuchtigkeit nicht verändert werde, seien dort keinerlei das Kleinklima ändernde Maßnahmen zugelassen.

Der Verein fordert deshalb, „dass der Betrieb des Steinbruchs so lange ruht, bis unabhängige Naturschutzexperten Ausformung und Größe der erforderlichen Pufferzonen ermittelt haben und bis diese zu berücksichtigenden Pufferzonen Bestandteil der Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamtes geworden sind“.

Zusätzlich wird in dem Widerspruch des Vereins darauf verwiesen, dass der Landkreis Hameln-Pyrmont in seinem neuen Raumordnungsprogramm Deister und Süntel besonders schützen will. Beide Gebirgszüge sollen demnach als Vorranggebiete für landschaftsbezogene Erholung ausgewiesen werden, um sie gegen Planungen abzusichern, die diesen Zielen entgegenstehen.

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