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Politiker machen es im Kochduell vor / Informative Erntedankaktion der Landfrauen vor dem Huthaus

Reste in den Topf statt in die Tonne

Langenfeld (ah). Brot, Wurst und Obst quellen inmitten dekorativer Landfrauen-Stände aus einer Tonne. „Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg“, steht darauf geschrieben. „Darunter sind auch welche, die noch zum Verzehr geeignet sind“, ergänzt Ilse Amelung. Von rund 82 Kilo pro Jahr und Bundesbürger in den Müll geschmissener Lebensmittel seien 53 Kilo vermeidbar, fährt die Vorsitzende des Landfrauen-Kreisverbandes Hameln-Pyrmont fort und mahnt: „Unsere Lebensmittel sind wertvoll.“

veröffentlicht am 17.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 10:21 Uhr

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Dass Essensreste zu einem leckeren Gericht verarbeitet werden können, zeigen im Kochduell die Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller und der Landtagsabgeordnete Otto Deppmeyer sowie Hessisch Oldendorfs Bürgermeister Harald Krüger und Margarete Möhle von den Landfrauen. Mit Räucherbauch und frischem Gemüse, einem Rest gekochter Kartoffeln oder Nudeln kreieren sie den „Eintopf Weserbergland“.

„Ich komme vom Lande und weiß um die Mühe, sich um einen großen Nutzgarten kümmern zu müssen“, erzählt Harald Krüger. „Unvorstellbar Lebensmittel wegzuschmeißen“, erklärt Otto Deppmeyer, während Gabriele Lösekrug-Möller lobt, dass inzwischen „Einladungen zum Kochen mit anschließendem Essen“ ausgesprochen werden.

Am Tag nach dem Familienfest zum 20-jährigen Bestehen der Schillat-Höhle in Langenfeld dreht sich bei der Erntedankaktion der Landfrauen vor dem Huthaus alles um die Wertschätzung von Lebensmitteln. „Wer bei 30 Grad schon mal Spargel gestochen hat, der wird auch noch das letzte Spargelstückchen für die Suppe verwenden“, so Ilse Amelung. „Viele Verbraucher wissen zu wenig über ihren eigenen Bedarf, lassen sich von Geschäften zum Kauf verführen“, erklärt Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes. Sie fordert bei der von Doris Hellmold-Ziesenis moderierten Podiumsdiskussion: „Hauswirtschaft muss zurück in die Schule.“

Dass die Lebensmittel im Landkreis aus gutem Boden kommen und hochwertig sind, bestätigt Dr. Helmut Appuhn, Institutsleiter der Lufa Hameln. Amtstierarzt Dr. Peter Bolten berichtet von den Kontrollen bei Nutztierhaltung und dem schwierigen Prozess der Reduktion von Antibiotika. „Discounter-Preise von 2,20 Euro pro Kilo Schwein sind für Erzeuger fast tödlich“, sagt Schweineproduzent Heinrich Timmermann und macht angesichts hoher Qualitätsanforderungen deutlich: Einen Kuschellandwirt um die Ecke und dazu billige Preise – das funktioniert nicht. Alternativ Bioprodukte von Discountern? „Die stammen zumeist aus Polen oder der Ukraine und unterliegen nicht den hiesigen Kontrollkriterien“, so Timmermann „Ernährungsbedingte Krankheiten müssen abnehmen, außerdem sind zu viele Kinder übergewichtig“, meint Ilse Amelung. Um Informationen über bewusste Ernährung und die Zubereitung gesunden Essens weiterzugeben, bieten die Landfrauen an sechs Schulen Koch-AGs an. Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock erklärt, Deutschland könne eine Ernährungsvielfalt in vorzüglicher Qualität vorweisen, aber in keinem europäischen Land seien Lebensmittel so billig zu erwerben. „Was ist dabei, wenn ein Brötchen zwei Cent teurer wird?“, fragt er, blickt in Richtung Benzinpreise und fordert die Bereitschaft der Bevölkerung, für Ernährung, die in der Gesellschaft nicht an erster Stelle stehe, mehr auszugeben. „Lebensmittel sind Bestandteil des Lebens, ein Hochgenuss und ein Kulturgut“, betonen die Diskussionsteilnehmer und ernten von den Zuhörern kräftigen Applaus.

Eingerahmt werden Kochduell und Diskussion vom Erntedankgottesdienst, dem Auftritt der „Festigos“ sowie der Kindertanzgruppe aus Hemeringen. Landfrauen-Models aus Börry präsentieren Mode der vergangenen 60 Jahre, die Leonore Bartels einbettet in den Wandel der Möglichkeiten, Lebensmittel einzukaufen, aufzubewahren und zu verarbeiten. Wunderschön anzuschauen sind die Stände der Landfrauen mit Patchworkarbeiten, Tisch- und Türkränzen, Torten, Mitmachaktionen für Kinder sowie Informationen vom Korn zum Brot zum Aufklären und Sensibilisieren. „Das ist eine richtig nette Atmosphäre hier“, lobt Claudia Radonz. Mit einer 23-köpfigen Wandergruppe aus Bückeburg verweilt sie ausgiebig vor der Schillat-Höhle.



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