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Kalter Wind des Marktes weht

Rekordernte bei Rüben drückt den Preis

ROHDEN. Die heimischen Landwirte haben mit Zuckerrüben eine sehr gute Ernte eingefahren. Allein der Zuckerpreis, der nun allein vom Weltmarkt bestimmt wird, stimmt nicht. Derzeit liegt er unter 400 Euro je Tonne.

veröffentlicht am 20.02.2018 um 11:56 Uhr
aktualisiert am 20.02.2018 um 18:10 Uhr

Über solch dicke Zuckerrüben könnten sich die Bauern im vergangenen Jahr freuen. Foto: PJ

Autor:

Peter Jahn
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Erst haben die Zuckerrüben „nach der Aussaat kalte Füße bekommen“, dann folgt langanhaltender Regen und schließlich „weht der kalte Wind des Marktes“, wie Sebastian Binder das erste Jahr „ohne das schützende Dach der Zuckermarktordnung“ mit einer jetzt „stürmischen Zeit an der Zuckerfront“ beschreibt. Die heimischen Landwirte, die wie ihre Berufskollegen in ganz Deutschland nach dem Fall der Zuckermarktordnung ihre Anbauflächen vergrößern konnten, haben mit der lohnendsten unter den Ackerfrüchten eine sehr gute Ernte eingefahren. Allein der Zuckerpreis, der nun allein vom Weltmarkt bestimmt wird, stimmt nicht.

Sebastian Binder aus Aerzen, zusammen mit Alexander Sommermeier aus Fischbeck, Sprecher der Bauern im Bereich Hessisch Oldendorf/Hameln/Mittel-Weser, kann erfreut feststellen, dass trotz der Wetterunbilden „nur 0,05 Prozent der süßen Früchte in der Erde blieben“. Mit knapp über 87 Tonnen pro Hektar konnten die 958 Rübenanbauer, die in die Fabrik von Pfeifer & Langen nach Lage liefern, das beste Ergebnis aller Zeiten erzielen. Die Rekordernte in punkto Fruchtmasse schlägt sich aber nicht im Zuckergehalt nieder. Dazu fehlte die Sonne, die im Herbst die Süße in den Rüben anreichert. Der Zuckergehalt liegt für die Ernte bei 17,34 Prozent, was 15,1 Tonnen reinen Zucker pro Hektar Anbaufläche ergibt, wie Alexander Sommermeier erklärt.

Seit 1990 sinkt die Zahl der Rübenanbauer im Weserbergland von zunächst 1650 auf 1039 im Jahr 2007 und weiter bis zur Trendwende im vergangenen Jahr. Mit der Ausweitung der Anbaufläche kommen rund hundert Landwirte, viele aus dem Bereich Schaumburg dazu. In drei Jahren hofft der Verband auf wieder Tausend Anbauer zu kommen. Die Zuckerrübe ist eben immer noch die lohnendste Ackerfrucht. Zwar bestreiten die Bauern nicht mehr wie früher Zweidrittel ihres Jahresverdienstes aus ihrem Anbau, doch können Raps, Kartoffeln und Getreide nicht mithalten, auch wenn der Zuckerpreis derzeit unter 400 Euro je Tonne liegt. Noch vor einigen Jahren war der Handelswert bei über 500 Euro. Da viele der Neueinsteiger in den Rübenanbau zuvor auf Raps setzten und auch Tiere in ihren Ställen haben, stellt sich die Frage, wie die Zuckerrübe auf Gülledüngung reagiert. Anbauberater Gerrit Abel hat dafür eine gute Antwort: „Gülle passt besser zu Rüben als zu Raps und durch den Einsatz des organischen Düngers kann Geld gespart werden – der Düngersack bleibt zu.“

Der landwirtschaftliche Leiter der Zuckerfabrik im lippischen Lage, Dr. Stefan Brinker, zeigt bei der Versammlung der Anbauer in der Weinschänke Rohdental auf, dass es im Vorjahr große Unterschiede in Bezug auf das Wetter im Bereich der Fabriken gab, die zu Pfeifer & Langen und damit zu Diamantzucker gehören. Während es im Weserbergland im Oktober Land unter heißt, staubt es im Rheinland noch beim Rübenroden. Er geht in seinen weiteren Ausführungen auf die erschwerten Bedingungen beim Roden und bei der Rübenabfuhr näher ein. Eine kurze Zeit muss im Oktober die Fabrik in Lage, in der täglich 8500 Tonnen verarbeitet werden, gar heruntergefahren werden, da aufgrund der Nässe auf den Feldern nicht gerodet und angeliefert werden kann.

Der Blick auf die Entwicklung auf dem Weltmarkt lässt Helmut Esser, seit über 30 Jahren für den Bereich Zuckermarkt und Preise in der Hauptverwaltung von Diamantzucker in Köln zuständig, optimistisch in die Zukunft schauen. Auch wenn „die Anbaufläche ausgedehnt wurde und die Erträge hoch sind, es gibt keine Zuckerschwemme“, betont er. Zwar sei 2018 weltweit erstmals eine Überversorgung zu verzeichnen, in Brasilien werde aber bereits reagiert. „In Brasilien kommt man mit dem Preis nicht zurecht, deshalb geht es in Richtung Ethanol“, so Esser. Eigentlich haben die Verantwortlichen bei Pfeifer & Langen einen Zuckerpreis zwischen 450 und 470 Euro pro Tonne erwartet, derzeit liegt dieser aber bei 390 bis 410 Euro.

Was das Mehr an Zucker bei Diamantzucker anbelangt, „es kann damit der Import von Rohrzucker durch Eigenproduktion ersetzt werden“, wie Esser ausführt. Dass Optimismus vorherrscht, bestätigt auch Dr. Brinker mit Hinweis auf „Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe in der Fabrik in Lage“. Dort wird derzeit „ein größerer zweiter Extraktionsturm gebaut und auch ein neuer Rübenhof wird kommen“. Das hören die Rübenanbauer gern, die ja bekanntlich bereits im März mit der Aussaat der süßen Feldfrucht beginnen.



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