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Warum sich Landwirte auch weiterhin ausgiebige Niederschläge wünschen

„Regendefizit noch nicht aufgeholt“

WESERBERGLAND. Bringt auch der Dauerregen der vergangenen Wochen manch einen glattweg zur Verzweiflung: Das Regendefizit des vergangenen Supersommers wurde noch nicht aufgeholt, befürchten viele Landwirte im Weserbergland.

veröffentlicht am 12.03.2019 um 17:14 Uhr

Ein Landwirt bei der Feldbestellung. Die Böden sind laut Landvolk nach wie vor viel zu trocken. Foto: dpa

Autor:

Vo Henry Griesefell
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So bilanziert Junglandwirt Steffen Sauermann aus Aerzen-Reinerbeck die anhaltenden Schnee- und Regenniederschläge der vergangenen Wochen: „Unsere Böden sind nach wie vor viel zu trocken. Und das, obwohl sie aus dem Winter kommen und eigentlich wassergesättigt sein müssten. Ich mache mir insofern Gedanken, ob uns nach dem vergangenen Dürrejahr ein weiteres bevorsteht. Dies hätte sicherlich katastrophale Folgen für das Wachstum der Vegetation.“

Was Werner Bosse, Referent für pflanzliche Produkte beim Landvolk Niedersachsen nur bestätigen kann: „Auch wenn es laut Deutschem Wetterdienst im Winter 2018/19 mehr geregnet hat, so bedeutet die ebenfalls gestiegene Anzahl der Sonnenstunden, dass dieser Niederschlag genauso schnell wieder verdunstet ist. Das aus dem Trockensommer bestehende Regendefizit ist längst noch nicht ausgeglichen. Ab 50 Zentimeter Tiefe sind die Böden in einigen Regionen komplett trocken“.

Hier macht sich bemerkbar, dass der Winter 2018/19 – der Frühling beginnt mit der Tag und Nachtgleiche am 20. März um 22.58 Uhr mitteleuropäischer Zeit – einmal mehr überaus mild war. Betrug doch Niedersachsens Durchschnittstemperatur im Winter 4,1 Grad gegenüber 1,2 Grad im langjährigen Mittel. Nur in Bremen war es mit 4,5 Grad noch wärmer, Bayern hingegen war das kälteste Bundesland mit 1,2 Grad Durchschnittstemperatur. Aber nicht nur der Niederschlag in Niedersachsen erhöhte sich von 177 Liter pro Quadratmeter auf 190 Liter, sondern auch die Anzahl der Sonnenstunden stieg von 135 auf 185. „Mehr Sonnenstunden bedeuten mehr Verdunstung. Für die Landwirtschaft ist es wichtig, wie tief das Wasser verfügbar ist. Pflanzen brauchen Wasser, das nicht gleich wieder verdunstet, sondern von den Pflanzen zum Wachstum genutzt werden kann“, beschreibt Bosse die klimatische Wasserbilanz. Sie ergibt sich aus der Differenz von Regenmenge und Verdunstung. Selbst der Schnee im Harz sei durch Sonneneinstrahlung zum Teil verdunstet. Besser wäre es für die Vegetation gewesen, wenn er durch Regen getaut wäre.

Für die Bestellung der Felder im Herbst seien die Bedingungen insgesamt gut gewesen, ist vonseiten der heimischen Landwirte zu hören: Mit dem Auflaufen des Wintergetreides und dem Stand der Wintersaaten sind die heimischen Landwirte zufrieden. Der milde Winter hat den Stoffwechsel der Pflanzen frühzeitig angeregt. Nachteil der weitgehend ausgebliebenen Vegetationsruhe: Die Pflanzen konnten aufgrund der fehlenden Frostperiode keine Winterhärte entwickeln. Doch könnte es noch bis in den Mai zu Kahlfrösten kommen, die den Pflanzen schaden. Doch Christoph Schaper, Landwirt aus Coppenbrügge-Hohnsen, ist zuversichtlich: „Wenn es auch später noch Nachtfröste geben sollte, die nicht niedriger als minus zehn Grad sind, dann dürfte das den Feldfrüchten überhaupt nicht schaden. Wichtig dabei ist nur, dass der Kälteeinbruch nicht zu schnell vonstattengeht und nicht zu lange anhält.“ Zur Frühjahrsbestellung fahren die Landwirte jetzt auf ihre Felder, um zu düngen, den Boden und die Frühjahrsaussaat vorzubereiten. Zunächst werden in Kürze Sommergerste und Hafer gesät, dann folgen die empfindlicheren Hackfrüchte wie Kartoffeln und Zuckerrübe sowie schließlich der Mais. „Landwirte wünschen sich jetzt leichte Regenschauer, die der Pflanze gerade am Anfang bei Keimung und Jugendentwicklung helfen“, erklärt Pflanzenreferent Bosse. Doch werden es nach seiner Ansicht tiefer wurzelnde Pflanzen wie Raps oder Zuckerrübe in diesem Jahr wohl schwerer haben, in den entsprechenden Bodenschichten Wasser zu finden: Die Ackerbauern wären deshalb derzeit über weitere Niederschläge gar nicht böse...



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