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Bedarf an qualifizierten Erziehern und Erzieherinnen / Jungen können in Beruf hineinschnuppern

„Probier es doch mal“ – mehr Männer in Kitas

Hessisch Oldendorf (ah). „Leroy hat mich angesprochen und gesagt: Probier es doch auch mal“, sagt Tim Fauth. Er buddelt im großen Sandkasten der integrativen Kindertagesstätte in Fischbeck mit einigen der Kinder. Er agiert dabei ruhig, behutsam, freundlich. „Der erste Kontakt ist gar nicht so einfach“, gesteht er offen. Für einen Nachmittag ist der Zwölfjährige als Erzieher im Kindergarten. „Boys for Kids“ heißt die Ferienpassveranstaltung, auf die ihn seine Mutter hingewiesen und zu der er sich angemeldet hat. Als er seinen „freiwilligen Dienst“ in Fischbeck antritt, wird er empfangen und begleitet von Erzieher Felix Mergel.

veröffentlicht am 03.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:21 Uhr

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Der 26-Jährige arbeitet mit beim Modellprogramm des Europäischen Sozialfonds für Deutschland „Mehr Männer in Kitas“. Gefördert wird das Programm vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Europäischen Sozialfonds der EU. Auf drei Jahre festgelegt, ist der Trägerverbund Hessisch Oldendorf, Rinteln, Auetal und Hameln mit seinen 28 Einrichtungen der einzige in Niedersachsen, der das Projekt umsetzt.

Ziel ist es, berufliche Perspektiven von Männern, die im Erzieherberuf unterrepräsentiert sind, zu erweitern. Kindern soll zugleich die Möglichkeit geboten werden, die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Männern und Frauen zu erleben. Felix Mergels Meinung nach ist es eher ein Klischee, dass für Mädchen ein Mann als Erzieher etwas ganz anderes sei. „Ich habe da meine eigenen Erfahrungen gemacht: Die freuen sich, zeigen keine Distanz“, so Mergel und ergänzt, Kinder würden situationsbedingt auswählen, zu wem sie mit welchen Anliegen gehen. „Männer reagieren manchmal anders als Frauen, haben auch eher ein Thema, über das sie sofort mit den Jungs ins Gespräch kommen – Fußball etwa“, fährt der Erzieher fort. Über seine Arbeit sagt er zu Tim Fauth: „Das ist ein toller Beruf, der voraussetzt, dass man Menschen Werte und Normen beibringen und mit Kindern zusammenarbeiten will.“

„Boys for Kids“ im Ferienpass ist eine weitere Maßnahme, damit junge Leute den Beruf des Erziehers in der Praxis kennenlernen. Bereits beim Zukunftstag verschafften sich 45 Jungen in Kitas des Trägerverbundes einen ersten Eindruck von dem Betätigungsfeld. Tim Fauth sagt am Ende der Aktion: „Mir hat es Spaß gemacht, ich fand den Nachmittag richtig gut.“ Er selbst möchte später beruflich „lieber was Handwerkliches machen – so wie mein Vater“, wollte aber trotzdem mal gucken, wie das so im Kindergarten ist. Generell glaubt Tim, dass es nicht so einfach sein wird, Jungs für derartige Ferienpass-Angebote zu finden. „Viele denken doch eher, der Kindergarten sei Mädchensache“, meint er. Richtig gut gefiel dem Schüler der Wilhelm-Busch-Realschule, dass Felix Mergel ihm so offen über seinen Beruf, über Flexibilität und Arbeitszeiten erzählt hat. Dabei habe er nicht nur schöne Seiten wie die Freude an der Arbeit thematisiert, sondern auch erklärt, dass man als Erzieher nicht so viel Geld verdiene wie in anderen Jobs, dass das Gehalt jedoch zum Leben reiche.

„Wir wollen positive praktische Vorerfahrungen fördern und den Jungs vermitteln, dass sie ihre Berufsentscheidung nicht über den Verdienst definieren, sondern über die Chancen, den Spaß und die Zufriedenheit“, erklärt Selime Yasemin Bas. Sie organisiert das Projekt „Mehr Männer in Kitas“ in Hessisch Oldendorf. In den Herbstferien plant sie, erneut einen Schnuppertag für Jungs im Kindergarten anzubieten. „Sie sollen einen Einblick in den Arbeitsalltag erhalten, erkennen, dass das ein verantwortungsvoller Job für Männer und Frauen ist und dass die Arbeit mit Kindern Spaß macht.“ Wieder werde ein Erzieher als Ansprechpartner zur Seite stehen, um Informationen aus erster Hand weiterzugeben und einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Selime Yasemin Bas betont: „Berufschancen, die gibt es hier: Der Bedarf an qualifizierten Erziehern und Erzieherinnen ist durch den Ausbau an Krippenplätzen sowie den Fachkräftemangel eindeutig vorhanden.“



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