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Besondere Atmosphäre durch neue Lichttechnik / Steinmetze haben ganze Arbeit geleistet

Premiere für sanierten Turm zu Heiligabend

Hessisch Oldendorf (ah). Eine Krippe, das Metall-Stein-Kreuz der Künstlerin Britta Samsen-Huch, dazu die Osterkerze – mehr steht nicht im Kirchturm der St. Marienkirche. Dafür taucht ein eigens von einem Lemgoer Lichtplaner aus gealtertem Eisen angefertigter, schlichter Ringleuchter mit Zehn-Watt LED-Glaslinsenleuchten den Turm in warmes Licht. In Regenbogenfarben zeichnen sie Rundbögen auf Boden und Wänden. „Ist das schön, dass der Turm fertig ist“, entfährt es Kirchenvorsteherin Karen Diers-Möller. Als Mitglied des Bauausschusses der Kirchengemeinde hat sie seit April die Sanierung des jahrhundertealten Kirchturms begleitet, war Ansprechpartnerin für Bauleiter Heinrich Winkelmann vom Amt für Bau- und Kunstpflege in Hannover sowie für die ausführenden Firmen. Sie ist erleichtert und glücklich, dass der behindertengerechte Zugang durch den Kirchturm pünktlich zu Heiligabend wieder genutzt werden kann. Dadurch werden die Besucher der Weihnachtsgottesdienste zu Premierengästen im frisch sanierten Turm.

veröffentlicht am 24.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:21 Uhr

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1992 war er im Inneren zuletzt gestrichen worden, bereits wenige Jahre später blätterte der Putz ab, weil die Mauern nass waren. Daraufhin wurde der Turm von außen saniert, das Dach neu gedeckt und die Kirche mit einem besonderen Außenanstrich versehen. Ende 2006 waren diese Maßnahmen abgeschlossen.

In diesem Jahr galt es, das Mauerwerk von innen zu sanieren. Proben des Putzes wurden genommen und analysiert. „Man muss erst einmal von der Bauphysik herausbekommen, was in einem Gemäuer abgeht, nicht, dass man bei einer Sanierung etwas verschlimmbessert“, sagt Heinrich Winkelmann. Schließlich sei es wichtig, für den Kirchturm eine dauerhafte Lösung zu finden. „Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Kirche 1965 um 75 Zentimeter in die Erde abgetieft und auf das Mauerwerk bis in zwei Metern Höhe Spritzbeton aufgetragen wurden“, berichtet er. Bis in diese Höhe konnte die aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk, in dem es keine Querisolierung wie in einem neuzeitlichen Gebäude gibt, nicht ausdunsten. Der Putz in Sockelhöhe sei wegen des Spritzbetons zwar nicht abgefallen, dafür sei die Feuchtigkeit aber nach oben gestiegen. „Damit hat man die Probleme nur eine Etage nach oben verlagert“, so Winkelmann.

Im ersten Schritt wurde nun der Spritzbeton abgeschlagen und das Mauerwerk mit Sanierputz versehen. „Dieser Putz kann Salze aus der Feuchtigkeit aufnehmen und sperrt nicht ab, die Feuchtigkeit kann aber nur als Wasserdampf in den Raum gelangen“, erläutert der Fachmann. Über den Sanierputz wurde normaler Putz aufgetragen, darüber mit reiner Silikatfarbe gestrichen, die 100 Prozent atmungsaktiv und umweltneutral ist. Mit reinem Kalkputz wurde das Gewölbe bearbeitet, Unebenheiten glichen Fachleute mit einer zweiten Lage Unterputz aus. Dass sich die Maßnahme zuletzt hingezogen hat, lag an den Trocknungszeiten des Putzes. „Pro Millimeter Schichtdicke ein Tag, sonst gibt es Risse – und an manchen Stellen ist der Putz vier Zentimeter dick“, erläutert Heinrich Winkelmann. Eine Entlüftungsöffnung soll der sich unter dem Gewölbe stauenden Luftfeuchtigkeit den Weg nach draußen bahnen. „Ob wir mit der Sanierung erreicht haben, dass die Feuchtigkeit langfristig nicht mehr die vorherigen Schäden verursacht, muss sich zeigen“, sagt Winkelmann und ergänzt: „Jetzt ist aber erst einmal gut.“ Hervorragende Arbeit haben auch die Steinmetze geleistet. An Ecklisenen, Gurtbögen und der Eingangstüre haben sie Schadstellen an den Sandsteineckquadern mit Steinersatzmasse repariert, anschließend Struktur eingearbeitet, die Maler haben die Reparaturstellen im passenden Farbton einlasiert. Die zuvor aufgemalten Fugen sind verschwunden, der Sandstein wurde komplett naturbelassen instand gesetzt.

Mit 75 000 Euro ist die Turmsanierung veranschlagt, 50 000 Euro übernimmt der Kirchenkreis, der Eigenanteil der Gemeinde wird aus Spenden finanziert. „Damit kommen wir hin“, erklärt Heinrich Winkelmann. In der letzten Woche wurde die Beleuchtung installiert, das Gerüst abgebaut und die Staubschutzwand am gläsernen Eingang zum Kirchenschiff entfernt. Dieser sowie der Steinfußboden wurden gereinigt und die frisch gestrichenen Heizkörper eingesetzt. Mit der weiteren Gestaltung des Turms wird sich der Kirchenvorstand im neuen Jahr auseinandersetzen. Aber auch fast leer übt der Raum einen ganz besonderen Reiz aus. Wer noch die Glasvitrinen und Stelltafeln vor Wänden, von denen der Putz abblätterte, in Erinnerung hat, wird staunen.



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