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Wie eine gebürtige Badenerin das Deister-Süntel-Platt erlebt

„Plattdeutsch ist nichts für schwache Nerven“

Fischbeck. Auweia, als badischs Maedle uffm Kleinkunschtobend in Plattduetsch – ob das gutgeht?! Als Brigitte Wehrhahn den Saal im Schaumburger Hof betritt und ihr neues Programm ankündigt, denke ich zuversichtlich: „Denn man löos!“

veröffentlicht am 12.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:56 Uhr

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Autor:

Annette Hensel
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„Plattdeutsch ist nichts fürs schwache Nerven – das sagt, was zu sagen ist“, warnt die Kabarettistin vor. Und tatsächlich: Schon nach wenigen Minuten flattern meine Nerven, denn die Sache mit dem Verstehen ist nicht so einfach. Gut, dass der Sandkräuseler (der entsteht, wenn kleine Menschen am Strand pupsen) erklärt wird – zumindest da bin ich nicht die Einzige, die mit fragendem Blick dasitzt. Aber was bitte schön sind Scherle und Deiers? Bald wird mir klar, dass im Deister-Süntel-Platt mit seinen vielen Ös und Üs „ie“ gerne zu „ei“ wird, es sich bei den „Feierlingen“ um die Vierlinge handelt, die eine 65-Jährige im Vorjahr zur Welt brachte. In Sachen Gesundheitstipps nimmt sich Brigitte Wehrhahn des Müüls an und zeigt gottlob darauf – aha, sie spricht also über den Mund. Gut zu wissen, denn später macht sie sich über das Riesenmüül von Nationalspieler Thomas Müller her und ich bin im Bilde.

Als die Eimbeckhäuserin empfiehlt: „Bei Hitze bitte keine Kinners und Deiers im Auto lassen – nur Schwiegermütter“, geht mir ein Licht auf: Deiers sind Tiere! Schon wieder diese verdrehten Laute, so wie beim Baierbuuch, dem Bierbauch. Langsam groove ich mich ein, das Utlopmodell (Auslaufmodell) ist kein Problem mehr. Bei Snei ist der Schnee gemeint – und auch die Scherle, die mir anfangs Herzklopfen bescherte, während alle anderen lachten, erschließt sich mir dank dort arbeitender Lehrer. „Oma war’n bisschen geräumiger“ oder „ein breiteres Chassis – wie Cindy aus Marzahn“ versteht sich von alleine. „Man kann auf Platt drastische Dinge sagen, ohne dass es wehtut“, meint Brigitte Wehrhahn, wobei man sich ihre Beschreibung der Böx von heute, des String-Tangas als Hämorrhoidenraspel, nicht zu bildlich vorstellen sollte.

Schlag auf Schlag geht es in ihrem elften Programm mit Aktuellem aus aller Welt, Witzen, Geschichten von Kerls und Frouwe, von Promis und Niedersassen. Regelmäßig Zustimmung ernten Wehrhahns Lebensweisheiten oder wenn sie die Stimme der lüttchen Leut ergreift und gegen „die da oben“ wettert. Nach den Absackern von der goldenen Hochzeit und dem recycelten Kondom-Kaugummi gibt’s tosenden Applaus – und ich weiß auch warum …

Erotik in höchster Potenz: Brigitte Wehrhahn zeigt, wie use Angela ihre Perlonsöckchen anzieht.

Foto: ah



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