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Bewohner der Einrichtungen des Deutschen Taubblindenwerks bereiten ersten Verkaufstag vor

Pflanzen spielen Nebenrolle in der Gärtnerei

Fischbeck (ah). Unermüdlich füllt Lars Wäterling Erde in Plastiktöpfe, später stellt er kleine Paprikapflanzen dicht an dicht auf einem riesigen Tisch im Kulturraum ab. Lars Wäterling gehört zu den 40 Bewohnern der beiden Fischbecker Einrichtungen des Deutschen Taubblindenwerks, die in der Gärtnerei in „Unser Dorf“ nach festem Stundenplan eingeteilt arbeiten.

veröffentlicht am 28.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:41 Uhr

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Dort herrscht momentan Hochbetrieb: Unzählige Blumen- und Gemüsepflanzen unterschiedlicher Größen lagern im 190 Quadratmeter großen Kulturraum – von Kräutern über Sommerblumen, Duft- und Gemüsepflanzen bis hin zu Erdbeeren. „Wir machen hier alles, was auch in anderen Gärtnereien erledigt wird – mit dem Unterschied, dass bei uns die Bewohner vorgehen, die Pflanzen an zweiter Stelle stehen“, sagt Rudi Meyer, der die Gärtnerei mit drei Kolleginnen betreut.

Je nach Neigung und Eignung übernehmen die Bewohner im Arbeitsraum Aufgaben wie Stecklinge machen, Pflanzen pikieren oder Etiketten für die Blumentöpfe beschriften. „6000 Geranienstecklinge vom Großmarkt haben mehrfachbehinderte Blinde oder Taubblinde hier vor Kurzem pikiert“, berichtet Meyer, von Beruf Gärtner im Bereich Zierpflanzen und Gemüsebau. Bis zum Verkauf werden sie bei der Pflanzenbetreuung mit eingebunden, helfen beim Gießen oder werden an die Hand genommen, wenn es darum geht, welke Blätter zu entfernen.

„Wir arbeiten aber auch mit Ton, bepflanzen selbst gefertigte Tonschalen oder binden Türkränze“, sagt Kerstin Schnurbusch, gelernte Staudengärtnerin, die seit 1991 in der Einrichtung tätig ist.

„Die taktile Wahrnehmung der unterschiedlichen Blätter, die Bewegungsfreiheit während der Arbeit, aber auch der Duft von Pflanzen wie den Pfefferminzgeranien“ – das Wirkungsfeld Gärtnerei spreche die Sinne an“, sagt Meyer.

Begonnen hat alles 1990 in einem 49 Quadratmeter großen Gewächshaus, das aktuell Gemüsepflanzen beherbergt, im Sommer auch als Ausstellungsfläche für den Basar eingesetzt wird. Als einer der ersten Mitarbeiter der neu eröffneten Einrichtung des Deutschen Taubblindenwerks in Fischbeck begann Rudi Meyer, dort mit Bewohnern aktiv zu werden. „Wir mussten erst einmal herausfinden, ob sie gerne mit Erde arbeiten, mussten zusammen mit ihnen Arbeitstechniken und Hilfsmittel entwickeln, mit denen sie bestimmte Tätigkeiten verrichten konnten“, erinnert er sich.

Als das Gewächshaus aus allen Nähten platzt, wird 1998 eine Fläche von 300 Quadratmetern neu eingeebnet, auf der ein in Arbeits- und Kulturraum aufgeteiltes Glashaus errichtet wird. „14 Arbeitsplätze sind dabei für unsere Bewohner entstanden“, berichtet Rudi Meyer. An einem bringt der taubblinde Hans-Peter Walter völlig eigenständig Tomatenpflanzen mithilfe eines Pikierstabes in die Erde und steckt anschließend in jeden Blumentopf ein Namensetikett.

Am Arbeitsplatz daneben wartet eine mit Erde gefüllte Pikierschale darauf, mit Salat- und Kohlrabipflanzen bestückt zu werden, eine Art Lineal mit Vertiefungen an einer Längskante dient als Hilfsmittel.

„Seit über zehn Jahren liefern wir unsere Pflanzen an drei Hamelner Kleingartenanlagen, 30 000 bis 35 000 Pflanzen verkaufen wir direkt vor Ort“, erzählt Meyer. Gefragt seien neben Blumen 15 bis 20 Zentimeter hohe Salat- und Gemüsepflanzen, darunter allein 25 verschiedene Tomatensorten, auch seltene wie die begehrte brasilianische Baumtomate. Ebenso viele Pflanzen verbleiben am Pötzer Kirchweg, werden von Kunden direkt in der Gärtnerei gekauft oder in die Beete auf dem Gelände gepflanzt.

Noch einmal so viele Pflanzen werden gemeinsam mit Bewohnern im 7,5-Tonner nach Hannover zum Taubblindenzentrum sowie zum niedersächsischen Blindenverband gebracht und dort verkauft.

Solch ein Pflanzenverkaufstag wird nun erstmals auch auf dem „Landhof Fischbeck“ in der Zentralstraße stattfinden – und zwar am 12. Mai von 10 bis 17 Uhr. Die Besucher können sich schon jetzt auf eine botanische Vielfalt freuen, die Augen- und Gaumenfreuden verspricht.



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