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Britta Delschen coacht unter anderem Führungskräfte – mithilfe ihrer Tiere

„Pferde sind wie ein Spiegel“

HESSISCH OLDENDORF.Britta Delschen kennt jedes ihrer sechs Pferde ganz genau. Für ihren Beruf ist das auch erforderlich, denn mithilfe ihrer Tiere coacht sie unter anderem Führungskräfte und Vertriebsmitarbeiter – ab diesem Sommer auch auf ihrem Hof in Hessisch Oldendorf.

veröffentlicht am 23.04.2017 um 15:49 Uhr

Wallach Sony ist einer der tierischen Trainingspartner, mit denen Britta Delschen arbeitet. FOTO: sop

Autor:

Sophie Sommer
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Meadow, eine weiß-braun gescheckte Stute, sucht die Nähe zum Menschen, braucht viel Aufmerksamkeit und will es immer allen recht machen. Wallach Sony ist hingegen dominant, geht aber offen auf Menschen zu. Wenn aber jemand zu forsch mit ihm umgeht, wird er bockig. Britta Delschen kennt jedes ihrer sechs Pferde ganz genau. Für ihren Beruf ist das auch erforderlich, denn mithilfe ihrer Tiere coacht sie unter anderem Führungskräfte und Vertriebsmitarbeiter. An rund 15 pferdegestützten Coachings war Delschen als Co-Trainerin schon beteiligt, viele hat sie auch selbst geleitet. Bisher war sie dafür immer deutschlandweit unterwegs. Ab diesem Sommer sollen die Seminare jedoch auch auf ihrem Hof in Hessisch Oldendorf stattfinden.

„Bei Führungskräften kommt es auf die richtige Kommunikation und Körpersprache an – und die können sie am besten im Umgang mit den Pferden lernen“, erklärt Delschen. Dafür gebe es ganz einfache Übungen, die auch ohne große Vorkenntnisse mit Pferden durchgeführt werden könnten. In der Reithalle sollen die Führungskräfte etwa ein Pferd im Kreis führen. Erst mit, dann ohne Strick. Dominante Führungskräfte würden bei ebenfalls dominanten Pferden wie Sony gut ankommen. „Kleine Machtkämpfe gehören dann dazu, aber am Ende gehen beide in dieselbe Richtung“, meint Delschen.

Anders ist es bei harmoniebedürftigen Pferden wie Meadow: „Das Tier wird sich erst weigern, dann mitgehen. Aber zufrieden wird es dabei nicht sein.“ Wenn ihnen etwas nicht passe, zeigten das die Pferde – anders als viele Mitarbeiter – sofort. „Die Pferde sind wie ein Spiegel“, sagt Delschen, weil sie „unmittelbares Feedback“ geben. So werde den Führungskräften bewusst, wie sich ihr Verhalten auf unterschiedliche Charaktere, egal ob Mensch oder Tier, auswirke.

Die Übungen filmt Delschen, damit die Teilnehmer sich selbst und die Reaktion der Pferde beobachten können. Anders als bei gewöhnlichen Seminaren würden die Manager ihre Fehler auf diese Weise viel schneller einsehen, da die Übungen mit den Pferden authentischer als Rollenspiele seien.

Delschen spricht aus Erfahrung – sie leitet seit über 20 Jahren Seminare. Als sie das erste Mal von pferdeunterstützten Coachings gehört hat, war sie skeptisch: „Zuerst dachte ich, das ist doch totaler Quatsch.“ Ihre Meinung änderte sich, als sie 2011 selbst an einem solchen Coaching teilnahm. Seitdem hat sie Seminare und Fortbildungen besucht und Reitunterricht genommen.

Um selbst pferdegestützte Seminare anzubieten, fehlte Delschen jedoch lange das passende Grundstück. Vor drei Jahren fand sie es dann in Hessisch Oldendorf: ein Hof mit acht Hektar Land. So viel Platz sei nötig, da die Pferde möglichst frei in der Herde leben sollten. Im Sommer seien sie die ganze Zeit draußen auf der Wiese, im Winter können sie sich zwischen Paddock und Freilaufstall entscheiden.

Beim Kauf der Tiere hat Delschen besonders auf ihren Charakter geachtet. „Wir wollten naturnahe Pferde, die aber auch brav und relaxt sind“, sagt sie. Wildpferde eigneten sich dafür am besten, deshalb besitzt Delschen auch eine Mustang-Stute. „Wenn die Pferde nicht vernünftig von den Teilnehmern motiviert werden, bleiben die einfach stehen wie eine deutsche Eiche.“

Auch Menschen, die sich auf Bewerbungs- oder Gehaltsgespräche vorbereiten, können Delschens Seminare buchen. Ihnen gehe es hauptsächlich darum, selbstsicher aufzutreten. Das war auch das Ziel eines Coachings, das Delschen besonders in Erinnerung geblieben ist. Auszubildende einer Großbäckerei sollten im Umgang mit den Pferden merken, dass sie respektiert werden. In einem kleinen abgegrenzten Bereich waren sie allein mit dem Pferd. Mithilfe von Gegenständen wie Fahnen und Gerten sollten sie sich den Respekt der Pferde verschaffen, aber gleichzeitig ihr Vertrauen gewinnen. „Den jungen Leuten wurde klar, dass sie kompetent sind und von anderen respektiert werden“, sagt Delschen. Vertriebsmitarbeitern gehe es hingegen meist darum, freundlich und vertrauenswürdig zu wirken. Delschen: „Wenn ein Pferd mich zu aggressiv findet, wird es nicht das machen, was ich will. Genauso ist es bei potenziellen Kunden, die mich dann niemals in ihr Haus lassen würden.“

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