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Theatergruppe Haddessen voll Vorfreude auf heute Abend / Premiere und Aufführungen in Pötzen

Pannen bei Generalprobe – so muss es sein

Pötzen. Bei jedem Theaterstück, mit dem die Bühnenbretter der Welt erobert werden, gibt es nach intensiver Probenarbeit eine Generalprobe. Und die sollte schlecht sein, dann werden die Aufführungen gut, so der weit verbreitete Theateraberglaube. Einer der großen deutschsprachigen Schauspieler des vergangenen Jahrhunderts und gleichzeitig dienstältester Akteur der Welt mit Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde war der kürzlich im Alter von 108 Jahren verstorbene Johannes Heesters. Intensive Probenarbeit, das wusste Heesters, sei notwendig, um einem geschriebenen Text Leben einzuhauchen. An Gesten müsse gefeilt, Auf- und Abgänge geprobt und Requisiten passend eingesetzt werden. Die Rolle sollte für den Schauspieler in Fleisch und Blut übergehen. In jungen Jahren freute sich „Jopie“ Heesters allerdings diebisch, seinen jeweiligen Partnern kleine Streiche zu spielen. Anfang der 1950er Jahre spielte er im legendären Wiener Raimundtheater eine der Hauptrollen in Bruno Granichstaedtens „Der Orlow“. Bereits bei den Proben machte er seinem Bühnenpartner Peter Gerhart das Leben schwer. Wenn beide Hauptdarsteller sich zum ersten Mal auf offener Szene begegnen, musste Gerhart immer die Worte sprechen: „Da kommt ja mein Maschinist.“ Gleichzeitig sollte er mit ausladender Geste in die linke Kulisse deuten. Jopie Heesters trat jedoch prompt von rechts auf. Zeigte Gerhart bei der nächsten Probe nach rechts, betrat Heesters die Bühne von links. Gerhart ließ also die Handbewegung weg und änderte in der öffentlichen Generalprobe einfach den Text. Neutraler verkündete er: „Jetzt wird ja gleich mein Maschinist auftauchen.“ Doch während sich Gerhart auf der Bühne im Kreis drehte und in die Kulissen spähte, aus welcher Ecke Heesters tatsächlich auftreten würde, kroch dieser grinsend und augenzwinkernd, unter dem begeisterten Applaus der geladenen Zuschauer, aus dem Souffleurkasten. Peter Gerhart bekam einen Lachanfall, vergaß seinen Text, und der Aberglaube an eine missratene Generalprobe, dem über einhundert erfolgreiche Aufführungen folgten, war gerettet.

veröffentlicht am 14.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Stefan Bohrer
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„Dieser Aberglaube ist Quatsch“, betont Christiane Jahn von der Theatergruppe Haddessen. „Unsere Generalproben klappen immer wie am Schnürchen“, fügt sie an. Sie hat in diesem Jahr die Hauptrolle ergattert in Helmut Schmidts heiterem Dreiakter „Stacheldraht ums Himmelbett“. Neben Christiane Jahn spielen Silke Wollnik, Marion Scharff, Maren Homeier, Peter Zimmer, Thorben Drews und Lars Kugel.

„Perfektes Timing in einer Komödie ist alles“, weiß die Schauspieltruppe aus dem Sünteldorf, die vor Jahren schon den Schritt weg vom Bauerntheater hin zum Boulevardtheater vollzogen hat. Die Bühnenbauer Jens Manentzos und Klaus Sievers haben im Vorfeld der Bühne im Schützensaal in Pötzen den nötigen Feinschliff verpasst. Nun kann Schmidts vor Situationskomik strotzendes Stück in perfekter Kulisse aufgeführt werden. Trotzdem steckt der Teufel im Detail.

Die öffentliche Generalprobe vorgestern Abend war zum Glück eines nicht, nämlich perfekt. Munter wird über kleine Fußbänke gestolpert, was zwar entfernt an „Dinner for one“ erinnert, aber mit Sicherheit so nicht geprobt wurde. Lars Kugel als Darsteller des jugendlichen Liebhabers hat mit seiner ausgefeilten Mimik und Gestik sofort die Lacher auf seiner Seite, aber den Text nicht ganz parat. „Muss ich jetzt eigentlich etwas sagen?“ fragt er die Hauptdarstellerin in seiner Auftrittsszene. „Nein“, lautete deren lapidare Antwort. Auch neue Wortschöpfungen kreiert das Ensemble am laufenden Band: Unter anderem mutiert das Abwaschbecken in der Küche zur „Küssen-Spüle“, und die beiden Söhne des Hauses werden als „Fried-Heinrich“ zu einer Person zusammengefasst. Außerdem öffnen sich Türen plötzlich von Geisterhand und werden sofort wieder geschlossen, weil das passende Stichwort noch nicht fiel.

Das Publikum hat damit seinen Spaß und spendet eifrig Szenenapplaus. „So viel zum Thema perfekte Generalprobe“, sagt Souffleuse Nicole Klünder abschließend. Selbstverständlich ist auch ihr die alte Theaterweisheit bekannt, dass eine Generalprobe gründlich in die Hose gehen muss, damit die Aufführungen umso besser werden.

Und davon kann sich das Publikum ab heute Abend um 19 Uhr im Schützensaal in Pötzen überzeugen. Die weiteren sieben Aufführungen von „Stacheldraht ums Himmelbett“ sind am 15. Januar bis einschließlich zum ersten Februarwochenende geplant. Samstags wird in Pötzen ab 19 Uhr gespielt. Die Sonntagsvorstellungen beginnen bereits um 16 Uhr. Wenige Restkarten für einzelne Vorstellungen gibt noch bei Marlies Lampe, Tel. 05152/6641.



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