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Rechtsanspruch erfüllt, aber weiterhin große Nachfrage bei Krippen / Auswahlverfahren regelt Vergabe

Ortswechsel statt Wunschkita – keine Platzgarantie

Hemeringen (ah/mafi). Um junge Familien oder Alleinerziehende in ländlichen Gemeinden wie Hessisch Oldendorf zu halten, ist es wichtig, dass das Betreuungskonzept stimmt. Denn davon hängt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ab. Knapp 1,3 Millionen Euro hat die Stadt in den letzten Jahren in den Ausbau von Kindertagesstätten investiert, hinzu kommt eine Fördersumme in Höhe von mehr als 1,8 Millionen Euro. 487 Kindergarten- und 79 Krippenplätze stehen im Stadtgebiet an zwölf Standorten zur Verfügung, um eine flächendeckende, wohnortnahe Betreuung zu realisieren. Den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz kann die Stadt zu 100 Prozent befriedigen, bis August 2013 entstehen 19 weitere Krippenplätze, 15 in Hemeringen und vier in Großenwieden.

veröffentlicht am 28.12.2012 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:21 Uhr

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„Damit ist der angenommene Bedarf von 35 Prozent erreicht, zudem sollen Großtagespflegeplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen werden“, erklärt die Fachdienstleiterin Kinderbetreuung, Margareta Seibert. Dass trotz dieses Betreuungsspektrums für Familien nicht immer alles nach Wunsch läuft, zeigt das Beispiel des zweijährigen Damian aus Lachem. Seit dem 15. November 2011 besucht er mit Kindern aus dem gesamten Stadtgebiet die Krippe in Hemeringen und fühlt sich dort „sauwohl“, wie seine Großmutter Raymonda Sbrzesny berichtet. Nach der Elternzeit hatte Damians Mutter ihren Beruf wieder aufgenommen, bis zur verspäteten Eröffnung der Krippe betreute ihre Mutter den Jungen. „Bei der Anmeldung für Krippe und Kindergarten habe ich extra nur Hemeringen angegeben, weil meine Mutter dort wohnt und ihn abholen kann, da ich ganztags in Emmerthal arbeite“, erzählt Damians Mutter. Als ihr Sohn den Platz in der Hemeringer Krippe antreten konnte, sei sie davon ausgegangen, dass er später in den dortigen Kindergarten wechseln könne. Eingeschult werden solle er ja auch in Hemeringen, erklärt sie. Kürzlich erhielt sie einen Brief von der Stadtverwaltung, in dem sie darauf hingewiesen wurde, dass Damian zum 1. März 2013 die Krippe verlassen müsse. Die Nachfrage nach Krippenplätzen ist groß – 45 Kinder stehen bei der Stadt auf der Warteliste, und da Damian am 15. Februar drei Jahre alt wird, muss er in den Kindergarten wechseln. Ein Platz ist ihm sicher, allerdings nicht in Hemeringen, sondern nur in Fischbeck, Fuhlen oder Heßlingen. „Ich bin entsetzt gewesen, als ich das gelesen habe“, erinnert sich Damians Mutter. „Ich wünsche mir, dass sich die Mitarbeiter bei der Stadt mal Gedanken darüber machen, dass Kinder, die in einer Krippe unter einem Dach mit einem Kindergarten sind, in diesen überwechseln können, wenn das vorher bewusst so angegeben wurde“, meint sie und ergänzt: „Mit Rücksicht auf die Familien müsste das einfach besser organisiert werden.“

„Die zuständige Mitarbeiterin hat sich um Damian viele Gedanken gemacht, aber es geht leider nicht, dass er in Hemeringen bleiben kann“, sagt Margareta Seibert und begründet: „Für diesen Kindergarten liegen mehr Anmeldungen als Plätze vor, deshalb wurde ein vom Rat beschlossenes Auswahlverfahren eingeleitet, das nach objektiven Gesichtspunkten die Rangfolge der Platzvergabe festlegt.“ Klare Regeln, an die sich die Verwaltungsmitarbeiter halten müssen: „Berufstätigkeit“ rangiert dabei nach „Kindeswohlgefährdung“ und „alleinerziehend“ erst an dritter Stelle.

Einzig in der Familiengruppe in Rumbeck können Kinder unter drei Jahren mit einem sicheren Platz als Kindergartenkind rechnen, weil das Konzept die Betreuung von Ein- bis Sechsjährigen in einer Gruppe festgelegt. „Für Krippenkinder gilt solch eine Platzgarantie in der Kindergartengruppe der gleichen Einrichtung nicht, da auch Eltern, die keine Krippenbetreuung nutzen, die gleichen Chancen erhalten sollen, einen Platz in der Wunsch-Kita zu erhalten“, sagt Seibert und ergänzt: „Außerdem könnte eine Platzgarantie dazu führen, dass dieser über Monate unbesetzt bleibt, bis das Krippenkind drei Jahre alt wird.“ Seibert fährt fort: „Sollte die Wunschkita belegt sein wie im Fall von Damian, bieten wir immer einen Alternativplatz sowie die Möglichkeit an, zum darauffolgenden Kindergartenjahr über den Wechselstatus bevorzugt einen Platz in der Wunschkita zu erhalten.“

„Natürlich kann kein Kindergartenplatz hervorgezaubert werden, wenn Gruppen bereits voll sind – aber trotz der Vorschriften sollte sich die Stadt doch vorher mal überlegen, was so ein Wechsel für ein dreijähriges Kind bedeutet“, meint Raymonda Sbrzesny und fügt hinzu: „Erst gewöhnt sich Damian an die Krippe, demnächst muss er sich auf neue Gesichter in Heßlingen einstellen und schließlich wieder auf den Hemeringer Kindergarten.“ „Aus pädagogischen Gesichtspunkten ist die durchgängige Betreuung vorzuziehen, aber wenn es zu Engpässen an einem Standort kommt, muss es ein Verfahren geben, das transparent und nachvollziehbar festlegt, wer den Platz bevorzugt bekommt“, betont Margareta Seibert und ergänzt: „Eine Kommune, die verschuldet ist, kann keine Überkapazität im Kitabereich aufbauen in Zeiten, wo allen bekannt ist, dass der demografische Wandel in der Zukunft zum Leerstand in Kitagruppen führen wird.“

Vor wenigen Tagen erhielt Damians Mutter schriftlich die Bestätigung der Stadt Hessisch Oldendorf, dass ihr Sohn zum 1. März den Platz in Heßlingen und zum 1. August im Hemeringer Kindergarten sicher hat. So wird Raymonda Sbrzesny fünf Monate lang nach Heßlingen fahren müssen, um Damian aufzulesen. Von der Entfernung her ist das zumutbar – die Grenze liegt im ländlichen Raum etwa bei sechs Kilometern, für die Familie wäre Damians Verbleib in Hemeringen allerdings die glücklichere Lösung.

Ortswechsel statt Wunschkita – keine Platzgarantie

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