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Gratwanderung zwischen der Verantwortlichkeit des Schulträgers und

Ohne Elternhilfe sähe es bei Renovierungen düster aus

Hessisch Oldendorf. „Grässlich“, denkt sich Heinz Lohmar beim Elternabend in der Grundschule Fischbeck, als der Blick am Boden haften bleibt. Der Belag tut dem Fachmann in den Augen weh. Für eine Schule ungeeignet und total verschmutzt sei der Boden gewesen. Lohmar überlegt nicht lange: Seine Firma spendiert kurzerhand einen unverwüstlichen, hochwertigen Kautschuk-Boden. Auch das Schiller-Gymnasium profitierte bereits davon, dass die Tochter des Fachmanns die Hamelner Schule besucht: In jedem Klassenzimmer, in dem das Mädchen saß, ist der Boden top.

veröffentlicht am 03.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Elternhilfe ist gern gesehen an den Schulen – egal, ob als Hilfslehrer, beim Essenausteilen oder beim Streichen der Klassenzimmer. In der Fischbecker Grundschule sind 11 von 12 Klassenzimmern von Müttern und Vätern gestrichen, in der Grundschule am Rosenbusch in Hessisch Oldendorf sogar alle, ebenso in Heßlingen. Zumindest Pinsel und Farbe bezahlt die Stadt. Das Budget, das pro Jahr für Renovierungsarbeiten zur Verfügung gestellt wird, sei „immer zu klein“, sagt Schulleiter Michael Nimsch-Faron. Das Geld gehe drauf für unabwendbare Dinge wie Brandschutztüren, für „Kosmetik“ bleibe nur wenig. Verlässt sich die finanziell klamme Kommune also inzwischen darauf, dass die Eltern sich für das Lernambiente an den Grundschulen verantwortlich fühlen? Und wo verläuft die Grenze zwischen vertretbarem Engagement und dem Abladen der Verantwortung?

Scheinbar ist es eine fließende Grenze, denn die Schulen sitzen in der Zwickmühle: Sie haben kein Geld, aber dafür Eltern mit gewachsenen Ansprüchen. Bevor der Unmut zu groß wird, nehmen sie die Hilfe an. Vielen Eltern wiederum geht es wie Heinz Lohmar: Sie wissen, dass es eigentlich Aufgabe des Schulträgers ist, die Räume in Schuss zu halten, aber sollen sie warten, bis die Kinder aus der Schule sind? Da packen viele lieber mit an.

Dort, wo sich die Eltern nicht engagieren, offenbart sich oft das ganze Dilemma. So wurden beispielsweise Lehrer- und Schulleiterzimmer in Heßlingen das letzte Mal vor zehn Jahren gestrichen, und das düstere Backsteinfoyer der Hessisch Oldendorfer Grundschule wurde seit den 70er Jahren nicht erneuert. Aber auch wenn die Schulinspektion diesen Punkt jedes Mal moniert und Schulleiterin Monika Rehberger das Problem immer wieder zur Sprache bringt – es bewege sich nichts, obwohl sich mit ein wenig Farbe und Kreativität aus ihrer Sicht etwas ändern ließe. Während sie nachvollziehen kann, dass die Stadt dort spart, wo Lehrer und Eltern noch selbst etwas organisieren können, hört das Verständnis beim knappen Lehrmitteletat auf. Eine Anpassung mahnt sie genauso an wie ihre Kollegin Renate Papay, Schulleiterin in Hemeringen. „Um alles, was nicht eklatant wichtig ist, müssen wir kämpfen“, sagt Rehberger. Während sie bei der Anschaffung eines Rasenmähers für den Hausmeister erfolgreich war, bleibt die Grundreinigung der Schule in Hemeringen auf der Liste der unerfüllten Wünsche. Die Grundschule Heßlingen dagegen hat ihren neuen Kopierer bekommen, der Haken: Die 500 Euro mehr an Leasinggebühren pro Jahr wurden bei den Lehrmitteln wieder abgezogen. „So hatten wir uns das nicht vorgestellt“, sagt Leiterin Waltraud Matter-Wiemann.

Auch in Großenwieden sind die Eltern aktiv gewesen: Die Bücherei haben sie komplett eingerichtet und bestückt, die Wände gestrichen, Teppich verlegt und Gardinen genäht. Mit der Grundausstattung ist Schulleiterin Heidi Finger zufrieden, ebenso wie Ottmar Framke, Leiter der Oberschule Hessisch Oldendorf. Dennoch: Auch für die ehemalige Realschule haben sich Eltern ins Zeug gelegt: Als der sogenannte B-Trakt 2004 von der Hauptschule übernommen wurde, haben Mütter, Großmütter und sogar eine Urgroßmutter Gardinen genäht. Dankbar ist man auch den Fördervereinen, ohne die vielfach „gar nichts laufen würde“: Viele Vorhaben wie die Gestaltung der Außengelände und neue Spielgeräte werden mithilfe der Vereine realisiert. Zufrieden sind die meisten übrigens mit der Ausstattung moderner Medien. Darüber, dass Mittel aus dem Konjunkturpaket II hier investiert wurden, ist man in den Kollegien froh.

Heinz Lohmar dagegen ist von der Stadt Hessisch Oldendorf enttäuscht – ein Dankeschön hätte er zumindest erwartet für den teuren Boden. „Die Stadt Hameln hat sich immerhin bei mir bedankt.“



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